Das Hinübergehen von Priester X und seine Wiederkehr

(Auf Bitte der Hinterbliebenen lasse ich die Initialen ihres hinübergegangenen Vaters weg.)
Viele Wunder erlebte ich durch meine Gaben, doch was ich in dieser Situation mit einem meiner Patienten erlebte, war nicht nur erstaunlich, sondern ich lernte dadurch, wie groß die Kräfte der Menschen sein können, wenn sie das Irdische gegen das Ewige tauschen und ein fruchtbares Leben vollendet haben.
Das Hinübergehen bedeutet für den einen Glück, für den anderen Traurigkeit, Leid und Schmerz und tiefe Finsternis.
Doch diejenigen, die Liebe besitzen und offen sind für das Leben, so wie es zu ihnen kommt, sie sind die Glücklichen auf Jener Seite und sie werden Licht sehen und viel Liebe empfangen, die sie in ihrem Leben auf der Erde so vielen gegeben haben.
Gott weiß, wie ihr Leben gewesen ist, und entsprechend der inneren Kraft werden sie empfangen.
Eine Patientin kam zu mir mit der Bitte, anhand eines Fotos eine Diagnose für jemand anders zu stellen.
Ich nahm das Porträt in meine Hände und nach einigen Minuten hörte ich meinen geistigen Leiter Alcar sagen: „Hier ist nichts mehr zu machen.
Die Krankheit ist in einem zu weit fortgeschrittenen Stadium angelangt; er wird daran sterben.
Sage ihr, dass du ihn nicht heilen kannst.
Trotzdem wirst du ihn behandeln, falls sie es wünschen.“
Ich teilte dies der Dame mit, doch meine Besucherin erwiderte: „Wie habe ich mich angestrengt, um ihn so weit zu kriegen.
Dieser Mann ist ein Priester und sein Glaube hält ihn davon ab.
Und jetzt, wo ich ihn überredet habe, können Sie ihm nicht einmal helfen?“
„Ich kann ihm helfen“, sagte ich, „doch ich werde ihn nicht heilen.“
„Das enttäuscht mich bitter“, fuhr sie fort, „wir wollen ihn so gerne behalten.
Ach, er ist ein so guter Mensch.
Es wird ihn aber auf jeden Fall erleichtern, wenn Sie ihm helfen.“
„Das auf jeden Fall“, sagte ich.
„Aber Sie dürfen seinen Familienangehörigen nichts davon sagen, sie dürfen es nicht wissen.
Doch nun etwas anderes.
Ich muss in einem Monat die Stadt verlassen.“
„Dauert es lange?“, fragte sie.
„Drei Wochen.“
„Ja, was nun?
Dann werde ich ihn doch mal zu Ihnen bringen; dann besteht Kontakt und Sie können, wenn Sie zurück sind, gleich wieder beginnen.“
„Oh, das ist mir recht“, gab ich zur Antwort.
„Ist es ernst?“
„Ja, sehr ernst.“
Einige Tage waren vergangen, als mich der Kranke eines Nachmittags besuchen kam.
Er war ein großer, hagerer Mann, aber eine schöne Erscheinung.
Es ging etwas von ihm aus, was ich sofort erfühlte.
Er hatte schöne blaue, kindliche Augen, strahlend vor Liebe.
Er legte sich nieder, um behandelt zu werden, und war offenbar sehr gespannt, wie dies vor sich gehen würde, da er noch niemals magnetisiert worden war.
Doch er gab sich willig hin, schloss die Augen und öffnete sich mir gänzlich.
Nach der Behandlung, die ihm gut tat, sagte er: „Sehen Sie nur meine Hose und meine Jacke an, ich passe da wohl zweimal hinein, denn ich habe stark abgenommen.“
Dabei musste er über seine eigene Figur lachen.
Er hatte eine andere Nationalität und sprach gebrochen Holländisch mit einem eigenartigen Akzent, doch so schön und mit einer so sympathischen Stimme, dass jeder ihn sofort mochte, wenn man ihn sprechen hörte.
Ausgesprochen nett, dachte ich, (es ist) angenehm, ihn zu hören.
„Ich bin ruhig geworden“, sagte er, „es hat mir gut getan; Sie haben viel Kraft.“
Nun hatte ich von einer meiner Patientinnen ein Christusbild bekommen, das sie selbst für mich angefertigt hatte; das schaute er an und fragte: „Sie sind gläubig?“
„Ja“, antwortete ich, „ich bin sehr gläubig.“
„Ein schönes Bild.
Ein großer Künstler, der es gemacht hat, wundervoll.“
In jenem Wort „wundervoll“, wie er es aussprach, lag seine ganze Persönlichkeit.
„Großartig“, sagte er wieder, „sehr gefühlvoll."
Danach ging er fort.
Als er zum zweiten Mal wiederkam, galt sein erster Blick dem Christus; das Bild des vollkommenen Kindes Gottes interessierte ihn besonders.
Ich konnte das verstehen, denn er war schließlich ein Priester.
„Es hat mir gut getan“, so begann er, „sehr gut.
Ich bin froh, dass ich mich entschlossen habe, mich von Ihnen behandeln zu lassen.
Wissen Sie, dass ich (ein) Priester bin?“
„Ich habe so etwas bereits vernommen.“
„Ach“, lächelte er, „von ihr.“
„Ja“, sagte ich, „sie hat es mir erzählt.“
Was für ein wundervolles Lächeln, dachte ich, damit stiehlt er die Herzen aller.
Wer ihn lächeln sah, spürte einen Strom der Liebe durch sich hindurchgehen.
„Ich habe mich noch nie diesen Dingen anheimgegeben, aber Ihnen vertraue ich vollkommen!“
Ich dankte ihm für dieses Kompliment und ging zur Behandlung über.
Während der Behandlung spürte ich, dass er seinen Blick auf das Christusbild gerichtet hielt und dass ich ihn tief durchdringen konnte.
Auf diese Art und Weise einem Menschen helfen zu dürfen, ist ein herrliches und großes Glück.
Meine Ausstrahlung und meine magnetischen Kräfte sog er in sich auf und das würde ihn erleichtern.
Gleichzeitig spürte ich, dass ich innig mit ihm verbunden wurde.
Solche Menschen sah ich nicht jeden Tag.
Sich gänzlich öffnen, das können nur wenige Menschen.
Es tat mir leid, dass ich seinen Zustand nicht ändern konnte, doch es waren andere, höhere Kräfte nötig, um ihn gesund machen zu können.
Was mein geistiger Leiter mir durchgegeben hatte, darauf konnte ich vertrauen, doch es war schon eine große Enttäuschung.
Indessen hatte auch diese Behandlung ihm gut getan.
„Sie haben mir gut geholfen“, sagte er.
„Ich kann nichts anderes als mein Bestes tun, und wir wollen hoffen, dass es Ihnen weiterhin gut tut.
Wir werden abwarten müssen.“
Ich ergründete ihn, um zu fühlen, wie er über seinen Zustand dachte, doch er war ruhig.
„Ja“, sagte er und blickte unterdessen auf den Christus, „wir sind alle nur Menschen."
Ich verstand diesen Blick: Wir sollten wie Er werden.
Er schlug seine schönen blauen Augen nieder und sprach: „Der Sohn des Menschen."
Ich spürte, dass von ihm eine große Liebe zu Christus ausging.
Einen Augenblick stand er da, in tiefes Nachdenken versunken.
Dann sah er mich an, zwei Sonnen strahlten mir entgegen und ich spürte, wie die Wärme, die er innerlich trug, in mich strömte.
Ein schöner Augenblick, dachte ich, er gibt sich gänzlich hin.
Er war einer Sonne gleich und sein ganzes Wesen strahlte Liebe aus.
Kein Wunder, dass man ihn noch gerne behalten wollte; man konnte nicht auf ihn verzichten.
„Ich habe in meinem Leben viel durchgemacht“, sagte er.
Ich fühlte, was er meinte.
Er ging von seinem eigenen Leben über auf das, mit dem er jetzt verbunden war.
„Ich habe mit diesen Dingen nie zu tun gehabt, weiß aber dennoch viel darüber.
Nun muss ich aber nach Hause gehen“, und er ging.
Nach der dritten Behandlung waren wir bereits gute Freunde geworden.
Wir fühlten einander und allmählich begann er, Fragen zu stellen.
All seine Fragen bezogen sich auf das eigene Leben und das Gebiet der Religion.
Das Elend der Welt nahm er sich besonders zu Herzen, denn es wäre nicht nötig, sagte er, dass so viele Menschen leiden müssen.
Er fühlte all dieses Elend und das machte ihn traurig.
Doch ich verstand zugleich, dass er Berge würde versetzen können.
In diesem Priester lagen ein fester Glaube und das Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit.
Wenn er von seinem eigenen Leben und all dem Elend der Menschen erzählte, traten ihm die Tränen in die Augen, und auch lag in seiner Stimme ein großes Maß an Liebe.
Ich fragte ihn, ob er meine medial empfangenen Gemälde einmal sehen wolle.
„Gerne“, sagte er, „aber dann müssen Sie sie mir erklären; ich möchte wissen, was sie bedeuten.“
Ich sagte ihm, dass ich nicht malen oder zeichnen könnte, sondern dass ich sie in Trance empfangen hatte.
Er lächelte nur und schwieg.
Doch in seinem schönen Lächeln lag seine Bewunderung für dieses Geschehen.
Geraume Zeit stand er in Gedanken (vertieft) und betrachtete meine Bilder.
„Erstaunlich“, sagte er, „aber beängstigend.“
„Beängstigend“, setzte ich das Gespräch fort, „warum beängstigend?
Ist es nicht herrlich, so etwas Schönes empfangen zu dürfen?
Die Geister kommen mit guten Absichten zu mir.
Es ist doch an all diesen Gemälden nichts Verkehrtes zu sehen?
Alles bedeutet Liebe und Glauben, den Glauben an ein ewiges Weiterleben.
Was ich empfangen habe, ist Liebe.“
Er lächelte weiterhin.
Von einem Gemälde ging er zum anderen.
Lange dachte er über alles nach, als wollte er für sich dieses Rätsel lösen.
Dann blickte er wieder auf den Christus, als versuchte er, von Ihm die Wahrheit zu empfangen.
Ich ließ ihn gewähren, ich hatte Respekt vor seiner Persönlichkeit.
Ich wollte mich ihm auf keinen Fall aufdrängen.
Nachdem er alles gesehen hatte, sagte er: „Ich gehe fort, später werden wir darüber reden, später.“
Er drückte mir zum Abschied herzlich beide Hände und ging fort.
bei einem folgenden Mal fragte er mich sehr unerwartet: „Glauben Sie an Maria?“
An Maria, dachte ich, was bedeutet diese Frage?
