Zurück zur Erde

Um mich herum war mehr Licht, und ich sagte bereits, dass meine Wohnung offen blieb; sie sollte nun ewig offen bleiben.
Ich verstand meinen Zustand vollkommen; nichts war mehr fremd und unverständlich für mich.
Nun sehnte ich mich nach meinen Lieben.
Ich versuchte, mir eine Vorstellung von der Erde zu machen, doch ich musste aufhören, da ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte.
Wo war die Erde, der Planet, auf dem ich gelebt hatte?
Wie ging es meinen Lieben und wie lange war ich bereits tot?
Lebten sie noch alle, meine Frau und mein Kind?
Waren sie gesund?
Der Bruder wusste, dass ich ein Kind hatte!
Es kam mir so vor, dass ich schon eine geraume Zeit hier weilte.
Wie hatte ich mich schon verändert; und trotzdem hatte ich noch nichts getan und so wenig erreicht.
Ich hatte lediglich gelernt, an mir selbst zu arbeiten, mehr nicht.
Dennoch dachte ich nun anders und es kostete mich keine Mühe, denn ich war nicht mehr verwirrt.
Dieser Kampf war unerträglich gewesen; lange hätte er nicht dauern dürfen.
Nun verstand ich den Bruder vollkommen.
Aber die Tiefe des ewigen Lebens konnte ich noch nicht ergründen, das hatte ich noch zu lernen.
Wie einfach war alles, aber doch so schwer.
Was hatten denn die Menschen dann abzulegen, die nur so draufloslebten, und erst diejenigen, die für nichts Liebe empfanden.
Wie viel hatten sie wiedergutzumachen.
Ich hatte schon jetzt Mitleid mit ihnen, es waren arme Menschen, wenn sie hier ankommen würden.
Oh, mich schauderte, wenn ich an sie dachte.
Ich war nur ein Kind im Bösen, hatte kein großes Übel getan, und trotzdem hatte ich so viel ablegen müssen.
Auf der Erde gönnte ich jedem sein Glück, schmachtete nicht nach Reichtum, sondern lebte mein eigenes irdisches Dasein.
Ja, irdisch war es, ich fühlte es und begriff nun den großen und gewaltigen Unterschied in beiden Leben.
Schlecht war ich nicht gewesen, aber auch nicht gut.
Ich lebte zwischen der stofflichen und der geistigen Abstimmung, schwebte im Raum und hatte keinen geistigen Boden unter den Füßen.
In demselben Zustand war ich hier angekommen und bereits jetzt hatte ich all das Irdische, jenes Nichtssagende, abgelegt.
Sll meine Freunde und Bekannten, die wie ich arm an Geist waren, sah ich an meinem geistigen Auge vorüberziehen.
Wie fühlten sie sich, diese Unglücklichen?
Jeden Sonntag gingen sie zur Kirche, und trotzdem, ich wusste es jetzt nur allzu gut, hatten sie keinen geistigen Besitz.
Auf diese Art und Weise würden sie ihn auch niemals erhalten oder sich aneignen können.
Sie lebten nicht danach und waren grobstofflich, manchmal sogar gemein, sehr gemein.
Von ihrem Gesicht konnte man ihre Religion ablesen, sie entzündeten Kerzen und Weihrauch und schimpften auf andere Religionen und Menschen.
Nun durchschaute ich dies alles, nun wusste ich, was all jenes Irdische bedeutete.
Wie viele Kerzen hatte meine Mutter wohl für mich anzünden lassen?
Womöglich Dutzende, und trotzdem war ich nicht im Himmel und wäre durch diese Kerzen auch nie dort hingekommen.
Aber die Kirche, ihre Religion und ihr Glauben, spornten sie an, so zu handeln.
Ich musste an mir selbst arbeiten, sonst würde ich nicht ans Ziel kommen, und ich wollte das ernsthaft.
Auf der Erde kannte ich Leute, die einem anderen nichts gönnten, und trotzdem waren sie fromm und glaubten, dass auch sie ins Paradies kommen würden.
Jetzt sah ich schon ihre verzerrten Gesichter und hörte sie schreien und fragen, warum und wozu?
Sie würden ihren Himmel empfangen und die Pforten des Himmels würden ihnen aufgetan werden, aber was für ein Himmel?
Oh, wenn sie hier ankommen würden, dann wärr ihr Leid furchtbar.
Je mehr Kampf man auf der Erde empfangen hatte, desto glücklicher sollte der Mensch auf dieser Seite sein.
Nun fühlte ich es, jetzt, da ich mich selbst kennengelernt hatte.
Endlich kam der Bruder mich rufen und bald waren wir draußen.
Alles war eigenartig für mich, ich will dir das erzählen, Jozef.
Wir spazierten in der Natur, doch während des Spazierengehens sah ich, dass die Natur und alles um mich herum verschwamm.
Dann fühlte ich, dass ich leichter wurde, und meine Umgebung war verschwunden.
Alles hatte sich vor mir aufgelöst.
Wir waren in den Kosmos aufgenommen und schwebten im Raum, auf dem Weg zur Erde.
Ich blieb in demselben Licht, dem Licht, das um mich herum lag und das ich meines nennen durfte.
Das war also meine eigene Abstimmung, die Liebe, die ich besaß.
In jenem Licht würde ich die Erde sehen.
Der Bruder verdeutlichte mir alles und ich fragte ihn viele Dinge, denen wir auf unserem Weg begegneten.
Du kannst dir nicht vorstellen, wie großartig es ist, im Universum zu schweben.
Ich fühlte mich, als ob ich auf der Erde lebte, und dennoch wusste ich, dass ich dort gestorben war.
Zwar sah und hörte ich alles, doch ich verstand noch wenig davon.
Dieses Auflösen meiner Sphäre fand ich wundersam.
Die Menschen auf der Erde werden sich davon keine Vorstellung machen können, aber einst werden alle es erleben.
Ich sah Planeten, Sterne und andere Körper, und darauf lebten Menschen, Menschen wie wir, doch in einem höheren Zustand.
Wir begegneten anderen Wesen, aber diese Menschen konnte ich allein durch die Kräfte meines Lehrmeisters wahrnehmen.
Das ist alles nur Konzentration, das innere Sich-Einstellen, das Übergehen auf diese Abstimmungen, aber die Fähigkeit dazu besaß ich noch nicht.
Ich fragte den Bruder, wie lange ich bereits in den Sphären war.
Er sagte: „Sechs Monate und ein paar Tage, nach irdischer Zeit.“
Sechs Monate; mir schien es eine Ewigkeit.
Ich dachte an meine Frau und mein Kind.
Wie würde ich sie wiedersehen und sie finden können?
Wie glücklich würden sie sein, wenn ich in ihrer Mitte wäre.
Nun wurde es finster um mich herum, aber danach sah ich wieder aus meiner eigenen Abstimmung heraus, denn mein Licht blieb, und trotzdem befand ich mich in einer unbekannten Finsternis.
Als ich den Bruder fragte, was dies bedeutete, sagte er: „Wir befinden uns in der Sphäre der Erde.“
Merkwürdig, dachte ich.
Womit dachtet Ihr, Euch zu verbinden?“, fragte mich der Bruder.
Verbinden?
Was war Verbinden?
„Ihr wollt zu Eurer Frau und Eurem Kind, nicht wahr?“
„Ja, gerne.“
„Dann werde ich mich auf Euch konzentrieren und Ihr denkt weiter an Eure Frau und Euer Kind, das ist Verbinden.
Indem wir an etwas denken und uns darauf konzentrieren, werden wir Verbindung erhalten.“
Nun verstand ich, was Verbinden bedeutete.