Und ich sagte, nachdem ich innerlich gefühlt hatte, was er damit meinte: „Aber natürlich glaube ich an Maria.
Ich glaube an alle Heiligen.
Es war schließlich mein Glauben!“
„Jetzt denn nicht mehr?“
Ich ergründete ihn abermals, fühlte, wohin er wollte, und sagte ihm: „Das werde ich Ihnen erklären.“
Der Priester blickte auf den Christus, als ob er spürte, womit ich anfangen würde.
„Ich habe eine andere Religion empfangen, und zwar von den Geistern, also von denjenigen, die vor uns hinübergegangen sind.
Dieser Glauben ist tiefer als der, den ich früher kannte und besaß.
Doch lassen Sie mich Ihnen zuvor dies sagen, dass ich die Geister nicht rufe, denn sie lassen sich nicht rufen.
Ich glaubte an alle Heiligen, und warum sollte ich gerade jetzt, wo ich das alles weiß, nicht mehr an sie glauben?
All die Heiligen, die Sie kennen, haben jetzt eine andere und viel größere Bedeutung für mich als früher.
Nun beginne ich, ihr Leben auf der Erde zu verstehen, und die Mission, die sie vollbrachten.
Ja, ich fühle, wie rein ihr Leben gewesen ist.
Das konnte ich früher nicht – und dies haben mir die Geister klargemacht.
Diejenigen, die auf der Erde gestorben sind und zu uns wiederkehrten, kennen all diese Heiligen und sie wissen, wie wir leben müssen, um uns diese Heiligkeit anzueignen.
Sie sagen, dass wir das Leben lieben sollen und dass wir nach dem irdischen Tode, wenn wir ein gutes Leben geführt haben, glücklich sein werden und alle Heiligen wiedersehen werden.“
Er nickte, dass es so sei, und stimmte dem zu.
„Die Lektionen, die ich aus dem Geiste erhalte, behandeln stets die Fragen, welche die Menschheit am meisten beschäftigen, das sind der Glauben und die Liebe.
Sie zeigen mir, wie ich leben muss, wenn ich im Leben nach dem Tode Glück und Licht besitzen will.
Jenes Leben finde ich in der Natur, in ihr lerne ich Gottes Leben kennen.
Die Natur ist Gott, so sagen sie.
Ihre Lehre ist tief und voller Wahrheit.
Sie erzählen mir von ihrem Leben und ich habe mehrmals ihr Leben sehen dürfen, indem ich aus meinem Körper heraustrat.
Ich habe gesehen, wie fromm und heilig ihr Leben ist.
Sie sagen, wie ich bereits anmerkte, dass wir alles Leben lieben sollen, weil es von Gott erschaffen wurde.
Und diejenigen, die so etwas sagen, können doch keine Teufel sein?
Die Leute können dies nicht glauben, obwohl es die Wahrheit ist.
Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich, wenn ich geistige Nahrung erhielte, die mich zurückfallen ließe, mit diesen Geistern nichts zu tun haben wollte.
Aber noch immer ist alles rein und lauter gewesen und es wird auch wohl so bleiben.
Nur Liebe ist es, was ich durch sie empfing, und dies ist nun mein Glauben geworden.
Sie sagen selbst, dass Sie viel darüber wissen, dann können Sie sich doch wohl in meine Lage versetzen?
Sie weisen mich auf Ihn hin, der dort hinter Ihnen steht, auf jene große Gestalt, auf Christus.
Seinem Beispiel, so sagen sie, sollen alle Menschen folgen.
Er ist für uns gestorben, Seine Liebe werden wir empfangen, wenn wir dem Weg folgen, den die Geister uns weisen.
Sie leben hinter dem Schleier und jener Schleier wird für mich gelüftet.
Ist es nicht herrlich, von der Erde aus in ihr schönes und reines Leben blicken zu dürfen?
So etwas zu empfangen ist eine große Gnade und ich bin dafür sehr dankbar.
Hohen Geistern als Instrument dienen dürfen ist eine große und herrliche Aufgabe, und diese Aufgabe gut zu vollbringen ist sehr schwierig.
Mein Leben hat sich verändert, nachdem ich mit ihnen in Verbindung gekommen bin.
Sie sagen, dass alle Religionen eins sind und dass alle recht haben.
Doch die Verbindung, die ich nun besitze, dieser Glauben, ist tiefer als alles andere.
Durch die Geister habe ich geistige Gesetze kennengelernt, und das kann mir keine andere Religion geben, denn ich bin mit jenen Gesetzen in Verbindung; sie selbst sind das Gesetz.
Sie zeigen und haben mir verdeutlicht, wie ihr Leben auf der Erde war und nun geworden ist.
Sie sind glücklich und das werden sie ewig bleiben.“
„Glauben Sie wirklich“, fragte er plötzlich, „dass wir weiterleben und dass es so sein wird, wie sie sagen?“
„Aber natürlich.
Ich sagte Ihnen doch, dass ich sie sehe und ihr Leben kenne.
Ich bin mehrmals dort gewesen und ich versichere Ihnen, dass sich der Mensch nicht verändert haben wird, wenn er in jenes Leben eingeht.
Wir bleiben so, wie wir jetzt fühlen.
Es ändert sich nichts.“
Wiederum lächelte er, sagte aber nichts.
„Können Sie das nicht annehmen?“
„Nein“, sagte er offenherzig, „zu unglaublich für mich, zu schön, um wahr zu sein.“
„Sie glauben an ein ewiges Weiterleben und trotzdem denken Sie, dass alles anders ist?“
„Ich weiß nicht, werde aber abwarten.“
„Und doch ist alles Wahrheit.“
„Sie sind auch ein Priester“, sagte er zu mir.
„Menschen“, fuhr ich fort, „die auf dem geistigen Weg sind und anderen davon erzählen, sind alle Priester.“
Er sah mich an und sagte: „Sehr gut, sehr deutlich.“
Nachdem er fortgegangen war, sagte Alcar zu mir: „Ein Mensch im guten Sinne des Wortes.
Es gibt nur wenige Priester wie ihn.
Auf der Erde kann man diese Menschen zählen.
Lange braucht er nicht mehr auf der Erde zu sein, bald wird er unser Leben sehen.
Sein Gefühl findet Abstimmung im Geist.“
Herrlich, dachte ich, dass Alcar so über ihn sprach.
Dann hörte ich meinen geistigen Leiter noch sagen: „Du lernst ihn noch besser kennen.“
Eines Nachmittags, als ich ihn behandelt hatte, fragte er mich: „Was geben Sie mir bloß?
Ich fühle mich jedes Mal so erfrischt und munter, wenn Sie mich behandelt haben.
Und was tun Sie, wenn Sie da so still Ihre Hände auf meinen Körper legen, da, wo ich Schmerzen habe?“
„Was ich tue?
Das will ich Ihnen sagen.
Wenn ich meine Augen schließe, bete ich, und bitte Gott um Kraft, damit ich Ihnen helfen darf und Ihre Schmerzen lindern darf.
Ohne Seine Hilfe und Kraft kann ich nichts erreichen.
Wenn ich gebetet habe, stelle ich mich auf Ihren Zustand ein, und dann fühle ich in meinem eigenen Körper, wo Sie Schmerzen haben.
Danach konzentriere ich mich auf meinen geistigen Leiter, der mir das Nötige sagen wird darüber, was ich tun soll, und entsprechend handle ich dann.
Das hängt alles mit Ihrer Krankheit zusammen, denn Alcar ist es, der das Leid und den Schmerz der Menschen in Glück verwandeln will.
Nicht allein körperlich, sondern vor allem geistig.
Ich fühle und sehe ihn neben mir, ja, ich höre, wie er zu mir spricht.
Er sieht durch allen Stoff hindurch und und mein Wissen ist seines.
Ich bin und kann nichts ohne ihn und ihm ich gebe mich ihm mit Herz und Seele anheim.
Wenn er mir sagt, dass ich aufhören soll, dann weiß ich, dass ich Sie ausreichend behandelt habe.
Ich kann ihm in allem vertrauen und auf ihn rechnen.
Er ist für mich ein Meister und ein Vater, durch ihn sehe ich, durch ihn habe ich das Leben kennengelernt und schwierige geistige Probleme wird er für mich lösen.
Durch ihn lernte ich Gottes heilige Liebe schätzen, soweit diese zu schätzen in meiner Macht steht, denn ich bin schließlich nur ein Mensch?
In seinen liebevollen Händen fühlen sich die Menschen sicher, ihm können sie sich gänzlich ergeben.
Mein geistiger Leiter, ehrwürdiger Priester, ist ein Geist der Liebe, und als solchen werden ihn die Menschen, die mit mir in Verbindung kommen, kennenlernen.
Wer sich in Alcars Hände ergibt, der fühlt sich niemals betrogen.“
Er sah mich verwundert an und fragte: „Wie kommen Sie auf diesen Namen?
Wer hat Ihnen den genannt?“
„Er selbst.
Ich sagte Ihnen doch, dass ich die Geister sehen und dass sprechen hören kann?
Er selbst nannte mir seinen geistigen Namen.
Als mein geistiger Leiter noch auf der Erde lebte, trug er einen anderen Namen.
Ich sehe seine schöne Gestalt, er strahlt reines und pures Licht aus und seine Lehre ist wie die von Ihm.“
Ich wies auf den Christus.
„Alles ist Liebe!“
„Wunderbar“, sagte er.
„Es tut mir gut und gibt mir Halt.
Wenn es nur so bleibt“, ließ er darauf folgen.
„Dafür werde ich sorgen.
Es ist eine große Gnade und ich will nicht undankbar sein.
Meine Gaben sind mir heilig; ich lebe für sie und habe bereits in meinem Gefühl von der Erde Abschied genommen.
Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich das Leben nach dem Tode besser kenne als mein irdisches Leben.“
„Sie haben viele Kräfte.“
„Ja, die habe ich.
Nochmals, ich bin dafür dankbar.
Ich bin ein hellsehendes und hellhörendes, malendes, heilendes und schreibendes Medium, doch (aus dem Körper) heraustreten zu dürfen, das ist wohl die schönste von allen Gaben.
Dort verweilen zu dürfen und ihr Leben zu sehen, oh, das ist so herrlich!
Das ist ein großes Gottesgeschenk, wie es nur wenige Menschen empfangen.
Für die Menschen, die diese Kräfte nicht kennen, sind es keine Wunder und hat alles auch keinen Wert, weil sie diese Wahrheit nicht akzeptieren und das Gefühl dafür nicht besitzen.“
„Dieses Heraustreten (aus dem Körper), wie Sie es nennen, ist das das Schönste?“
„Ja, das Schönste und das Größte von allem.
Denn indem ich den Menschen davon berichte, werden sie anfangen, anders zu leben, und Krieg und Totschlag werden aufhören, zu existieren.“
„Sie sind ein Prophet.“
„Nein, Hochwürden, das bin ich nicht, ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch wie alle Menschen, doch was ich Ihnen sage, ist die Wahrheit.
Ist es nicht herrlich, den Menschen von einem ewigen Weiterleben zu berichten, so, wie du es selbst erlebt hast?
Sie können sich daran festklammern, denn sie brauchen einen Halt.“
„Sie könnten viel darüber berichten“, sagte er.
„Das habe ich bereits getan und wenn Sie meinen geistigen Leiter und mein Leben und das von denen auf Jener Seite kennenlernen wollen, dann können Sie den ersten Band meines Buches mitnehmen, ich habe sie hier im Schrank stehen.
Darin erhalten Sie ein wahrhaftiges Bild vom Leben nach dem Tod.“
Er ging jedoch nicht darauf ein und fragte: „Wie alt sind Sie?“
„Ich bin achtunddreißig Jahre alt.“
„Wunderbar, dann können Sie noch viel für die Menschen tun.
Ich habe es mein Leben lang nicht anders getan und ich bedauere es noch immer nicht, im Gegenteil, es machte mich immer glücklich.
Aber“, sagte er, als fielen ihm meine Worte wieder ein, „sehen Sie die Geister so, wie Sie selbst sind?“
„Ja; ich sagte Ihnen bereits, dass ich sie sehe, höre und fühle.
Sie sind so wie wir, doch weiter auf dem geistigen Weg, zumindest diejenigen, die Licht besitzen.
Es existiert immer noch so etwas wie eine Hölle, und diejenigen, die darin leben, werden einen langen Weg zurückzulegen haben und sich selbst Stück für Stück niederreißen müssen.
Und dieses Niederreißen ist nicht so einfach, davon haben die Leute keine Vorstellung.
Wir Menschen fühlen uns im Allgemeinen noch zu viel.
Ich habe die Hölle und den Himmel gesehen, nein, verschiedene Höllen und Himmel aif Jener Seite, aber Feuer gibt es dort nicht.
Dort brennt das Feuer der Leidenschaft und Gewalt in ihren Seelen, ich meine von denjenigen, die in Finsternis leben.
Hierüber berichte ich in meinen Büchern.“
Gleichzeitig ging ich zum Bücherschrank und holte den ersten Teil von „Ein Blick ins Jenseits“ heraus und sagte zu ihm: „Sehen Sie, dies ist mein erstes schriftstellerisches Werk und auch der zweite Teil ist bereits erschienen.
Es ist nicht literarisch oder wissenschaftlich, doch was darin steht, ist die heilige Wahrheit.
Sie werden es erstaunlich finden und sich fragen, ob alles wohl so sein wird, wenn wir demnächst in jenes Leben eintreten.
Ich aber habe dies alles erleben dürfen.
Hierin werden Sie meinen geistigen Leiter und auch viele andere Geister kennenlernen.
Dann werden Sie sich erstaunt fühlen, wenn Sie darin lesen, wie großartig das Leben nach dem Tod ist, dass es keine Wunder mehr gibt und dass alle Probleme aufhören zu existieren, wenn der Mensch jene Wunder und Probleme kennenlernt.
Es ist keine romantische Vision oder Erdichtung, es ist Wirklichkeit.“
Ich übergab ihm das Buch, er nahm es in seine wohlgeformten Hände und fragte: „Darf ich es mitnehmen?“
„Oh, nehmen Sie es ruhig mit, ich habe genug davon, und wenn Sie es durchgelesen haben, können Sie, wenn Sie wollen, das zweite auch lesen."
Herzlich nahm er darauf Abschied.
Als meine Patientin mich später besuchen kam, sagte sie: „Wissen Sie, dass er Sie sehr lieb hat?
Er nennt Sie André und Jozef und sagt, dass André im Universum schwebt und von dorther seine Weisheit holt und mit den Geistern spricht.
Wie um Himmels willen kommt er bloß auf all diese Dinge?
Haben Sie mit ihm gesprochen und über Ihre Erfahrungen berichtet?“
„Ich habe sogar sehr viel mit ihm gesprochen, aber hat er Ihnen denn nicht erzählt, dass ich ihm den ersten Band meines Buches mitgegeben habe?“
Das war für mich nämlich ein Beweis, dass er bereits darin gelesen hatte, da ich wusste, wo die Passage stand, die vom Universum handelte.
„Er macht Fortschritte“, sagte sie sehr glücklich, „finden Sie nicht?
Wir alle sehen es.
Er ist so fröhlich in den letzten Tagen und er lobt Sie, weil es ihm so gut geht.
Er fühlt sich unbestreitbar besser in letzter Zeit.
Also muss er doch Fortschritte machen.“
Ich ließ sie aussprechen, spürte jedoch, worauf sie hinauswollte, und als ich darauf nicht einging, fragte sie: „Warum sagen Sie nichts?
Er macht doch Fortschritte?“
Doch ich antwortete nicht direkt und sagte: „Lassen Sie uns dankbar sein für das, was wir erreicht haben, und lieber nicht vorgreifen.“
„Aber wir sehen es doch?“
Ich sagte ihr: „Was wir erreichen, ist Gewinn.“
„Gewinn, sagen Sie, bah, wie ekelhaft.“
„Gar nicht ekelhaft“, wiederholte ich, „da ist nun mal nichts zu machen.
Lassen Sie uns froh sein, dass es ihm gut geht, und abwarten.“
„Wir können auf diesen lieben Schatz noch nicht verzichten“, sagte sie.
„Trotzdem ist da nichts mehr zu machen.“
Bekümmert ging sie fort.
Ja, es war schade, dass er sterben würde.
Auf diesen Priester konnte man nicht verzichten, denn er war sehr beliebt, aber wenn er sich gut fühlte, durfte er bereits glücklich sein.
Sie wollte ihn gerne behalten, doch ihr Priester und Vater sollte hinübergehen.
Wenn ich sie enttäuschte, so konnte ich nichts daran ändern, denn was mein geistiger Leiter sagte, darauf konnte ich vertrauen.
Ich war schon neugierig, was der Priester zu meinem Buch sagen würde, denn er erwies sich jemand mit einer weiten Auffassungsgabe.
So war ich denn auch nicht verwundert, als er wieder zu mir zurückkehrte und um den zweiten Band bat.
„Später werden wir reden“, sagte er, „und dann werde ich Ihnen viele Fragen stellen, doch erst will ich alles lesen.“
Nach der Behandlung folgte kein Gespräch und ich nahm für drei Wochen Abschied, da der Zeitpunkt gekommen war, dass ich die Stadt verlassen sollte.
Er fühlte sich herrlich, hatte keine Schmerzen und würde, wenn ich zurück war, wieder zu mir kommen.
Er wünschte mir eine gute Reise und viel Glück.
Er sagte noch: „Ich werde mich ruhig verhalten und lesen."
Der Priester ging fort.
Meine Patientin, die mich noch besuchen sollte, sagte: „Gestern Abend war ich bei ihm, es war Abendmesse.
Nach der Messe sagte er plötzlich zu mir: ‚Jozef weiß, an welcher Krankheit ich leide, er und du, ihr beide wisst es, alle anderen nicht.‘
Ich glaubte, im Boden zu versinken.
Wie kommt er nur so plötzlich darauf?
Ich habe niemandem etwas davon erzählt.
Sollte er wissen, dass es ernst ist?
Ist es nun wirklich so, hat er diese Krankheit?
Ist dieses Leiden nicht zu heilen?
Ich verstehe nicht, wie er auf einmal darauf kommt“, wiederholte sie nochmals.
„Können Sie das erklären?“
Nein, ich konnte es nicht und sagte, dass ich es nicht wüsste.
„Ich hoffe nur“, fuhr sie fort, „dass es mit ihm nicht bergab geht, wenn Sie weg sind.“
Sie ging fort und ich machte mich bereit, um aufzubrechen.
Alcar sagte mir: „Er fühlt, dass sein Ende naht.“
Dann reiste ich ab.
Doch weit von ihm entfernt fühlte ich, wie es dem Priester ging.
Gleichzeitig sagte mir Alcar, dass es mit ihm bergab gegangen sei.
Als ich von meiner Reise zurückkehrte, ließ man mich sofort rufen.
Er lag bereits einige Tage zu Bett.
Jetzt ist es so weit, dachte ich.
Der Anfang seines Endes ist nahe.
Wenn es jetzt nur nicht so lange dauert.
Diese Krankheit konnte schleppend sein.
Alle seine Freunde und Lieben bedauerten es und meinten, wenn ich nicht aufgehört hätte, wäre es nicht so weit gekommen.
Doch ich wusste es besser.
An einem Mittwochmorgen ging ich ihn besuchen.
Als ich in sein Zimmer kam, strahlte er vor Glück und war erfreut, mich wiederzusehen.
Er ergriff meine beiden Hände, sah mich an und sagte: „Mein Jozef!
Wie habe ich mich nach dir gesehnt.“
Ich spürte seine große Liebe zu mir, was mich sehr glücklich machte, und es war, als wollte er mich nicht mehr loslassen.
„Gott sei Dank, dass du da bist.
Bücher durchgelesen, Jozef!“
Ich bebte; was würde er mir sagen?
„Wunderbar!
Wunderbar!“
Er schloss seine Augen, kein Wort kam mehr über seine Lippen.
Er lag still darnieder und dachte offenbar nach.
Ich fühlte in diesem Augenblick die Stille des Geistes, die von ihm in mich kam, und auch ich wurde still.
Dicht neben seinem Bett nahm ich Platz und beide waren wir in Gedanken vertieft.
Ich dachte an seine große Freundschaft und Liebe, die er für mich empfand.
Gerne nahm ich seine reine Liebe an und war sehr dankbar dafür.
Wie kurz kannte ich diesen Menschen, und dennoch war es, als ob viele Jahre vergangen wären.
Ich betete für ihn und ging zur Behandlung über.
Neben mir sah ich meinen lieben geistigen Leiter, den Geist der Liebe, der mich mit dem Kranken verbunden hatte.
Jetzt waren wir eins und ich wartete ab, was mein geistiger Leiter zu sagen hätte, da ich sah, dass er den Kranken untersuchte.
Lange brauchte ich nicht zu warten, und als ich mit Alcar Verbindung bekam, hörte ich ihn sagen: „Hier ist keine Hilfe möglich, er wird bald hinübergehen.
Ich werde dir Beweise dafür geben, warte nur geduldig ab.“
Ich zitterte.
Was nun?
Ich bat Gott, dass er dieses Leben ohne Schmerzen verlassen möge.
Mehr wagte ich nicht zu erbitten, man konnte ihm nichts mehr geben.
Licht würde er im Leben nach dem Tode besitzen und Licht bedeutete Glück.