Ich dachte also an mein Haus auf der Erde; dort würde ich sie finden.
Es war nicht einmal schwer, und weil ich mich sehnte, blieb ich mit ihnen in Verbindung.
Nichts erschien mir einfacher.
„Seht“, sagte der Bruder, „dort vor Euch, das ist die Erde.“
Ich sah eine mächtige Kugel und aus dieser Kugel sah ich ein schwaches Licht herausstrahlen.
Um die Kugel herum sah ich einen Lichtkreis, der eng um sie herum lag.
„Die Ausstrahlung der Erde“, sagte der Bruder.
„Das ist der Planet Erde; dort lebtet Ihr, dort seid Ihr gestorben.“
Großartig war das, was ich wahrnahm.
„Wisst Ihr, wo sie wohnen?“, fragte ich.
„Ich nicht“, sagte der Bruder, „aber Ihr wisst es doch?“
Wie sollten wir auf dieser großen Erde, so überlegte ich, meine Frau und mein Kind finden können?
Doch der Bruder sprach: „Ihr denkt weiter an sie, dann werden Eure eigenen Gedanken Euch zu ihnen bringen.
Ich verbinde mich, wie ich Euch gesagt habe, wiederum mit Euch, Eure Gedanken führen uns also zu ihnen.“
„Wie einfach das ist“, sagte ich zum Bruder.
„Alles ist einfach, wenn wir diese Kräfte kennen, doch ich rate Euch, bei allem, was Ihr erleben werdet, ruhig und gelassen zu bleiben.
Denkt vor allem daran, Euch zu beherrschen.“
„Ja, das werde ich tun“, sagte ich.
Nun bekam ich das Gefühl, dass ich nicht mehr denken konnte.
Wie sehr ich auch wollte, ich konnte den gewünschten Gedanken mit all meiner Kraft nicht festhalten.
Ich fragte den Bruder, was dies bedeutete, und er sagte: „Ich zog meine Kraft von Euch zurück und Ihr fühltet, dass Ihr wie ein willenloses Werkzeug weiterschwebtet.
Ihr würdet weiterhin an dieser Stelle schweben und könntet nicht weiterkommen, wenn Euch keine anderen Kräfte helfen würden.
Ich zeige Euch hierdurch, dass Ihr dies alles noch zu lernen haben werden.
Starke Konzentration ist erforderlich, um Verbindung zu bekommen.
Später, wenn Ihr diese Kräfte besitzt, wird alles anders für Euch sein.
So fahren wir stets damit fort, Euch zu entwickeln.
Einst könnt Ihr auf eigenen Füßen stehen, sich aus eigenen Kräften fortbewegen und handelnd auftreten, wenn dies gewünscht wird.
Jetzt sind wir auf der Erde.
Diese Reise dauerte lange, wer jedoch die Kraft dafür besitzt, kann sich so schnell wie der Wind fortbewegen und sich mit der Erde verbinden, falls dies nötig sein sollte.
Aber das alles kommt später.“
Wie verwundert war ich, wieder auf der Erde zu sein; ich sah Häuser und Straßen, doch ich sah die Menschen und alles so ganz anders.
Nun durchschaute ich die Menschen.
Hatten sie sich denn verändert?
Nein, allein ich und mein ganzer Zustand hatten sich verändert.
Ich sah die Erde von diesem Leben aus und das war sehr eigenartig, sodass ich einen Ausruf der Verwunderung nach dem anderen ausstieß.
Welch ein Wunder ist es, tot zu sein und trotzdem zu leben und wieder auf der Erde sehen zu können.
Die Menschen zu sehen und sprechen zu hören und durch sie hindurchzugehen, während sie nichts davon fühlen.
Das ist das größte Wunder, das der Mensch, der aus diesem Leben zum ersten Mal zur Erde wiederkehrt, erleben wird.
Es bewegte mich tief; das würde jeden beeindrucken.
Ich sah, dass wir in eine Gegend gekommen waren, die ich kannte.
Dort sah ich meine eigene Straße vor mir.
Ich wollte wie ein Wirbelwind zu meiner Wohnung fliegen, doch ich fühlte, dass ich zurückgehalten wurde.
Der Bruder sah mich an und sagte: „Was haben wir vereinbart?
Ruhig zu sein und Euch in allem zu beherrschen.
Denkt daran, Gerhard, Ihr werdet merkwürdige Dinge sehen.“
Doch als ich mich ein Stück in der mir so bekannten Straße befand, riss ich mich von dem Band, das mich festhielt, los und flog zu meiner Wohnung, wo ich gestorben war.
Ich ergriff die Glocke, spürte aber, dass ich nicht die Kraft besaß, diese zu läuten.
Was bedeutete das nun wieder?
Abermals wollte ich läuten, und als ich etwas genauer auf meine Handlungen achtete, sah ich, dass ich durch die Glocke hindurchfuhr.
Der Bruder, der inzwischen zu mir gekommen war, sah mich an und sagte: „Auf diese Art und Weise werdet Ihr niemals hineingelangen.
Ich werde dieses Rätsel für Euch lösen.
Warum so eine Eile?
Ihr lebt schließlich in der Ewigkeit.
Wo ist Eure Selbstbeherrschung?“
Ich schlug die Augen nieder und fühlte, dass ich mich jetzt bereits wieder vergessen hatte.
Wie schwer, stets daran denken zu müssen.
„Kommt, wir gehen hinein.“
Der Bruder ging mir voraus und trat durch die Tür ein.
„Uns braucht man nicht zu öffnen; wir sind Geister, Gerhard, und den Stoffkörper haben wir abgelegt.
Kommt, folgt mir.“
Abermals sah ich, wie sich ein Wunder vollzog; wer sollte daran nun denken?
Ich kannte diese ganzen geistigen Gesetze und Möglichkeiten ja noch nicht.
Rasch waren wir oben.
Ich fühlte mein Herz heftig klopfen, denn nun würde ich mein Kind und meine Frau sehen.
Da stand ich in meinem eigenen Haus, hier war ich gestorben und hier war alles, was ich zurückgelassen hatte.
Würde ich sie sehen und lebten sie noch hier?
Nun hörte ich Stimmen; ich rief meine Frau und wartete auf Antwort.
Aber ich hörte nichts.
Dann rannte ich zum Wohnzimmer; dort vernahm ich Stimmen.
Es wurde über häusliche Dinge gesprochen, ich hörte es deutlich.
Abermals rief ich, bekam jedoch keine Antwort.
Die Stimmen kamen mir allerdings nicht bekannt vor.
Am Fenster meinte ich, einen Schemen zu sehen.
Noch einmal versuchte ich, meine Frau zu rufen, doch wieder ohne Folge.
Ich sah den Bruder an, der mich fragte: „Ist die, die dort gerade strickt, nicht Eure Frau?“
Nein, jetzt wo ich klarer sah, stellte sich heraus, dass es andere Leute waren.
Diese Menschen kannte ich nicht, aber dann konnten sie doch Antwort geben?
Ich war in meinem eigenen Haus, wo war denn meine Frau?
„Sie können Euch nicht hören“, sagte der Bruder.
„Nicht hören?“
„Nein, denn Ihr seid Geist.
Der Mensch auf der Erde wird Euren leisen, aber deutlichen Ruf nicht hören können.“
Da schrie ich ganz laut.
„Auch das hören sie nicht“, sagte der Bruder.
Was bedeutete dies alles?
Hier hatte ich gelebt, hier musste ich Frau und Kind wiederfinden.
„Ach helft mir, Bruder, ich will sie sehen; ich will nicht zurückkehren, ehe ich sie alle gesehen habe.“
„Ruhig sein und bleiben, Gerhard!