Der Mann, dessen Hände ich drückte, hatte ein reines Leben vollendet und war bereit, zu sterben.
Die Augen noch stets geschlossen und die Hände gefaltet, sagte er nach einer langen Stille: „Wunderbar, Jozef, schön für die Menschen, doch wenige werden es glauben.
Schwer, sehr schwer ist dies alles zu akzeptieren.
Große Liebe, Alcar.“
Stockend, Wort für Wort, sprach er, aber ich fing es auf.
Gott sei Dank, dachte ich, er hat meine Arbeit verstanden.
Es waren nur wenige Worte, die er gesprochen hatte, doch es tat mir gut, sie aus seinem Munde zu hören.
Es stimmte mich glücklich.
Ja, wenige Menschen konnten dies akzeptieren.
Ich hörte so sehr oft, dass ich zu einfach sei, nicht literarisch, nicht suggestiv genug, sodass man alles, was ich vom Leben nach dem Tod berichtete, nicht würdigen konnte.
Sie fanden es zu süß!
Aber einst würden sie alle süß werden, wie Honig so süß.
Wenn diese Leute dem größten und letzten Problem gegenübergestellt würden, wenn es ihnen wie Schuppen von den Augen fiele, wenn sie hinter den Schleier blicken dürften, wenn sie nackt vor Gottes heiligem Thron stünden, dann wäre alles nicht zu süß und zu einfach und sie würden gern viel, sehr viel von jener Einfachheit besitzen.
Dort erst sähen sie sich selbst, erst dann würden sie all das schätzen.
Aber für diese Leute schrieb ich auch nicht.
Sie waren nicht zu erreichen.
Derjenige, der dort auf seinem Sterbebett lag, er, der Priester, fühlte die Wärme und die geistige Kraft, die aus allem strahlte, und vor allem Alcars große Liebe.
Mehr hatte ich nicht erwarten können.
Auch von denen, die sich in Leid und Schmerz befanden, die allein zurückgeblieben waren und zur höchsten Klasse der Gesellschaft gehörten, hatte ich Briefe erhalten, die besagten, dass sie sehr, sehr glücklich seien.
In den Stunden des Scheidens hatte Alcar sie mit seiner großen Liebe unterstützt.
Sie wussten nun, dass sie ihre Lieben wiedersehen würden.
Sie hatten das Großartige geschehen sehen; am Sterbebett ihrer Lieben hatten auch sie etwas wahrgenommen.
Der Sterbende selbst hatte es ausgerufen.
Für sie alle waren meine Bücher eine geistige Stütze geworden, die Kraft, um das Leben nun alleine fortsetzen zu können.
Durch das, was Alcar sagte, hatten sie das Kreuz auf die Schultern genommen, welches Gott ihnen zu tragen gegeben hatte.
Nur wenn sich die Menschen in Leid und Schmerz befanden, dann erst waren sie zu erreichen und gaben sich willig anheim.
Keine irdische Gelehrtheit konnte ihnen dann helfen; dann verlangten sie nach geistiger Wärme, nach einem identischen Gefühl und nach Liebe.
Dann fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen und sie lauschten jener sanften, aber deutlichen Stimme und sie fanden sich selbst.
Doch diese anderen brauchten keine geistige Nahrung, sie standen und wollten mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben, wie sie selbst sagten.
Sie waren abgeschweift; das Leben auf der Erde hatte auch sie absorbiert.
Sie warfen meine Bücher in den Ofen und schürten das Feuer noch einmal ordentlich an, innerlich verzehrte sie jedoch Kälte und geistige Armut.
Sie dachten nicht daran, dass auch ihre Zeit bald kommen könnte.
Wenn ich allein für ihn hätte schreiben dürfen, dann noch hätte ich es ganz gewiss getan, aber glücklicherweise gab es noch viele andere.
Es tat mir jedoch gut, dass der Priester mich so richtig verstand.
Nicht, dass ich das nötig hatte, ich störte mich an niemandem, denn ich sah das Leben, über das ich schrieb, ich trat aus meinem Stoffkörper heraus und durfte es erleben.
Alles war Wahrheit, jeder sollte es einst sehen, wenn sie in jenes Leben eintreten würden.
Aber viele Menschen lebten materiemäßig (stofflich) und lachten über alles, auch über ihre eigene Dummheit.
Diese großen und erwachsenen Leute waren wie kleine Kinder.
Aber Kinder können mehr fühlen als große und gelehrte Leute.
Diejenigen, die sich in das Leben nach dem Tode vertieften und danach lebten, waren die Glücklichen auf Jener Seite.
Die anderen würden viele Jahre benötigen, ehe sie Licht sehen würden, weil ihr Gefühl getrübt war.
Das geistige Leben ist schwer zu erreichen.
Aber wenn man es fühlt, dann bringt es Glück und ewige Wahrheit, ein großes und kraftvolles Vertrauen und den Besitz eines geheiligten Lebens.
Es bringt Liebe, reine und pure Liebe.
Dieser Mensch fühlte es.
„Jozef“, sprach der Priester plötzlich, „ich werde schweben, weit weg von der Erde.“
Ich erschrak.
Genau darüber, woran ich dachte, begann er zu sprechen.
Es war, als hätte ihm jemand anders die Kraft gegeben, es mir zu sagen.
Dabei kamen ihm die Tränen in die Augen.
Der Erzpriester war wie ein Kind und auch ich fühlte mich so.
Wir waren zwei erwachsene Menschen und dennoch Kinder im Geiste.
Wir hatten ein und denselben Gott und waren ineinander übergegangen.
Wir fühlten ein und dasselbe Leben, ein und dieselbe Liebe, er als Priester, ich als Instrument.
Beide dienten wir ein und demselben Gott, wollten ein und demselben Gott dienen, wir hatten ein und denselben Vater und kannten ein und dieselbe Wahrheit.
Er hatte sich diese Wahrheit und Weisheit durch Studieren anzueignen gewusst, und indem er das Leben so erlebte, wie Gott es vom Menschen haben wollte.
Dadurch hatte er sich entwickelt.
Ich bekam es direkt aus dem Jenseits und war mit dem ewigen Leben verbunden worden.
Ich durfte sein Studium durchschauen und dadurch kannte ich gleichzeitig seine Theologie und das Leben hinter dem Schleier.
All jenes Große ging durch mich hindurch; durch meinen geistigen Führer Alcar wurde ich in den Kosmos aufgenommen.
Ich wusste nun, dass ich ein Teilchen jenes mächtigen, jenes großen und heiligen Lebens war.
Doch hatte ich nicht studiert und kam aus einem Bauerndorf, hatte aber ein Wissen und einen Glauben empfangen, rein wie Kristall.
Es war einfach Natur und man konnte es nicht lernen, man musste es fühlen.
Der Priester fühlte es; er war sanft, sanft wie das Leben selbst und war offen für jenes mächtige Leben.
Das Leben lag in seinen schönen Augen, im Klang seiner Stimme, es brachte die zarten Gefühle von Seele und Herz zum Ausdruck und daran erkannte man seine Persönlichkeit.
Das Kindliche, das Reine durchströmte sein ganzes Wesen.
Als Kind würde er bald in die Sphären eingehen und diese Himmel betreten, wo ihn eine ungeahnte Schönheit erwartete.
Dieser Priester hatte die Menschen mit all ihren Fehlern und Sünden lieb.
Er kannte die Leidenschaften und verstand, weil er verstehen wollte.
Er wollte keine Fehler sehen und gab, gab stets mit vollen Händen.
Nie waren diese Hände geschlossen gewesen, und wer an seine Seelenwohnung klopfte, wurde eingelassen.
Sein Seelentürchen knarrte in seinen Angeln, die Scharniere waren zerrissen, die Türpfosten zertrümmert und er reparierte sie nicht, weil er wusste, dass sie erneut zertrümmert würden.
Er ließ die Tür offen stehen und jeder, Jung und Alt, Arm und Reich, konnte eintreten.
Er ließ dies zu, weil er lieb hatte und viel Liebe besaß; sonst wäre es schließlich nicht möglich, ihnen zu helfen.
Wer an seine Wohnung klopfte, wurde hereingelassen, und viele traten ein.
Aber es kamen welche mit Schmutz und Dreck an den Schuhen; das bemerkte er jedoch nicht, er wollte es nicht sehen.
Er liebte sie doch mit all ihren Fehlern und Sünden.
„Kommt herein“, hörte ich ihn sagen, „oh, kommt ruhig, seid nicht ängstlich, meine Tür steht offen“, und lächelnd trat er den Menschen entgegen und beruhigte sie.
„Sie sehen es, die Tür ist kaputt und ich kann und werde sie nicht mehr schließen.
Sie wird für jedermann offen bleiben, auf ewig.“
Dies hatte ihn das Leben gelehrt, und viele Menschen waren zu ihm gekommen.
Der eine stellte seine Holzschuhe vor die Tür und trat ihm behutsam entgegen.
Solche Menschen empfanden Ehrfurcht, heilige Ehrfurcht vor seiner Persönlichkeit und achteten seine Seelenwohnung.
Sie wollten seine Seelenruhe nicht stören und gingen ruhig heimwärts.
An Leib und Seele hatte er ihnen geholfen.
Doch es kamen auch andere, die einfach so hereinplatzten; diese kannten und empfanden keine Ehrfurcht.
Verwundert sah er sie dann an, sagte aber nichts.
Ein Mensch brauchte Hilfe, und diese Hilfe wollte er ihnen geben.
Obwohl vor Schreck bebend, den Menschen mit all seinen Mängeln und Schwächen fühlend, wusste er sich selbst zur Ruhe zu bringen.
Er beherrschte sich, lächelte nur und beruhigte sie.
Sein immer währendes Lächeln wirkte Wunder.
Viele traten ein, sahen ihm scharf in die Augen, wovon er zitterte und bebte, doch er stand wie ein Kind vor ihnen und war erstaunt über so viel Unmenschlichkeit.
Seine reine Seelenwohnung, stets gepflegt, sodass Gott eintreten konnte, wurde vom Menschen besudelt.
Dann blieb er, wenn der Mensch fortgegangen war, mit all dem Menschlichen allein zurück.
Er musste allein zusehen, dass er es verarbeitete.
Niemand konnte ihm dabei helfen, aber er brauchte auch keine Hilfe.
Er wusste und besaß die Kraft und verstand die Kunst und hatte das Wissen, das dafür erforderlich war, seine geistige Wohnung rein zu halten, sodass Gott im unerwartetsten Augenblick eintreten konnte.
Er besaß diese große Kraft und trug sie, und tief, ganz tief in ihm lag diese reine Liebe.
Nein, sein Seelenhäuschen konnten die Menschen nicht beschmutzen.
Ein Meer der Liebe spülte es rein, nichts blieb an seinem Platz und die Flammen seiner unerschöpflichen Liebe trockneten es.
Kein Mensch kannte sein Geheimnis, aber sie wollten es auch nicht kennen.
Im Stillen trug er diesen Schatz und lächelte nur, womit er alle Menschen an sich band, die zu ihm kamen.
So lebte er, so hatte er gelernt, dass er leben soll.
So erfühlte ich diesen Priester.
Es war still um den Kranken und ich dachte an Alcars Worte, dass er ein großer Priester gewesen war.
Ich fühlte die Stille des Todes, das Verlassen dieser Welt, das Eintreten auf Jener Seite.
Jenes Problem wühlte in mir; ich fühlte und sah es und ich wurde in es aufgenommen.
Was ich jetzt erlebte, sollte jeder Mensch, der auf der Erde lebte, durchmachen müssen.
Ich fühlte den Priester, ergründete seinen inneren Zustand und wusste, wie glücklich er bald sein würde.
Er hatte als Mensch gelebt, als ein Kind Gottes.
Plötzlich öffnete er die Augen und fragte: „Glaubst du an die Menschen?“
Ich erschrak.
Er hatte abermals meine Gedanken übernommen, denn er ließ darauf folgen: „Der Tod ist mein Freund, Jozef.“
Fühlte er bereits die geistige Sprache, die man nur im Leben nach dem Tod kannte und verwendete?
„Ich glaube“, sagte ich und wusste nicht, welche Antwort ich ihm sonst geben sollte.
Dann schlug er die Augen auf und blickte auf den Christus, der über seinem Bett hing.
Dorthin richteten sich seine schönen Augen.
Ein Kind bat um Kraft, darum, aufgenommen zu werden, darum, sein Ende vorzuverlegen.
Dann, nach einigen Sekunden, sagte er: „Du bist begnadet, Jozef.“
Es war, als hätte der Christus es ihm persönlich gesagt.
„Du darfst die Heiligen nicht vergessen“, fuhr er fort, und dann, sehr plötzlich, nachdem er nochmals den Blick fest auf den Christus gerichtet hatte, sagte er: „Ich werde sterben, Jozef; ehe dieser Monat vorbei ist, bin ich nicht mehr.
Dann werde ich schweben, wie du.“
Wie ist das möglich, dachte ich.
Hatte Christus es ihm gesagt?
Ist er so innig verbunden?
Wie kam er so plötzlich darauf?
Ich fand es erstaunlich, so ruhig, wie er war.
Er fühlte, welche Gaben ich besaß, und ich dankte ihm im Stillen für seine wenigen, aber so tief gefühlserfüllten Worte.
Darin lag für mich eine Mahnung, meine Gaben rein und hoch zu halten.
Weit, sehr weit war er jetzt von mir entfernt.
Ich folgte ihm innerlich und fühlte, dass er sich gänzlich anheimgab.
Auch jenes Geheimnis kannte er allein, er fühlte sich mit dem Menschensohn verbunden.
Nochmals blickte er auf den Christus.
Tränen flossen über sein liebes Antlitz und ein Lichtstrahl beschien es.
Ein Engel, dachte ich, bist du.
Er besaß ein Wissen, das allein Sterbende besitzen, ja, erleben.
Er befand sich bereits in diesem unerklärlichen Zustand, in dem irdische Gesetze und Gelehrtheit sich auflösten und aufgenommen wurden.
Es lag kein Zweifel in ihm, ich fühlte nicht das geringste Zögern.
Dies war Weisheit, die er soeben in aller Stille erlebt hatte und aus einer höheren Quelle erhalten hatte.
Ich erlebe heute Morgen etwas Großartiges, etwas Unnatürliches.
Es wird wohl übernatürlich sein, dachte ich.
Das Übernatürliche beschien ihn, diese Kräfte gingen in ihn über und er sagte es mir, ließ mich daran teilhaben.
„Wirst du mir helfen, Jozef?“, fragte er wiederum völlig unerwartet.
„Ich gehe.“
Als ich ihn ansah, bebte ich.
Es zitterte in mir und ich fühlte ein großes Glück.
„Aber natürlich“, sagte ich und sah, dass er wieder weinte.
Er fühlte mich und sprach: „Nicht weil ich gehe, Jozef, nicht darum, denke das nicht.“
Ich verstand und fühlte, warum er seine Tränen fließen ließ.
Er dachte an all seine Kinder.
Von ihnen scheiden zu müssen, war für ihn schwer.
Sie würden nicht auf ihn verzichten können, denn sie konnten nicht mehr eintreten und eine geöffnete Wohnung vorfinden, in der sie sich wärmen konnten.
Ach, es war nicht so leicht!
Abermals sprach er und gab mir Antwort auf meine inneren Gedanken.
Erstaunlich war es.
„Davon zu scheiden ist schwer.“
Rein hatte er mich erfühlt und wiederum alles übernommen.
Das waren für mich Beweise, dass eine andere Kraft in ihm wirkte.
Es waren Beweise, dass er eine große Liebe besaß und dass er geistige Kräfte und Wahrheiten auffangen konnte, weil er bereits im Geist verbunden war.
So etwas Schönes sah und erlebte man nicht oft an einem Sterbebett.
Dies war schon ein ganz besonderes Hinübergehen, ein Sichvorbereiten auf die ewige Welt.
Nicht nur, dass er sein Hinübergehen fühlte, sondern er kannte bereits die geistige Sprache, die man dort sprach.
Er besaß bereits die Fähigkeit, von einem Menschen in den anderen überzugehen, und trotzdem lebte er noch auf der Erde.
Es war großartig, was ich dort in jenem Augenblick erlebte.
„Nun musst du gehen, Jozef.“
Ich nahm Abschied.
Es war noch keine halbe Stunde vergangen, und wie viel hatte ich doch erlebt.
Während ich nach Hause ging, dachte ich an all diese Dinge.
Wie schön war dieser Morgen gewesen.
Wie groß, diesem Leben so überzeugend Lebewohl zu sagen.
Herrlich war es auch, auf diese Art und Weise Sterbenden helfen zu dürfen.
Ich hatte schon viele hinübergehen sehen, aber nicht einen einzigen so wie ihn.
Der eine hatte Angst, andere nahmen kräftige Nahrung zu sich, weil sie nicht sterben wollten.
Doch wenn der Tod sich meldete, konnte kein Gelehrter mehr helfen und auch geistige Kräfte konnten keine Veränderung bringen.
Dem konnte niemand entrinnen, was wohl das einzig Gerechte auf dieser schrecklichen Erde war.
Dieser Priester war vertraut mit dem Tod.
Ihm war er ein willkommener Freund, ein Freund, der ihn von seinem Leiden erlöste, der ihm Glück brachte, Licht, Liebe und Schönheit, ja, ewiges Leben.
Was blieb dann noch vom Tod übrig?
Wo war seine Macht?
Wo blieb all das Schreckliche, wenn man den Tod einen Freund nennen konnte?
Bei ihm fand der Tod keine Nahrung.
Denn er kannte keine Angst und fühlte weder Leid noch Schmerz, und das war es, woran sich der Tod gütlich tat.
Der Tod sollte und würde bei ihm Armut leiden.
Er würde verhungern, denn er wurde nicht genährt.
Er führte mit dem Tod ein machtvolles Gespräch, er lächelte ihm zu und der Tod lächelte zurück.
Sie waren vertraut miteinander, große, ganz große Freunde geworden.
Dies hatte das Leben ihn dadurch gelehrt, dass er alle Menschen in seiner Seelenwohnung empfing und nicht meckerte, wenn sie mit Holzschuhen eintraten, sondern sie mit Liebe empfing und ihnen entgegentrat.
Dadurch hatte er den Tod kennengelernt und wusste, dass dieser ewiges Leben bedeutete.
Er sah durch seine Maske hindurch, er war hellsichtig und blickte hinter den Schleier des Verderbens und des Schreckens.
Er sah, dass der Tod nicht das Ende war, sondern ein Weitergehen in unbekannte Gefilde.
Für ihn war dieser grausame Mann mit seiner Sense durch einen azurblauen Himmel ersetzt worden, ein Paradies lauteren Glücks.
Das Schicksal hörte auf zu bestehen, für ihn war alles Gottes heilige Leitung.
Gott rief ihn zu sich und der Tod machte Platz und verschwand, denn er konnte sich ihm nicht nähern.
Nein, dieser Priester besaß alles, was er im Lande der ewigen Wahrheit brauchte.
Der Tod war glücklich, dass es unter all diesen Menschen einige gab, die keine Angst vor ihm hatten.
„Höre mich an“, so hörte ich gleichsam den Tod zu mir sagen, „du Mensch der Erde, höre, was ich sagen werde.
Sieh mich an, ich bin nicht tot.
In dir flammt es, es ist Gott, der dir Seine Liebe zusendet, der euch alle am Leben erhält.
Das, was ihr seht, was ihr äußerlich seid und pflegt, das stirbt.
Aber in euch lebt etwas, das weiterlebt, immer weiterleben wird und unendliche Tiefen kennenlernen wird.
Ein erhabenes Glück erwartet dich, jedoch allein diejenigen, die in mir das Leben sehen.
Ich gab mir diesen Namen „Tod“ nicht, sondern das tatest du, du Mensch, weil du mich nicht kennst.
Für dich war ich „tot“, aber das bin ich allein für diejenigen, die selbst lebendig tot sind.
In dir liegt ein Funken des ewigen Lebens, in dir liegt die ewige Wahrheit.
Lass dir, oh Mensch, dein Leben nicht durch meinen Namen vergällen.
Ich bin nicht tot, ich bin Leben, und wer mich kennt, wird glücklich sein.“
Ich hatte allem folgen können, doch wer sprach so zu mir?
Der Tod!
Er war ein lebendiges Wesen, das weiter blickte als wir, die wir zu leben glaubten.
Er war kalt und besaß zugleich Sonne, wodurch er alle erwärmen konnte, die in ihm das Leben sahen.
Mit einem Gefühl großen Glücks trat ich in meine Wohnung ein.
Was für ein Morgen!
Wie viel hatte ich empfangen und erleben dürfen?
Wie herrlich war es doch, Medium zu sein.
Das Leben, das hinter dem Schleier lebte, lernte ich auf diese Art und Weise kennen.
Und das durch ihn, den ich erst vor so kurzer Zeit kennengelernt hatte, doch dessen große Menschenliebe ich entdeckt hatte.
Bald würde dem Priester die wahre Bedeutung des Todes deutlich werden und würde er in einem violetten Licht hinübergehen.
Das Violette würde sich mit tausend anderen Farben verbinden, welche die Ausstrahlung seines eigenen Innenlebens waren.
Es war sein Himmel, den er fühlte und sah.
Dort würde man ihn erwarten.