Ist sie Eure Mutter?“
„Nein, das ist sie nicht.“
„Dann sind wir falsch.
Ich wusste, dass wir falsch waren.“
„Ihr wusstet es?“, fragte ich verwundert.
„Ihr dachtet an Euer Haus und folglich sind wir hierher gekommen, doch Ihr hättet an sie denken sollen, nur an sie.
Ich fühlte Eure Gedanken.
Hierdurch lernt Ihr, Euch rein einzustellen und an das zu denken, was Ihr treffen und wiedersehen wollt.
Ist Euch das klar?“
„Ja, Bruder.“
„In Eurem Haus wohnen jetzt andere.“
„Aber wie kann das sein, in den paar Monaten?“
„Trotzdem wird es so sein, aber wir werden sie finden.
Kommt, folgt mir.“
Die erste Enttäuschung auf der Erde hatte ich also erfahren.
Daran hatte ich nicht gedacht.
„Sie wird bei meiner Mutter sein, wollt Ihr mich dort hinbringen?“
Ich habe schon gesagt, dass ich die erste unangenehme Entdeckung gemacht hatte.
Trotzdem war ich glücklich, weil ich etwas von mir wiedergesehen hatte, wenn es auch nur meine frühere Wohnung war.
Wir gingen durch die Straßen und bald waren wir in dem Viertel, wo meine Eltern lebten.
Nun wusste ich mich zu beherrschen und folgte dem Bruder auf dem Fuße.
Hier wohnte meine Mutter.
Ich sah schon am Mobiliar im Flur, dass sie hier noch wohnte.
Ich erkannte verschiedene Möbel, die ich selbst an den Platz gestellt hatte, wo sie jetzt noch standen.
„Mutter“, rief ich ganz laut, „Mutter, ich bin hier, Gerhard.“
Ich lauschte aufmerksam, aber auch hier keine Antwort.
Was der Bruder mir verdeutlicht hatte, hatte ich in dieser Spannung bereits wieder vergessen.
Ich rannte in das Zimmer, in dem ich mich oft aufgehalten hatte, sah aber niemanden.
Ob ich eine zweite Enttäuschung zu erleben hätte?
Wie furchtbar wäre das.
Der Bruder nahm meine Hand in die seine und hielt mich an.
„Ich will Euch helfen, Ihr könnt Euch noch immer nicht konzentrieren.
Seht!“
Ich blickte zu der Stelle, auf die der Bruder mich aufmerksam machte, und dann sah ich meine Mutter.
Ich stürzte zu ihr und rief: „Mutter, Mutter, ich bin hier, Gerhard.“
Doch Mutter tat, als wäre ich nicht da.
Nochmals rief ich sie.
„Mutter, sieh, ich lebe, ich bin hier.
Du denkst, dass ich tot bin, aber ich lebe.“
Aber Mutter sah mich nicht und hörte mich nicht, ich blieb für sie unsichtbar.
„Hörst du mich nicht?“
Ich küsste sie auf beide Wangen, doch sie tat, als wenn sie mich nicht fühlte.
Ich glaubte, im Boden zu versinken.
„Mutter, wie bist du hart!
Was habe ich denn bloß getan?
Sieh mich an, ich bin es.
Was hat das alles zu bedeuten?“
Plötzlich sagte Mutter etwas zu jemandem, der offensichtlich auch anwesend war.
Ich hörte, dass gesprochen wurde, aber es war so seltsam.
Abermals versuchte ich, Mutter zu erreichen, doch es gelang mir nicht.
Ich verlor meine Selbstbeherrschung und fühlte, dass meine Angst wieder zurückkam.
Nochmals schrie ich ganz laut, doch auch jetzt hörte sie mich nicht.
Wieder hörte ich, wie sie zu jemandem sprach, nun mehr aus der Nähe, und da sah ich, wer da gesprochen hatte; ich sah meine Frau.
„Hast du mich gerufen?“, fragte sie.
Mehr hörte ich nicht, denn ich stürzte zu ihr und drückte sie an meine Brust.
Schrecklich, sie fühlte mich nicht.
Sie entfernte sich und es gelang mir nicht, sie zurückzuhalten.
Ich hing an ihrem Hals und wollte sie so daran hindern, sich zu entfernen.
Doch sie tat, was sie wollte.
Die Herzen der Menschen auf der Erde sind versteinert, dachte ich.
Was ist nur in sie gefahren, dass sie mich nicht wiedererkennen?
Ich schrie ganz laut und sie hörte mich nicht und tat, als wenn ich gar nicht da wäre.
Ich stürzte erneut zu ihr und drückte sie an mich, küsste sie auf Mund, Wangen und Stirn, aber sie fühlte mich nicht.
Ich existierte nicht mehr für sie, denn ich war tot.
Trotzdem lebte ich.
Schwindlig, mit gesenktem Kopf, stand ich da wie gebrochen.
Wie hatte ich mich nach ihr gesehnt und nun konnte ich sie nicht erreichen.
Ich versuchte es wieder bei meiner Mutter, aber der Versuch blieb fruchtlos.
Ich packte sie hart an, kniff sie in den Arm, sodass ich glaubte, jenen Körperteil zu zerbrechen, doch sie fühlte mich nicht und blieb für mich gefühllos.
Wieder rief ich: „Mutter, habe ich mich denn so verändert?
Ich liebe dich doch!“, und ich schüttelte sie durch, aber ich rüttelte an mir selbst; Verbindung bekam ich nicht.
Ich kniete vor ihr nieder und blickte ihr in die Augen, doch sie sah durch mich hindurch.
Ihre Augen sahen allein das, was zur Erde gehörte, aber mich konnte sie nicht sehen.
Ein schmerzliches Gefühl, ein tiefes Elend überfiel mich, sodass ich innerlich zerbrach.
Wie hatte ich bereits gelitten!
Damit hatte ich nicht gerechnet, dies war zu viel für mich.
Ihre Augen waren und blieben blind.
Hören konnte sie mich nicht und fühlen ebenso wenig.
Kein Gefühl, kein Gesicht und kein Gehör, oh, welch eine Enttäuschung!
Dies alles erboste mich; ich vergaß mich und stürzte auf meine Frau zu.
Ich drückte sie mit aller Kraft, die in mir steckte, an meine Brust, küsste sie gewaltsam auf Wangen, Mund und Stirn, hörte, dass ihr Herz stark klopfte, musste sie aber loslassen, denn sie ging durch mich hindurch.
Dennoch hatte sie etwas von mir gefühlt, denn sie sagte zu meiner Mutter: „Wie seltsam, Mutter, gerade eben habe ich heftiges Herzklopfen bekommen.“
Mutter antwortete nicht, sondern sah sie an.
Ich folgte dem Blick meiner Mutter und spürte, dass meine Unruhe, der Durst und der geschwollene Hals wieder zurückkamen.
Ich war nicht mehr ich selbst,aber hier war Wasser und ich rannte in die Küche und wollte den Wasserhahn aufdrehen.
Aber auch das konnte ich nicht.
Konnte ich mir denn nicht einmal ein wenig zu trinken beschaffen?
Ich drosch auf den Wasserhahn ein, schlug jedoch durch ihn hindurch.
Danach rannte ich wieder nach vorne.
Den Bruder sag ich nicht, ich hatte ihn vergessen.
Wie ein Wahnsinniger kämpfte ich mit mir selbst.
Das geistige Leben und die Selbstbeherrschung hatte ich wieder vergessen.
Ich machte schreckliche neue Erfahrungen!