Eine unvergängliche Schönheit und eine ewig währende Ruhe erwarteten ihn.
Wenig vermutete ich in diesem Augenblick, dass ich noch mehr Schönes und Erhabenes mit dem Priester erleben würde.
Bald war es Samstag.
Ich sehnte mich schon danach, dass ich zu ihm gehen konnte.
Bei ihm fühlte man meine Kräfte und ich wurde verstanden.
Der Priester wartete bereits.
Er nahm meine Hände in die seinen und sagte: „Mein Jozef.“
Wie sehr hatte dieser Mann mich lieb gewonnen!
Die Tränen schossen mir in die Augen.
Zusehends ging es mit ihm bergab, gegen die Krankheit konnte man nicht angehen.
Ich nahm neben ihm Platz, legte meine linke Hand auf seine Stirn, meine rechte auf seine Brust und bestrahlte ihn.
Er, der Priester, sog diese Kraft in sich auf und sie schenkte ihm Ruhe, die er für seine letzten Tage auf der Erde so brauchte.
Es würde sein Hinübergehen erleichtern.
Er fühlte die heilsame Einwirkung des Lebensmagnetismus.
Hier konnten keine Arzneien mehr helfen und auch ich konnte daran nichts ändern.
Nachdem ich gebetet hatte, hörte ich meinen geistigen Leiter sagen, dass ich mich im Geiste konzentrieren sollte.
Im selben Augenblick, da ich mich einstellte, meinte ich, Intelligenzen wahrzunehmen.
Ja, ich hatte richtig gesehen.
Um das Bett des Priesters herum sah ich mehrere Geister.
Sie waren in schöne Gewänder gekleidet und strahlten ein prachtvolles Licht aus.
Sie schauten ihn an, der bald hinübergehen würde.
Was sollte das zu bedeuten haben?, fragte ich mich.
Doch schon bald wurde es mir klar, da ich Gesang vernahm.
Es waren geistige Lieder und zwei Stimmen beanspruchten meine ganze Aufmerksamkeit.
Es waren ein Tenor und ein Bass und die anderen Stimmen ergänzten diese beiden, um zu einem Ganzen zu verschmelzen.
Es war himmlisch!
Die Tenorstimme war von nicht gekannter Schönheit.
Es bewegte mich tief, so großartig war es und so erhaben.
Als der Gesang aufgehört hatte, sagte Alcar zu mir: „Der Priester ist einem Orden verbunden, und diejenigen, die an sein Sterbebett gekommen sind, wollen sein Hinübergehen erleichtern.
Aus dem Jenseits kommen sie zu ihm, es sind Liebegeister.
Die geistige Kraft dieses Geschehens geht in ihn über.
Noch ist er sich dessen unbewusst, aber dennoch wird er etwas spüren.“
Ich entdeckte, dass ich mit der Ausstrahlung dieses Geschehens verbunden wurde.
Die Liebe all dieser Wesen sah ich in einem Licht und jenes Licht ging auf den Kranken über.
Es umgab ihn und würde dort bleiben, um andere Kräfte abzuwehren.
Dies war nun geistige Ruhe, eine Einsegnung im Geiste.
Das Licht lag jetzt um ihn herum wie eine geistige Mauer, eine Festung aus Liebeskraft.
Es war großartig, was ich dort anschauen durfte.
Diejenigen, die bereits im Jenseits lebten und ihn auf der Erde gekannt hatten, wussten, dass er sterben würde, und auch er wusste dies.
Ich spürte darin eine Verbindung, ein einziges Wissen.
Liebe ging über das Grab hinaus.
All diese Wesen waren auf der Erde Priester gewesen und hatten ein schönes Leben vollendet.
In ihre Mitte würde er aufgenommen werden, denn er gehörte zu ihnen, und dass er bereits auf der Erde damit verbunden war, war doch wohl etwas Besonderes, so etwas empfingen nur wenige Menschen.
Der Kranke war eingeschlafen und ich entfernte mich in Stille.
Auch die geistigen Wesen hatten sich vor mir aufgelöst.
Als ich hinunter kam, fragte mich seine Frau, was ich von ihrem Mann hielt.
„Kann es noch lange dauern?“
„Nein“, sagte ich, „lange wird es nicht mehr dauern.
Aber wann es so weit ist, weiß auch ich noch nicht.
Wenn es nötig ist, werde ich es Ihnen sagen.“
Beim darauffolgenden Mal erlebte ich andere Wunder.
Als ich eintrat, bat man mich, zu warten.
Es war ein Priester aus Paris herübergekommen, doch der Kranke gab ihm nur eine einzige Minute.
Ich lächelte und spürte, dass er auf keine Sekunde der Zeit, die ich bei ihm sein würde, verzichten wollte.
Nach einer Minute wurde ich bereits gerufen und trat in das Krankenzimmer ein.
Der Patient war sehr erfreut und brannte vor Sehnsucht, mir etwas zu sagen.
Ich fühlte dies, sobald ich ihn sah.
„Hör zu“, sagte er, „setz dich.
Ich habe geschwebt, Jozef, ganz, ganz hoch, so wie du.
Wundervoll war es.
Schöne Dinge gesehen.“
Jedes Mal wartete er kurz, um wieder zu Atem zu kommen und um zu sehen, wie erstaunt ich wohl sein würde.
Er war sehr, sehr glücklich.
Dann sprach er weiter.
„Ich sah Blumen, oh, so schön.
Nicht hier, nein, hier sind sie nicht so schön.
Diese waren anders.
Ich hörte auch Singen, wundervolles Singen, sehr schön.“
Ich erschrak.
Ob er dann doch diesen Gesang gehört hatte?
„Wundervolles Singen“, sagte er wieder, „oh, so herrlich.
Schöne Stimmen.“
Merkwürdig, dachte ich, der Mann ist ein hellhörendes, hellsichtiges und hellfühlendes Medium geworden.
Ganz am Ende seines Lebens waren diese Gaben offenbar zu ihm gekommen.
Ich verstand dies vollkommen.
Sein Gefühl ging in den Geist über.
Kein Wunder, dass er glücklich war.
So sah und hörte ich es stets bewusst, doch wenn ich davon erzählte, konnten die Leute es nicht glauben.
Er, der Priester, war nun mit dem ewigen Leben verbunden worden.
Als er zu Ende gesprochen hatte, standen ihm die Tränen in den Augen, so hatte es ihn bewegt.
„Viele Menschen habe ich gesehen“, begann er wieder aufs Neue.
„Wunderbar, wunderbar, schöne Stimmen.“
Dabei blickte er auf den Christus, um Gottes Sohn für alles zu danken.
Wie gewöhnlich nahm ich neben ihm Platz und behandelte ihn.
Alcar sagte mir, dass ich aufpassen solle, mir würde wieder etwas gezeigt werden.
Den Priester fühlte ich unter meinen Händen wegsinken.
Plötzlich sah ich einen Lichtschein und in jenem Licht manifestierte sich ein strahlendes Wesen.
Es verdichtete sich immer mehr, sodass ich es deutlich wahrnehmen konnte.
Es bewegte sich vom Kopf- zum Fußende und machte mir klar, dass ich richtig sah und fühlte.
Nun sah ich in jenem Licht eine Erscheinung, einen jungen Geist in strahlender Schönheit.
Unwillkürlich schätzte ich sein Lebensalter und meinte, dass er das Alter zwischen fünf- und siebenunddreißig Jahren erreicht haben dürfte.
Danach verschwamm das Bild und ich sah ein anderes.
Die Erscheinung selbst zeigte mir etwas, ich sah eine Wiege und darin ein totes Kind.
Über der Wiege schwebte die Zahl siebzehn.
Die Zahl war erleuchtet, sodass ich sie deutlich wahrnehmen konnte.
Siebzehn?, dachte ich.
„Monate“, hörte ich dann sagen, „gestorben!“
Kurz, aber kraftvoll wurde mir diese Wahrheit gegeben.
Es ließ nichts zu fragen übrig und ich verstand es auf der Stelle, als ich sagen hörte: „Mein Vater!“
Mein Vater?, dachte ich.
Mein Gott, wie groß ist dieses Wunder.
Sein Vater?
Er war also der Sohn des Priesters, ein Sohn, der in jungem Alter die Erde verlassen hatte?
Da sagte Alcar, dass ich richtig gesehen hatte, und ich wartete ab, was weiter geschehen würde.
Ein Kind, dass, siebzehn Monate alt, die Erde verlassen hatte, kehrte im Alter von siebenunddreißig Jahren zurück, um seinen eigenen Vater abzuholen?
Um seinem Vater beim Hinübergehen zu helfen?
Aber das war doch wohl etwas ganz Besonderes.
Es war ein tiefes Mysterium und für kein menschliches Gehirn zu ergründen.
Was für eine Weisheit!
Wie groß war dieses Wissen und welch ein großartiges Problem war es.
Das Kind hatte gelebt, es war also nicht tot, sonst wäre es unmöglich, sich zu manifestieren, und es war herangewachsen.
Aber wo?
Ging das?
Ich sah doch deutlich ein bildschönes Wesen, eine geistige Erscheinung.
War das nicht ein Rätsel?
Ein übernatürliches Rätsel wurde mir gezeigt und ich wurde mit ihm verbunden.
Ein Problem, von dem man auf der Erde nichts wusste und das nicht verstanden werden konnte.
Trotzdem war es die Wahrheit, denn ich sah es.
Dies waren geistige Probleme und Gesetze, die man ausschließlich nach dem Tod kennenlernte, im Leben dort, wo mein geistiger Leiter und Millionen andere lebten.
Dort, wo ich bereits mehrmals verweilen durfte und wo die Erscheinung aufgewachsen war.
Dies war ein großer und mächtiger Beweis für ein Weiterleben, wenn man es akzeptieren wollte.
Was für einen Schatz an Wahrheit durfte ich jetzt empfangen.
Ich fühlte Hunderte von Fragen in mir aufkommen und auf all diese Fragen konnte ich mir selbst Antwort geben.
Wo blieb nun der Tod und seine Macht?
Der Mensch betrog sich selbst.
Wer würde jetzt noch an den Tod glauben?
Hier kehrte das junge Leben – das Kind, das man tot wähnte – als ein Engel zur Erde zurück, um seinem Vater im Stoff zu helfen und ihn abzuholen.
Wie tief war dieses Problem und wie kam dieses Wesen an diese Wahrheit?
Wie wusste es, dass sein Vater sterben würde?
Wie wusste es etwas von Vater oder Mutter, denn als es hinüberging, hatte es nicht erfasst, was „Vater und Mutter“ bedeutete.
Dennoch kehrte es zurück, ausgerechnet jetzt, wo sein Vater sterben würde, hinübergehen würde in jenes andere Leben, wo sein Kind lebte.
Nun gebot mir mein geistiger Leiter, zuzuhören, und ich hörte das schöne Wesen sagen:
„Ich bin gekommen, um ihn zu holen: Dies ist mir gestattet.
Es ist Gottes Willen.
Fragen Sie sie, die meine Mutter ist, ob ich in diesem Alter gestorben bin, sie wird es bestätigen.
Ein Liebesband hielt mich mit ihnen verbunden.
Ein ewiges Band der Liebe bindet uns, verbindet alle Menschen mit ihren Lieben, die auf dieser Seite leben und die sie erwarten werden, wenn auch sie hinübergehen werden.
Ich durfte in jungem Alter die Erde verlassen.
Das schon ist eine große Gnade.
Sie sehen, dass ich lebe, und Sie hören mich zu Ihnen sprechen.
Alles ist die heilige Wahrheit.
Überzeugen Sie sich und fragen Sie sie danach.“
Tief bewegt von diesem Geschehen hatte ich dieser Erscheinung in Bewunderung gelauscht.
Ich hörte noch, wie gesagt wurde:
„Ich wuchs in den Sphären des Lichts auf, denn wissen Sie, dass das Leben ewig ist.
Ich denke so, wie Sie denken, und lebe im Geist.
Ich sehe und höre Sie und kann mich mit Ihrem Leben verbinden.
Ich weiß, dass er, der dort darniederliegt, mein Vater ist, mein Vater im Stoff.
Doch wir haben und kennen nur einen einzigen Vater und das ist Gott.
Ich danke Ihnen, dass Sie bereit waren, mir zuzuhören und Ihre inneren Augen für mich zu öffnen.
Auch danke ich Ihnen für Ihre Liebe, die Sie ihm gegeben haben.
Dank auch ihr, die meine Mutter ist, für all ihre Liebe.
Ich fühle und empfange ihre Liebe, weil ich lebe und stets mit ihnen verbunden bleiben werde.
Ich weiß, dass sie mich lieb haben und dass wir einander einst wiedersehen werden, für ewig, auf ewig.
Dieser Augenblick ist mir heilig, werden Sie das niemals vergessen?
Würden Sie es bitte auch ihnen, all meinen Lieben, sagen?
Ich lebe in den Sphären des Lichts und auch mein Vater wird Licht und Glück besitzen.
Bald wird er bei mir sein und das alles ist Gottes heiliger Willen, Sein Wille geschehe!
Es ist die Wahrheit, und weil es Wahrheit ist, ist es heilig und der Mensch wird das Haupt neigen vor Ihm, der unser aller Vater ist.
Es ist für Sie eine große Gnade, dies erleben zu dürfen.
Ich rufe Ihnen und allen Menschen von dieser Seite aus zu: Habt keine Angst vor dem Tod, wir leben in himmlischer Schönheit.
Ihr werdet Licht sehen, wenn es licht in euch ist.
Dies alles ist Liebe, heilige Liebe.
Ich werde bis zum Ende bei ihm bleiben.
Sein irdisches Kleid wird begraben, aber sein Geisteskörper kehrt zurück zum Leben, dem Leben, das Gott ist.
Kein Mensch wird hieran etwas ändern können.
Gehen Sie nun, ich wache, nichts soll seine Ruhe stören.
Ich danke Ihnen.“
Danach sah ich, dass die Erscheinung sich zurückzog und auflöste.
Ich fühlte mich schweben, spürte mich selbst nicht mehr, denn ich hatte etwas Heiliges erlebt.
Ehe ich fortging, dankte ich Gott für alles, was ich empfangen hatte.
Dann nahm ich Abschied von meinem lieben Freund, Bruder und Vater.
Unten angekommen, fragte ich die Mutter der Erscheinung – die Ehegattin des Priesters – nach der Wahrheit dieses Problems.
„Hatten Sie ein Kind“, so fragte ich sie, „das im Alter von siebzehn Monaten gestorben ist?
Einen Jungen?
Könnte das Kind, wenn es am Leben geblieben wäre, heute siebenunddreißig Jahre alt sein?“
An der Wahrheit brauchte ich nicht zu zweifeln, da sie heftig zu weinen begann.
„Ja“, sagte sie, „unser Junge ist so jung gestorben.“
Ach, dachte ich, was für ein Wunder.
Wie groß war diese Wahrheit, wie heilig war alles.
Nun hörte ich Alcar sagen: „Sage ihr, dass du mit ihrem Kind gesprochen hast, sie soll es wissen.“
Darauf fuhr ich fort: „Soeben habe ich etwas Schönes erlebt.
Ihr Kind manifestierte sich bei seinem Vater.“
Doch ich spürte, dass sie nicht wusste oder verstand, was Manifestieren war, und dass ich nicht fortfahren sollte; dies war zu tief, zu unwirklich.
Übernatürliche Dinge konnten die Menschen nicht akzeptieren, und folglich verabschiedete ich mich von ihr.
Den ganzen Vormittag hatte ich nicht den Mut, um über dieses Problem weiter nachzudenken.
Dafür musste ich ruhig sein, es hatte auch mich angegriffen.
Viele Probleme spukten mir durch den Kopf, ich sah Tiefen und Aussichten an dem noch so unbekannten menschlichen Horizont.
Ein furchtbares Etwas trübte all diese Herrlichkeit, all dieses Schöne, und das war der Tod.
Dieses Bild zerstörte alles, sodass der Mensch das ewige Leben nicht akzeptieren konnte.
Die Leute zuckten die Achseln und kehrten zu ihren alltäglichen Beschäftigungen zurück.
Der Tod vernichtete das Glück der Menschen, er brachte Leid und Schmerz und konnte doch nur ein großes Glück bedeuten.
Er legte seinen Todesschleier vor das ewige Licht und verschleierte die heilige Wahrheit – und nur, weil die Menschen das selbst wollten.
Sie liebten ihn und wollten das Licht nicht sehen.
Doch hier hatte es sich bewahrheitet, dass der Tod Leben bedeutete.
Ein Kind von siebzehn Monaten kehrte älter geworden wieder und sagte, dass es in den Sphären des Lichts, im ewigen Leben herangewachsen sei.
In einer himmlischen Schönheit lebte jenes Kind.
Ach Tod, verschwinde von der Erde und zerstöre nicht das Glück der Menschen.
Geh und leg deine Sense weg, denn du bist Liebe.
Bestrahle die Menschen mit deinem ewigen Licht, deiner Sonnenglut, und streue Blumen auf ihren Pfad und erleuchte ihre Wege, wo du früher Verderben brachtest.
Tod, wo bleibt deine Macht, dein Alter und dein Schrecken?
Du bist wie das Kind, das Kind, das die Erde verließ und als junger Mann wiederkehrte.
In euch, Menschen der Erde, liegt diese Wahrheit.
Ihr lebt im Stoff und besitzt ewige Abstimmung.
Das ewige Leben brennt in euren Seelen, der Tod schmilzt und verdampft, ja, löst sich auf und geht weiter, höher und höher, bis dass das Leben die höchsten Höhen erreicht haben wird und Gott fühlt.
Dort, wo das Kind des Priesters aufwuchs.
Lege dein schwarzes Gewand weg, es ist nur Schein.
Wir kennen die Wahrheit eines ewigen Lebens, es ist uns schließlich gerade eben gezeigt worden.
Daran ist nichts zu ändern.
Ich fühlte nun eine Zeit kommen, in der der Mensch den Tod nicht mehr kennen wollte, in der seine Existenz verblassen sollte, sich sein Wesen veränderte.
Sein Königreich der Düsterkeit würde in sich zusammensinken; es könnte nicht länger bestehen.
Der Mensch selbst würde ihn entthronen.
Lange genug hatte er das irdische Leben vergällt.
Der Mensch sollte wissen, dass es keinen Tod gab und dass nur das Leben Wirklichkeit war.
Endlich verwandelten sich Leid und Schmerz in Glück und in ein ewiges Zusammensein auf Jener Seite.
Merkwürdig waren all die Beweise dafür und wie groß war diese Weisheit.
Als wie wundersam tief, als wie mächtig erwies sich alles.
Ein Kind, das früh die Erde verlassen hatte, kehrte zurück, weil es wusste, dass sein Vater sterben würde.
Die siebzehn Monate und siebenunddreißig Jahre umschlossen ein Leben.
Für den Menschen auf der Erde lag über all diesem Großartigen ein Schleier, doch ich sah durch ihn hindurch und verstand alles.
Gottlob, dass wir dies jetzt mit denjenigen ausrufen können, die uns vorausgegangen sind, die zu uns wiederkehrten, um es uns zu sagen.
Sie rufen ganz laut: „Es gibt keinen Tod, es gibt nichts als Leben!"
Oh Gott, welch ungeheure Wahrheit und welch großes Glück gibst Du dem Menschen.
Doch sie werden diese Wahrheit nicht akzeptieren, ehe sie selbst sehen.
Sie wollen und können nicht akzeptieren und haben Angst, dass ihr eigenes Gebilde der Wissenschaft einstürzen wird.
Sie glauben lieber an jenes vortierhafte Wesen, an einen Tod, der sie ängstlich macht und Leid und Schmerz bringt, wo Glück herrschen könnte.
Sie schlafen ihren tiefen geistigen Schlaf und werden weiterschlafen.
Sie hören die sanfte, aber deutliche Stimme nicht; sie wollen sie nicht hören und ihr Seelenhäuschen ist und bleibt geschlossen.
Muss der Tod weiterhin existieren, weiterhin fortfahren, des Menschen Glück zu vergällen?
Ist es denn kein Glück, die Wahrheit bereits auf der Erde empfangen zu dürfen und ausgerechnet durch Vermittlung derer, die vor uns hinübergingen?
Öffnet doch euer Haus und empfangt das Leben.
Es kann euer Kind, eure Schwester, euer Bruder, euer Vater oder eure Mutter sein, die darum bitten, eintreten zu dürfen.
Gibt uns diese Gewissheit nicht die Kraft, alles, was Gott uns zu tragen gibt, auf unsere Schultern zu nehmen?
Gibt sie uns keine Antwort auf unsere Frage: Wo sind unsere Toten?
Leben sie?
Wie lange hat sich der Mensch das nicht gefragt?
Nun empfangen wir eine Botschaft von ihnen, von unseren Lieben.
Sagt es uns nicht, dass die Liebe uns verbindet und uns ewig so verbunden bleiben lassen wird?
Um das Haupt des Priesters lag eine Aureole aus geistiger Wahrheit, von seinem eigenen Kind gewebt.
Durch ihn lernten wir das ewige Leben kennen.
Wenn ein einziger von denen, die ihn lieb haben, diese Botschaft akzeptieren wird und wenn sich der Tod auflösen wird, lohnt das Werk die Mühe, dann ist die Wiederkehr seines Kindes belohnt.