Abermals kniete ich nieder und rief: „Mutter, Mutter!“
Danach sprang ich auf und versuchte, meine Frau zu erreichen, aber sie fühlte überhaupt nichts, sie war noch weiter von mir entfernt als meine Mutter.
In einer Ecke des Zimmers sah ich plötzlich mein Kind.
Ich rief die Kleine, doch auch das Kind hörte mich nicht.
Mein Gott, dachte ich, auch das noch.
All meine Lieben waren taub und blind und ich existierte offenbar nicht mehr für sie.
Bei meinem Kind wurde ich etwas gefasster; es spielte da so friedlich, sodass ich etwas ruhiger nachdenken konnte.
Dann erst sah ich den Bruder.
Er stand dort am Eingang des Zimmers, die Arme vor der Brust verschränkt, und sah mich an.
Ich bebte und schämte mich und war wie gelähmt.
Er schüttelte sein schönes, kluges Haupt und trat auf mich zu.
„Gerhard, mein Freund, auf diese Art und Weise werdet Ihr sie niemals erreichen.
Ich habe Euch gewähren lassen, aber ich habe gesehen, wie Ihr gehandelt habt und (dass Ihr) alles wieder vergessen habt.
Für die Erde seid Ihr tot, lieber Freund, werdet Ihr das jetzt nie wieder vergessen?
Hört zu: Wenn sie hellsichtig wären, hätten sie Euch wahrnehmen können, doch sie können weder sehen noch hören, keine von ihnen besitzt diese Gabe.
Wenn Ihr auch noch so laut ruft, sie hören Euch nicht.
Ihr könnt ihre Arme und Beine nicht brechen, auch wenn Ihr es wolltet.“
Der Bruder sah mir tief in die Augen und ich verstand.
Wie grob ich gewesen war.
Der Bruder fuhr fort: „Sie leben im stofflichen Leben und Ihr im Geist.
Um Euch wahrnehmen zu können, ist Verbindung erforderlich.
Diejenigen, die im Geist leben und (ein) hellsichtiges und hellhörendes Medium sind, die diese Gaben also besitzen, können unsere leisen, aber deutlichen Stimmen hören.
Sie sehen und fühlen unser Leben.
Sie müssen also Interesse für unser Leben fühlen, sonst sind die Menschen, wenn wir auch noch so gute Instrumente haben, trotzdem nicht zu erreichen.
Ihr Glauben und tausend andere Dinge halten sie davon ab.
Ich kann mich aber in Eure Lage hineinversetzen, denn viele vergessen sich, wenn sie zum ersten Mal auf die Erde wiederkehren.
Doch Ihr müsst Euch in allem beherrschen können.“
Ich sah den Bruder an und die Tränen flossen mir über die Wangen.
„Was sollen wir nun tun?
Wo sind meine Schwestern und mein Vater?
Ist es Tag oder ist es Nacht?“, fragte ich den Bruder.
„Es ist Nachmittag auf der Erde, aber wo Eure anderen Lieben sind, weiß ich derzeit noch nicht.
Ihr seht, es gibt verschiedene Situationen, die Euch daran hindern, mit ihnen in Verbindung zu kommen.“
Wo war meine Freude geblieben?
Dort waren meine Lieben und keinen von ihnen konnte ich erreichen.
Hier war für mich nichts mehr zu tun.
Sie lebten, ich lebte, und dennoch konnten wir keine Verbindung zustande bringen.
Ich hatte mich wieder beruhigt, bei meinem Kind hatte ich meine Ruhe wiedergefunden.
Gott sei Dank, dachte ich, dass es nicht so weit gekommen ist, fast wäre ich wieder in diesen furchtbaren Zustand zurückgekehrt.
Doch welch ein Elend ist es, zur Erde wiederzukehren und nicht gehört oder gesehen zu werden.
Trotzdem konnte ich nicht fortgehen, denn sie zogen mich zu sich und hielten mich gefangen.
Ich fühlte ihre Liebe und das machte mich schwindlig.
Abermals küsste ich meine Mutter, meine Frau und mein Kind und kehrte zu meiner Mutter zurück.
Zu ihren Füßen kniete ich nieder und betete ganz innig, dass ich sie einst würde erreichen dürfen.
Immer tiefer versank ich und wusste nicht mehr, dass ich lebte.
In mir lag eine große Traurigkeit, die mich übermannte und durch die ich einschlief.
Als ich erwachte, lag ich in meinem eigenen Zimmer.
Ich war weit von der Erde entfernt und nun überdachte ich alles, was ich in der Sphäre der Erde erlebt hatte.
Welch eine Enttäuschung!
Aber wer hatte mich hierher gebracht?
Von der Rückreise wusste ich mich an nichts mehr zu erinnern.
Allerdings konnte ich mir alles von der Erde deutlich in Erinnerung bringen.
Indessen sorgte ich dafür, dass ich ruhig blieb, denn ich wollte nicht wieder zurückfallen.
Dann, den Kopf in beiden Händen, weinte ich lange und schien nicht aufhören zu können.
Ob sich die Menschen auf der Erde unseren Kummer vorstellen konnten?
Ach, auf der Erde kennt man einen derartigen Kummer nicht; dies ist der Kummer des Geistes.
Oh, heiliger Spiritualismus, das Mittel der Verbindung!
Wenn es ihn nicht gäbe, könnte ich dies alles nicht einmal berichten.
Viel wusste ich noch nicht darüber, aber ich fühlte nun, wie heilig der Spiritualismus war.
Ich dachte lange nach und wollte zurück zur Erde, ich wollte nochmals alles erleben, aber dann bewusst.
Ich hatte noch nichts gelernt
Wenn es jetzt nur möglich war.
Der Bruder hatte mich zurückgeführt.
Wie gut von ihm, mich nicht allein in der Sphäre der Erde zurückzulassen.
Trotzdem hatte ich mich vergessen und beinahe den Arm meiner Mutter gebrochen.
Oh, welch einen Schmerz bereitete mir das.
Als ich noch auf der Erde lebte, hätte ich so etwas niemals getan.
Wie unnatürlich war dies alles, dieses Wiedersehen, und dennoch war es Wirklichkeit; nur so furchtbar fremd.
Noch fühlte ich das Herz meiner Frau schlagen, ich hatte es deutlich gefühlt und ich war darüber erschrocken.
Trotzdem sah und fühlte sie mich nicht.
Welch eine Kluft lag zwischen ihr und mir; etwas musste diese überbrücken können und das war der Spiritismus.
Doch auch sie wollten mit dem Spiritismus nichts zu tun haben.
Während ich an dies alles dachte, trat mein Lehrmeister ein.
„Noch betrübt, Gerhard?“
„Nein“, sagte ich, „nun nicht mehr; ich will mich ins Unvermeidliche schicken.
Ich habe Gott gedankt und auch Euch danke ich für alles.
Dennoch möchte ich Euch fragen, ob ich wieder zurückkehren darf, da ich es so gerne erneut erleben möchte, aber dann bewusst.
Nun werde ich mich zu behaupten wissen.“
„Natürlich, wir können gleich aufbrechen und ich finde es herrlich, dass Ihr selbst zu diesem Entschluss gekommen seid.
Dieses Werk müsst Ihr zu Ende führen, sonst werdet Ihr nicht ruhig sein können.“
Ich machte mich fertig und bald waren wir zum zweiten Mal auf dem Weg zur Erde.
Nun schwebte ich bewusst der Erde entgegen.
Ich lernte, mich zu konzentrieren und dadurch immer schneller zu gehen, und ich fand es herrlich.
Innigst stellte ich mich ein und in schnellem Tempo gingen wir vorwärts.
Dann wiederum ließ ich meine Konzentration schwächer werden, sodass sich meine Geschwindigkeit verlangsamte.
Ich fand es höchst interessant!
Ich sah den Bruder an und er lächelte.
„Geht weiter“, sagte er, „ich werde Euch folgen.“
Wie fühlte ich mich glücklich, dass ich dies konnte, und mit diesem Glück fühlte ich keine Traurigkeit mehr.
Indem ich hierin überging und dies lernte, kam eine andere Kraft in mich.
Nun sah ich die Erde ganz deutlich vor mir und bald würden wir da sein.
Mit eigenen Kräften hatte ich die Erde wiedergefunden.
„Wir können uns noch schneller fortbewegen“, sagte der Bruder, „wir werden es versuchen, aber nicht ängstlich sein, denn Ihr werdet nirgends gegenprallen.“
Nun fühlte ich, wie eine ungeheure Konzentration in mich kam, und blitzartig bewegten wir uns fort.
Alles verschwand vor meinen Augen, da ich mich auf einen einzigen Punkt eingestellt hatte.
Erstaunliche Kräfte des Geistes; wie groß können die menschlichen Kräfte sein.
Der letzte Rest meiner Angst war verschwunden und wir traten in die Sphäre der Erde ein.
„Habt Ihr mir geholfen, Bruder?“
„Nein, diesmal ließ ich Euch gewähren“, sagte der Bruder.
Wie glücklich war ich!
Wieder kam ich in die Wohnung meiner Mutter und ging durch die Zimmer, doch nun sah ich niemanden.
Waren sie nicht zu Hause?
„Sie schlafen“, sagte der Bruder, „auf der Erde ist jetzt Nacht.“
Dann begab ich mich zu ihrem Schlafzimmer, dort würde ich sie finden.
Bei der Tür blieb ich stehen und lauschte.
War es meine Mutter, die dort im Bett lag?
Der Bruder winkte mir, dass ich nähertreten solle.
Ja, sie war es; meine Mutter lag in tiefe Ruhe versunken.
„Eure Mutter ist krank.“
„Krank?“, fragte ich.
„Eine leichte Unpässlichkeit.“
„Woher wisst Ihr das so schnell?“
„Ich sehe es an ihrer Ausstrahlung; Konzentration, mein Freund.“
Nun rief ich sie nicht mehr, da ich wusste, dass sie mich doch nicht hören würde.
„Ich sehe sie so deutlich“, sagte ich verwundert zum Bruder, „bedeutet das etwas?“
„Beim letzten Mal wart Ihr selbst überreizt und Ihr habt sie durch meine Kraft wahrgenommen.
Jetzt seht Ihr bewusst.“
Auch das hatte ich mir also angeeignet?
„Allein dadurch, Euch zu beherrschten“, sagte mein Lehrmeister.
„Geht sie hinüber, Bruder?“
„Nein, sie wird gesund.
Sie wird noch viele Jahre auf der Erde bleiben müssen.
Später werdet Ihr sie holen, da Ihr dies innerlich fühlen werdet.“
Nun blickte ich zu der Stelle, auf die der Bruder zeigte, und ich erschrak.
Was war das?
Neben Mutter und über sie gebeugt sah ich eine leuchtende Gestalt.
Das Wesen strahlte ein prachtvolles Licht aus, das Mutter erleuchtete.
Ein schönes Wesen bestrahlte sie, seine Hände lagen auf ihrer Stirn.
Mutter wurde behandelt, ihr wurde von einem Geist geholfen, ich fühlte es sofort.
Wie war es möglich, dass ich diese Erscheinung nicht eher wahrgenommen hatte?
Der Bruder flüsterte mir zu, dass es ein höher abgestimmtes Wesen war, das ich noch nicht richtig wahrnehmen konnte.
Auch das würde ich erst später können.
Eine geraume Zeit blieb das Wesen in dieser Haltung über meine Mutter gebeugt und ein starker Lichtstrahl schoss aus seinen Händen.
Unerwartet wandte sich das Wesen um und sah mich an und nun blickte ich in zwei prachtvolle Menschenaugen, die wie Sonnen strahlten.
So strahlten auch die Augen meines Lehrmeisters, denn auch dort sah ich dieselbe kraftvolle Ausstrahlung.
Ich kannte diesen Geist, aber wo hatte ich ihn gesehen?
Plötzlich fiel es mir ein.
„Großvater, oh, Großvater, bist du es?
Hier, bei meiner Mutter?
Ich weiß, dass du schon vor langer Zeit gestorben bist!
Wusstest du, dass ich auch in diesem Leben bin?“
„Ich wusste es, mein Junge, ich wusste es schon lange, bevor du in dieses Leben eingegangen bist.“
„Und dann kamst du mich nicht besuchen?“
„Alles ist gut so, wie es geschieht.“
Welche Wunder werde ich nun wieder erleben?
„Wie kommst du auf die Erde, Großvater?“
„Dasselbe könnte ich dich fragen.“
„Das ist wahr“, sagte ich, „doch es ist herrlich, etwas von mir selbst in diesem Leben zu besitzen“, und darauf stürzte ich in seine Arme.
Es war, als lebten wir noch auf der Erde.
Wie oft hatte ich doch auf seinen Knien gesessen.
Wie sehr liebte Großvater mich!
Meine jungen Jahre ging nun an mir vorbei und darin sah ich viele schöne Momente.
„Wie lange ist es bereits her, dass du gestorben bist?“
„Sehr lange, mein Junge.“
„Woher wusstest du, dass Mutter krank war?“
„Wunder im geistigen Leben, Gerhard.“
Er legte seine schönen Hände auf mein Haupt und ich fühlte seine Ruhe, die in mich kam.
Dabei sah er mir in die Augen und sagte: „Wirst du stark sein und an dir arbeiten?“
„Ja, ich verspreche es dir“, sagte ich.
„Du bist ein guter Mensch gewesen, Großvater, ich habe so viel über dich erzählen hören.“
„Als du noch klein warst, kam ich bereits wieder von Zeit zu Zeit auf die Erde.
Ich werde dir etwas über mein Leben erzählen; komm, setz dich hier neben mich.“
Wir nahmen in einer Ecke des Zimmers Platz, auch mein Lehrmeister, und nun erzählte Großvater aus seinem Leben.
Oh, welch ein schöner Augenblick war das!
Er erzählte von seinem Leben auf der Erde und von seinem Hinübergehen bis zu diesem Wiedersehen.
Wie großartig war doch alles.
Gleichzeitig öffnete es mir die Augen.
Er lebte in der zweiten Sphäre und war ein glücklicher Geist.
Er wachte über sie, sein Kind, über meine Mutter.
„Ist es nicht erstaunlich, Jozef?
Wird der Mensch dies jemals begreifen können?
Ich erzähle dir die heilige Wahrheit, Jozef, ich durfte dies alles erleben.
Dies muss man erleben, um das Wunderbare erfühlen zu können, und erst dann dankt der Mensch seinem Vater, seinem Gott.“
Wie groß war nun mein Glück.
Wir waren lange beisammen, doch wir würden hier nicht bleiben können.
„Folge deinem geistigen Leiter, tu, was er sagen wird, Gerhard“, sprach Großvater.
„Arbeite an dir, ich kümmere mich und wache über sie alle!“
„Das ist ein großer Trost“, sagte ich; „nun kann ich mit einem ruhigen Herzen an mir arbeiten.“
„Wir werden einander wiedersehen; ich werde meinen Kindern zur Seite stehen, so auch deiner Frau und deinem Kind.“
„Weißt du, wo sie sind?“
„Hier nebenan, folge mir.
Vergiss nicht, dass sie schlafen und dass sie die Ruhe brauchen.
Wirst du dich ihnen in Stille nähern?“
„In Ruhe, Großvater, in Ruhe.“
Er geleitete mich zu denen, die zu mir gehörten.
Dort lag mein liebes Kind und auf der anderen Seite seine Mutter, meine Frau.
Sie träumte von einem Wiedersehen, aber dass ich hier stand und so nahe war, sie aufmerksam betrachtete und ihrem Traum folgte, nein, das würde sie nicht akzeptieren können.
Das war zu tief für ihr einfaches Gemüt.
Aber einst, einst würden auch ihr die Augen geöffnet werden.
Nein, sie konnte nicht schlecht von mir denken; in ihr lag Liebe, Liebe zu mir, und ich musste an meinen eigenen, mir auferlegten Traum denken.
Nun würde ich sie träumen lassen können, und ich fühlte, wie ich sie erreichen könnte.
So ließ man den Menschen träumen.
Träume, die ihnen aus dem Geist gegeben werden.
Träume, die Prophezeiungen waren, Träume von Liebe und Wiedersehen.
Ich empfand tiefe Ehrfurcht vor jenem Großen, das Gott war.
Nun bewegte sie sich; ich musste aufhören, sonst würde ich sie stören.
Wie leicht ist der Mensch in seinem Schlaf zu erreichen.
Dann ist seine Konzentration aufgehoben und der Geist kann sich in Stille verbinden.
Ich sah die Wirkung ihres Herzens und fühlte, dass ihr Nervensystem angespannt war.
Sie trauerte, weil ich tot war, und dennoch lebte ich.
Dann fasste ich ihre Hand und nahm sie in die meine und drückte einen Kuss auf ihre Stirn.
Plötzlich kam Bewegung in sie; ihr Geist wurde bewusst, die stofflichen Organe begannen, wieder schneller zu arbeiten.
Ich sah und fühlte, wie der Geist den Stoffkörper in Gang setzte.
Dieser Augenblick war interessant für mich.
Sie wurde wach, schlug ihre Augen auf, sah und fühlte mich aber nicht.
Im selben Augenblick zog ich mich zurück und sie schlief wieder ein.
Stundenlang hätte ich hier bleiben mögen, aber das war nicht erlaubt und nicht möglich.
Lange stand ich in Gedanken versunken da.
Wie schön ist doch der Mensch, wenn er geistigen Besitz in sich trägt und Abstimmung auf Jene Seite finden kann.
Meine Lehrmeister hatten mich dies erleben lassen.
Beide sahen mich nun an und ich verstand, Großvater hatte dies gewollt, und ich war ihm dafür innig dankbar.
Von meiner Frau ging ich zum Kind.
Ich kuschelte mich zu meinem Kind und drückte es an meine Brust; danach nahm ich in Stille Abschied.
„Folge mir“, sagte mein Großvater, „noch ein Wesen werde ich dir zeigen.“
In einem anderen Zimmer sah ich meinen Vater.
An ihn hatte ich überhaupt nicht gedacht, da wir keine starke Verbindung hatten.
Seltsam, dass sich das im Leben nach dem Tod fühlen ließ.
Trotzdem hatte ich ihn mit Herz und Seele lieb, doch wir waren zwei verschiedene Naturen, unsere Charaktere stimmten nicht überein.
Auf der Erde hatte ich ihn nicht verstehen können, und nun sah ich, warum das nicht möglich gewesen war.
Ich legte meine Hände auf sein Haupt und dachte an die Zeit, da auch er in dieses Leben eingehen würde.
Auf dieser Seite würden wir einander besser verstehen können.
Um meiner Mutter Ruhe willen schlief er in diesem Zimmer, ich verstand das vollkommen.
In einer Ecke des Zimmers sah ich mein eigenes Porträt und dabei brannte ein kleines Licht, mir zu Ehren.
Ich war schließlich tot und das tat man für einen Toten.
Ich stand da und blickte in Gedanken auf das Flämmchen.
Stimmte es mich glücklich?
Nein, ich hätte so sehr gerne gefühlt, dass das heilige Licht des Spiritualismus in ihren Seelen brannte, das Wissen, dass ich hier war und lebte.
Wie glücklich würde mich das machen.
Doch ihr Glauben hielt sie davon ab und ich würde diese Kluft noch nicht überbrücken können.
Ich wusste, wie innig sie glaubten, aber wie furchtbar war das im Grunde.
Meine Mutter ging oft in die Kirche und sollte für mich und alle anderen, die ihr lieb waren, beten.
Jetzt würde sie für mich am meisten beten, das wusste ich nur allzu gut.
Mutter, sagte ich innerlich, Mutter, bete für dich selbst, dass Gott dir die Augen öffnen möge.
Dass Gott dich auf diesen Weg führe, den Weg der Verbindung.
Möge Gott mir die Kraft geben, euch alle wachzurütteln.
Jetzt erst fühlte ich, dass mein Leben auf Jener Seite begann.
Ich nahm Abschied von meinem Großvater.
„Schöpfe Kraft aus alledem, Gerhard.“
„Ich will es tun, Großvater.“
„Jetzt gehe ich fort.“
Er sah mir tief in die Augen und es wurde kein Wort mehr gesprochen.
Ich drückte seine beiden Hände und fühlte, wie sie sich in den meinen auflösten.
Die ganze Erscheinung löste sich auf und war in einen Schleier gehüllt.
„Leb wohl“, hörte ich ihn sagen, „Gott segne dich.“
Das Licht verschwand und mein Großvater war in einen mir unbekannten Zustand übergegangen.
Dort, hinter jenem Schleier, lebte er.
Nun wusste ich es, da ich ihn gesehen und mit ihm gesprochen hatte.
Von dort fühlte ich seine Liebe zu mir kommen.
So zieht sich der Geist zurück, nachdem er sich auf der Erde manifestiert hat; der Geist, der hinter dem Schleier lebt und vor dem Menschen auf der Erde verborgen ist.
Jener Schleier hielt eine Wahrheit verborgen, die ich allein kannte.
Er verbarg einen Schatz, der mir lieb war.
Hinter jenem Schleier lag die aufopfernde Liebe.
Das ist das Leben um den Menschen herum und in ihm, von dem viele noch nicht wissen.
Es ist der Spiritualismus, der diesen Schleier verschwinden lässt und durch den wir sichtbar werden.
Das ist das Heiligste, was dem Menschen gegeben wurde.
Dankbar war ich, oh, so dankbar.
Als ich dies alles erlebt hatte, murmelte ich mit Tränen in den Augen „Gütiger, lieber Vater“, schlug die Hände vor die Augen und fiel auf die Knie, um Gott für seine große Güte zu danken.
Kannst du verstehen und nachempfinden, was in mir vorging, Jozef, dass ich dies nach so vielen Enttäuschungen und so viel Suchen erleben durfte?
Dass es eine Liebe gibt, die alles übersteigt, sodass du dich selbst vergisst und verlierst.
Dies alles lässt dich aus heiliger Ehrfurcht vor jenem Mächtigen erbeben und lässt dich die Kleinheit und Nichtigkeit deiner selbst erfassen.
In Unwissenheit ziehst du das Heiligste durch den Dreck und treibst Spott mit Gottes heiligen Kräften und Gesetzen.
Kräfte, durch die der Mensch auf der Erde Verbindung mit uns bekommen kann.
Als ich dies alles fühlte, nahm es mir den Atem.
Ich fühlte den Abglanz jener anderen, noch größeren Liebe, eine innige Wärme, die eine Menschenseele völlig durchströmt.
Das einst erleben zu dürfen, dafür wollte ich mich gänzlich hingeben.
Zum zweiten Mal war ich auf der Erde gewesen und jetzt hatte ich mich im Geist bereichert.
Jetzt störten mich all meine irdischen Erscheinungen nicht mehr, und ich wusste, warum.
Nun machte ich mich bereit, aufzubrechen und wieder in die Sphären zurückzukehren.
Vorläufig hatte ich genug zu überdenken.
An dich dachte ich aber noch nicht, Jozef, das tat ich erst später.
Das kam, weil mich andere Dinge völlig in Anspruch nahmen, und dann kannst du an nichts anderes mehr denken.
So ist unser Leben, denn hier machst du nur eine Sache gleichzeitig.
Bald hatten wir die Sphären erreicht und ich konnte wieder nachdenken.
Lange blieb ich in diesem Zustand, sehr lange, Jozef, es können schon Wochen gewesen sein.
Dann fühlte ich, wie herrliche Gedanken zu mir kamen, und jetzt erst merkte ich, dass du an mich dachtest und für mich betetest.
Oh, wie glücklich war ich, dass ich dies nun bewusst auffangen konnte; ich dankte dir herzlich.
Schau, dann hat ein Gebet viel Kraft, weil es bewusst hinaufgeschickt wird.
Du sandtest dein Glück zu mir, aber andere Gebete machen dich oft traurig, weil der Mensch selbst traurig ist.
In mich kamen nun Gedanken des Glücks und des Wissens.
Nun kann ich dir sagen, dass ein Gebet, in vollem Bewusstsein hinaufgeschickt, Wunder wirken kann.
Es stärkt und erwärmt dich ganz innig.
Ich fühlte deine Liebe und Freundschaft zu mir.
Danach begann ich wieder, an mich selbst zu denken.
Inbrünstig betete ich zu Gott, denn ich wollte etwas für andere tun.
Es lag eine große Ruhe in mir und ich besaß nun Konzentration.
Ich hatte Gott kennengelernt, ich kannte nun ein ganz kleines bisschen von der Größe, die über all Seine Kinder wacht.
Nun konnte ich aus tiefster Seele beten und ich dankte Gott für alles Schöne, das mir gegeben wurde.
Danach ging ich den Bruder besuchen, denn ich konnte mich nun frei in meiner Sphäre bewegen.
Er sah mich an und auch er war glücklich.
Wie hatte ich mich bereits verändert!
„Schaut in die Natur“, sagte er, „alles werdet Ihr wieder anders sehen; nunmehr ist das Grau verschwunden.“
Nun sah ich die Natur so, wie sie stets gewesen war, aber das kam daher, weil es in mir so ganz anders war und ich ein anderer Mensch geworden war.
„Ihr seht“, sagte der Bruder, „dass der Mensch eins mit der Natur ist, wenn er hier eintritt.“
Nun war ich wie die anderen, die hier lebten.
In mir wuchs etwas und es war etwas wach geworden.
Ich fragte den Bruder, was ich nun tun sollte; so konnte ich nicht bleiben.
Andere Kräfte wollte ich mir zu eigen machen, ich wollte dienen und arbeiten, ebenso wie er.
„Hört zu, mein Freund“, sagte der Bruder.
„Wir sind nun so weit gekommen, dass Ihr für andere arbeiten wollt.
In Euch liegt ein starker Willen, aber dafür ist auch Wissen erforderlich.
Ihr wisst noch so wenig von diesem Leben und es gibt noch so vieles, was Ihr zu lernen haben werdet.
Was ich Euch in der Sphäre der Erde zeigte, war in Eurem eigenen Interesse, und zwar, um Euch von der Erde zu lösen.
Ihr fühlt ja gewiss, dass ich den richtigen Weg gewählt habe?
Wenn wir sofort zurückgekehrt wären, hättet Ihr Euch auf der Erde vergessen, und die Folgen davon wären schrecklich gewesen.
Aber all das liegt nun weit hinter Euch.
Doch auch jetzt könnten wir zurückkehren und ich könnte Euch alle geistigen Gesetze zeigen wie auch die Art und Weise, in der wir dort Arbeit verrichten können, wie Euer Großvater und andere es tun, aber auch dafür braucht es Wissen.
Dies zu erlernen können wir hier in unserer eigenen Abstimmung auch.
Wenn wir also doch zurückkehren sollten, würdet Ihr zwar lernen, aber Ihr könntet nichts für andere tun, und das ist nicht der Sinn der Sache.
Hört also, Gerhard: Besucht hier eine Schule, wo man Euch alle Übergangszustände erklären wird, von den höchsten bis zu den niedrigsten.
Dort werdet Ihr verschiedene Himmel und Höllen kennenlernen.“
„Höllen, sagt Ihr?“
„Richtig, ich habe darüber bereits gesprochen, aber das war in dem Augenblick, als Ihr Euch schlafen legtet.“
„Erstaunlich“, sagte ich, „wisst Ihr das noch?“
„Ihr seht, ich habe es nicht vergessen, doch hört nun zu.
Ihr werdet dort die geistigen Abstimmungen kennenlernen, zugleich andere Gesetze und Kräfte, Planeten und Sterne, Mensch und Tier, bis hin zum Höchsten.
Das ist der Kreislauf der Seele.
Diese Schule dauert nach irdischer Zeitrechnung einige Monate.
Jeder, der natürlich denkt, der das irdische Leben abgelegt hat und in dieses Leben übergegangen ist, wird sie besuchen.
Habt Ihr diese Schule durchlaufen, dann erst steigt Ihr in die finsteren Sphären hinab und Euer Leben, Eure Aufgabe, für andere etwas zu sein, wird beginnen.
Das Hinabsteigen in die dunklen Gefilde ist die schwierigste Arbeit, die wir auf dieser Seite kennen, aber dort lernt Ihr binnen drei Monaten mehr, als in anderen Zuständen in drei Jahren.
Ihr spürt wohl, wie schwer jenes Hinabsteigen ist, doch es wird Euch auf dieser Schule verdeutlicht werden.
Das Leben in den dunklen Sphären, mein Freund, ist schrecklich, aber Ihr müsst Euch selbst dazu entschließen; ich kann Euch dabei nichts raten.
Ich sage Euch nur, was möglich ist.
Denkt also gut hierüber nach, denn es erfordert große Aufopferung, dort zu arbeiten.
Feuer brennt dort jedoch nicht, wie ich Euch schon vorhin gesagt habe“, und er sah mich dabei an, „doch dort brennt das Feuer der Leidenschaft und Gewalt, es sind die tief Gesunkenen, die dort leben.
Ihr steigt lediglich in es hinab, um anderen zu helfen.
Kommt, wir werden einen Spaziergang machen und dann werde ich Euch zugleich andere Menschen zeigen, die bereits lange Zeit hier sind, sich aber noch stets nichts zu eigen gemacht haben.
Zu Beginn habe ich Euch davon erzählt.
Ihr denkt dann an das, was ich Euch soeben gesagt habe, und danach sagt Ihr mir, was Ihr beschlossen habt.“
Wir begegneten vielen Menschen, doch der Bruder sagte nichts zu mir.
Ich erwog reiflich, was ich tun sollte, aber ich brauchte nicht lange nachzudenken.
Ja, ich wollte hinabsteigen, ich musste vorwärts, um mir geistige Kräfte anzueignen.
Wie schrecklich es dort auch sein würde, ich wollte.
Ich fragte ihn: „Seid Ihr auch hinabgestiegen, als man es Euch erzählte?“
Der Bruder nickte, dass dem so war, und schon hatte ich meinen Entschluss gefasst und sagte zu ihm: „Ich habe mich entschlossen, ich will gern hinabsteigen.“
„Ausgezeichnet, Gerhard, Ihr folgt meinem Weg und dem von Tausenden anderen“, und er nahm meinen Arm und sprach: „Ich dachte mir schon, nein, ich wusste, dass Ihr Euch entschließen würdet, die schwerste Arbeit zu verrichten.
Später werdet Ihr Freude daran haben.“
„Wann kann ich nun hinabsteigen?“
„Oh, nicht so eilig, Ihr geht doch zunächst zur Schule?
Danach werdet Ihr andere Zustände erleben, die ich Euch zeigen werde, und erst dann werdet Ihr hinabsteigen.
Ich bewundere Euren festen Willen und finde es herrlich.
In der Schule, wie ich schon sagte, werdet Ihr verschiedene Gesetze kennenlernen, und die Lehrer sind Geister aus höheren Sphären.
In der Finsternis werdet Ihr vor verschiedenen Problemen landen und diese ganzen Probleme können Euch vernichten.
Ihr könnt zurücksinken und das ist nicht der Sinn der Sache.“
„Ach, aber das geht doch nicht mehr?“
„Nicht so schnell, Ihr wisst nicht, wer dort lebt, Ihr kennt deren abscheuliche und furchtbare Kräfte noch nicht.
Diese ganzen Kräfte und Widerstände können Euch entmutigen und darüber will ich wachen.
Jetzt spiele ich nicht mehr mit Eurer ganzen Persönlichkeit als Einsatz.
Dieser Einsatz wird zu kostbar.
Ich werde Euch also, wenn Ihr von der Schule zurückkehrt, viele andere Zustände zeigen, und das wird Euch zugleich anspornen, Euer Bestes zu tun.
Dabei gibt es Überraschungen, jedoch erst nach Eurer Prüfung.
Dort wird gelehrt, wie Ihr Euch verbinden müsst.
Einige Übergänge habt Ihr bereits erlebt, und zwar die zur Erde.“
Wir kamen nun auf einen großen Platz und dort waren viele Menschen beisammen.
Unter ihnen sah ich viele, denen ich bereits eher begegnet war.
Nun verstand ich all diese Menschen, kannte ihre Abstimmung und konnte ihnen im Geist folgen.
„Seht dort“, sagte der Bruder, „diese alte Dame hat die Erde schon längst verlassen.
Sie ist irdisch gekleidet, weil das ihr Gedankenleben ist, trotzdem wird sie diese Kleidung einst ablegen müssen.
Sie muss also, wenn sie einfach sein will, auf ihren Besitz verzichten, aber noch ist das nicht möglich.
Wenn Ihr ihr in ihrem Gedankenleben folgt, fühlt Ihr Eure eigene Abstimmung, und dann wird Euch klar sein, wie viel sie noch abzulegen hat.
Erst diese Tracht, dann ihre ganze Persönlichkeit.
Darum könnt Ihr Euch glücklich preisen, dass Ihr in diesem Beerdigungsanzug hier angekommen seid, denn sonst hättet Ihr noch mehr ablegen müssen.
Weder Gold noch Edelsteine verfinstern Euer geistiges Licht, weder Geld noch Güter ziehen Euch zur Erde zurück.
Aber seht diese armen Wesen, sie tragen, was sie auf der Erde trugen, und das allein wäre nicht so furchtbar, doch es gehört nicht zu diesem Leben.
Ihr Kampf wird daher schrecklich sein.
Ihr wisst, wie jenes Ablegen geschieht, darüber brauche ich Euch nichts zu erzählen.
Auch sie werden dieses Leben und alles, was mit ihrer eigenen Persönlichkeit zu tun hat, verfluchen.
Dann erst fällt das irdische Leben von ihnen ab und (dann erst) werden sie hier eintreten.
Sie leben also im Leben des Geistes, sind in ihren Gefühlen aber noch auf der Erde.
Diese Dame weint, weil sie denkt, dass man sie vernachlässigt.
Doch sie ist nicht zu erreichen und deshalb kann man ihr nicht helfen.
Dies alles hätte ich Euch zu Anfang nicht verdeutlichen können, Ihr hättet es nicht verstanden.
Trotzdem wissen viele von ihnen, dass sie auf der Erde gestorben sind.
Andere können dies noch immer nicht akzeptieren und führen ihr Leben so, wie sie es selbst wollen.
Doch sie sind lebende Tote in der Ewigkeit.
Sie müssen bei sich selbst anfangen, eher kann und wird sich ihr Zustand nicht ändern.
Später werdet Ihr mit ihnen sprechen können, jetzt rate ich Euch mit aller Entschiedenheit davon ab.
Die Brüder und Schwestern sind hier, um ihnen allen zu helfen; das dürfte Euch jetzt wohl klar sein.
Dieser alte Mann dort ist ein lebender Toter.
Er fühlt sich wie ein Herr, doch das gehört zur Erde.
Auf dieser Seite sind wir alle Kinder im Geist, und wer es nicht ist, wird es zu lernen haben.
Er fühlt sich wie eine Persönlichkeit und prahlt mit dem, was er auf der Erde gewesen ist und erreicht hat.
Aber Ihr wisst es, das alles ist irdisch und hat hier keine Bedeutung.
Sie reden über irdische Zustände und leben im Jenseits.
Ist es denn dann so erstaunlich, dass sie keinen geistigen Besitz tragen?
Dass sie in einer Sphäre leben, die zwischen der grobstofflichen und der geistigen Abstimmung liegt?
Dass sie kein Licht besitzen und sich all dem Schönen, das wir auf dieser Seite besitzen, verschlossen haben?
Ist das nicht traurig?
Man erzählt ihnen von diesem Leben und sie hören andächtig zu, leben aber nicht danach.
Sie fühlen sich glücklich, aber für uns hat ihr Glück keinen Wert.
Darum sind sie lebend tot, genau wie auf der Erde; so leben diese Menschen dort und kommen in identischem Zustand hier an.
Dem geistigen Leben verschließen sie sich, sie haben noch kein Verlangen danach.
Aber einmal kommt diese Zeit, vielleicht nach vielen Jahren.
Glaubt mir, wenn ich Euch sage, dass Dutzende Jahre vergehen, ehe sie anfangen, an sich zu arbeiten.
Sie sind nicht schlecht, aber sie tragen keinen Besitz.
Hieraus erseht Ihr, wie herrlich es ist, wenn man bereits auf der Erde von einem ewigen Weiterleben weiß und mit wenig irdischem Besitz hier ankommt.
Diejenigen, die sich auf der Erde auf unser Leben abstimmten und danach lebten, leben alle in den höheren Sphären.
Sie haben die erste und zweite Sphäre erreicht und sind die Glücklichen im Geiste.
Hier, unter diesen Menschen, befinden sich die Intellektuellen der Erde; sie empfinden zwar Liebe, aber nur zu sich selbst.
Hier leben Arm und Reich zusammen, aber die Kinder leben in den höheren Gefilden.
Ein Kind, das auf der Erde jung gestorben ist, hat eine andere Abstimmung, als sie besitzen.
Doch diese ganzen Abstimmungen werdet Ihr in der Schule kennenlernen.
Nochmals, all diese Menschen, hier sind Tausende von ihnen, sind nicht schlecht, sie haben kein tierhaftes Leben gekannt, haben aber sich selbst abzulegen.
Hunderte anderer solcher Situationen könnte ich Euch zeigen, doch ich will mich hierauf beschränken, da Ihr Euch all die anderen Dinge vorstellen könnt.
Seht, da ist unser Gebäude.“