Ich hatte in dem Priester einen großen Spiritisten kennengelernt, der sich nicht als Spiritist bezeichnete.
Er war es jedoch mit Herz und Seele, denn er war Geist und lebte.
Das ist nun der Spiritualismus.
Das ist nun das, was der Mensch Teufelswerk nennt und wovor man sich ängstigt.
Auch der Spiritualismus wurde ebenso wenig wie der Tod verstanden, doch beide bedeuteten Geist und Leben.
Durch dies alles lernte der Mensch einen heiligen Spiritualismus kennen.
Darin löste sich alles Elend auf und der Tod wurde „Leben“ und lächelte sanft wie das süße Lächeln eines Kindes.
Der Teufel, der sich hinter dem Spiritualismus verbarg, hatte sich in ein himmlisches Wesen verändert.
Der Tod ging darin über, beide waren eins, Brüder im Geiste.
Ich hätte wohl stundenlang weiter darüber nachdenken können, es schien kein Ende zu nehmen, denn das Ende dieses erstaunlichen Geschehens, dieses Problems, lag in der Ewigkeit.
Dort existierte es; das Problem war der Mensch, das Kind Gottes.
Noch hatte ich alles nicht empfangen; noch war ich der stets größeren Wahrheiten und Wunder als denen, die ich bisher empfangen hatte, unkundig.
Aber bald sollte ich auch diese erleben.
Es wurde Samstagmorgen und wie üblich ging ich zu dem Kranken.
In seinen Augen lag nun ein Glanz, den ich in den Sphären des Lichts, bei den Engeln, die dort verweilten, wahrgenommen hatte.
Diesen Glanz konnte man auch bei Kindern sehen; die Reinheit der Seele strahlte aus diesen kleinen Wesen.
Ich stand vor seinem Bett und der Priester öffnete seine Augen.
Eine Woge der Liebe durchströmte mich, zwei Augen ergründeten, zwei Augen fühlten, zwei Augen sandten Liebe zu mir und erzählten vom Dahinscheiden.
Sie schlossen sich sehr sanft, sehr langsam, und ich wusste: Sie schlossen sich für diese Erde.
Eine Erschütterung durchfuhr mich.
Würden sie sich nicht mehr für mich öffnen?
Wie hast du dich verändert, dachte ich, mein lieber Freund und Vater.
Lange wird es nun nicht mehr dauern.
Ich dachte an den Beginn, als meine Patientin zu mir kam und mein geistiger Leiter Alcar mir die Nachricht vom herannahenden Ende durchgegeben hatte.
Wie wahr war alles.
Wie lauter, und welch eine Macht lag in diesem Geschehen verborgen.
Wenn sie es wollten, wussten die Geister alles und konnten alles über den Menschen wissen.
Würden seine Lippen noch sprechen?
Würden diese lieben blauen Augen mich noch einmal ansehen?
Sollten sie sich wirklich nicht mehr öffnen?
Die wenigen Schritte von der Rückseite des Bettes, wo ich stand, zu dem Platz, wo ich stets saß, schienen mir eine Ewigkeit.
Ich fühlte es, es kam etwas in mich, das mir sagte, dass er nicht mehr sprechen oder schauen würde.
In ihm lag die ewige Ruhe und diese Ruhe ging in mich über.
Neben ihm wachte noch stets das junge himmlische Wesen, sein Kind, das man tot wähnte.
Ich sah und fühlte das Wesen und es hatte seine schönen Hände auf das Haupt seines Vaters gelegt.
Ein großes Licht bestrahlte den Priester.
In diesem Licht, das ihn umgab und in ihm war, würde er hinübergehen.
In den Sphären des Glücks und der Liebe würde er erwachen und leben.
Ich fühlte die Stille des Geistes und in diesem Zustand konnte man lediglich fühlen, das gesprochene Wort würde die Ruhe stören.
Ich betete innig, dass es nicht mehr lange dauern möge.
Wie erhaben war dieses Sterben!
In der Erscheinung lag die Geduld der Ewigkeit.
Seine reinen Hände strahlten jenes Licht aus.
Der Priester lag in einem tiefen Schlaf; der heilende Magnetismus hatte ihn in den Schlaf gewiegt.
Einige Minuten waren verstrichen, als ich bereits hörte, dass ich aufhören sollte.
Es war mein geistiger Leiter, der mir diese Nachricht gab.
Gleichzeitig hörte ich: „Nimm Abschied von ihm, Jozef.“
Geht er denn hinüber?, dachte ich.
„Das wirst du bald wissen, nun geh fort!“
Ich blickte zum letzten Mal auf ihn, der ein Freund und Vater für mich gewesen war.
„Leb wohl, braver Priester, viele werden dich vermissen.“
An der Tür blieb ich stehen.
Ob sich seine Augen noch öffneten?
Sagen diese Lippen nichts mehr, haben sie nichts mehr zu sagen?
Wie eine Marmorskulptur lag er da.
Selbst seine Atmung schien eingeschlafen zu sein.
Ich musste etwas Schönes zurücklassen, aber etwas noch Schöneres sollte ich zurückbekommen.
Doch davon wusste ich noch nichts; das alles sollte ich später erleben.
Dort lag ein Mensch, der würdig war, diesen Namen zu tragen.
Wie schön war ein Mensch dann; dann strahlte er, dann war er der kosmisch Erwachte.
Siehe, dann war der Mensch ein Kind Gottes, so wie Gott all Seine Kinder sehen wollte.
Wie herrlich wäre wohl die Welt, wenn alle Menschen so wären?
Nun spürte ich einen Drang, dass ich fortgehen müsse; Alcar schickte mich aus dem Zimmer.
Unten fragte man mich wieder, ob es noch lange dauern würde, doch ich wusste noch nichts, wünschte ihnen Kraft und Stärke und ging fort.
Dies alles erleben zu dürfen war doch wohl eine große Gnade.
Es zu fühlen war geistiges Glück, es sehen zu dürfen, war noch wunderbarer.
Der Priester war wie ein Kind, er war Vater, Seelenhirte und Freund für jeden, der seine Hilfe brauchte.
Als Kind würde er in die Sphären des Lichts eintreten, als Vater und Seelenhirte war er die treibende Kraft und der rettende Engel.
Ich sah in ihm das Symbol von Glück und wahrer Menschlichkeit.
Die Strahlen des ewigen Lebens nährten sein Tagesbewusstsein, darin hatte er gelebt.
Sonntag und Montag gingen so vorüber, ich hörte nichts mehr von ihm.
Am Montagabend sollte ich wie gewöhnlich noch einen Patienten behandeln.
Pünktlich trat der Mann ein.
Während der Behandlung erlebte ich jedoch die erstaunlichsten Dinge, wie ich sie durch meine Mediumschaft noch nicht erlebt hatte.
Ich spürte eine andere, zugleich heftige Einwirkung.
Diese Einwirkung war nicht wie üblich und ich überlegte, was das wohl zu bedeuten hätte.
Der Mann, den ich behandelte, spürte nichts davon, es war allein für mich bestimmt.
Ich konzentrierte mich auf meinen geistigen Leiter und hörte Alcar sagen: „Sieh dich um, Jozef, wer hier ist.“
Wer hier ist?, dachte ich.
„Sieh, wer gekommen ist“, hörte ich wieder.
„Sieh, wer dort neben dir steht!“
Ich stellte mich geistig ein, nahm wahr und erschrak heftig.
Sah ich recht?
Dort neben mir stand der Priester.
Er strahlte!
Mein Gott, dachte ich, was soll ich jetzt wieder erleben?
Ist das möglich?
„Sind Sie bereits gestorben?
Sehe ich denn klar?“, fragte ich.
Darauf hörte ich eine sanfte Stimme, die ich erkannte und die ich so lieb gewonnen hatte, zu mir sagen: „Siehst du mich, Jozef?“
„Ja“, sagte ich, „ich sehe Sie; ich finde es wunderbar.“
„Hörst du mich, Jozef?“
„Ich höre Sie, ja, ich höre Sie!
Sind Sie bereits gestorben?“
Dann hörte ich ihn deutlich sagen: „Nein, noch nicht.“
Oh, was für ein Problem, dachte ich.
Der Geist von Priester X stand da vor mir.
Dies war ein seltsames Geschehen, denn diejenigen, die sich sofort manifestieren können, tragen wohl einen großen innerlichen Besitz in sich.
Solche Menschen sind stark bewusst ins ewige Leben eingetreten.
„Jozef“, sagte er, „ich schwebe, ich schwebe!
Nun werde ich sterben, oh, wie wunderschön ist es hier, Jozef.
Wirst du mir helfen?“
„Natürlich werde ich Ihnen helfen.“
Ich glaubte, im Boden zu versinken.
Ich sah ihn lächeln, sein besonderes und schönes Lächeln.
Auch in jenem anderen Leben hatte er es nicht verloren.
Wie erstaunlich war alles; ich konnte keine Worte dafür finden.
Meine Gedanken schwirrten durcheinander, ich konnte mich fast nicht mehr konzentrieren.
Nun spürte ich, dass mir von Alcar geholfen wurde.
Wie schön war er!
Neben ihm sah ich ein junges und prachtvolles Wesen, das ich kannte.
Auch das noch, dachte ich, das ist sein Sohn, wie ist das möglich.
Der Priester schien bereits verjüngt zu sein und trotzdem war er noch mit seinem Stoffkleid verbunden.
Vater und Sohn waren bereits vereint.
Dieser Augenblick war unvergesslich.
Er hätte sich gern all seinen Lieben gezeigt, doch das war nicht möglich.
Hier neben mir stand der Priester mit seinem eigenen Kind.
Trotzdem musste er noch einmal zurückkehren, aber lange würde es nicht mehr dauern und er wäre frei von den irdischen Bindungen und könnte gehen, wohin er wollte.
Ein sterbender Mensch war aus seinem Körper herausgetreten.
War das nicht erstaunlich?
„Alcar“, hörte ich ihn sagen, „Alcar ist hier; ich habe ihn gesehen.
Wundervoll, Jozef.“
Noch immer stand er neben mir, er lebte mehr als je zuvor.
Ein derartiges Wunder hatte ich noch nicht erlebt.
Ich hatte viele hinübergehen sehen, doch nicht ein Einziger trug den Besitz, den er offensichtlich hatte.
Die ewige Ruhe strahlte aus ihm.
Ich spürte, dass mein Herz heftig schlug.
Er hatte sich in nichts verändert, (war) nur jünger geworden.
Der Priester sah mich an und sagte: „Die Bücher, Jozef, alles ist Wahrheit!
Wundervoll!“
Das war zu viel für mich; daran hatte ich noch nicht gedacht.
Dass man aus dem Jenseits kam und davon berichtete!
„Ich kann noch nicht viel sagen“, fuhr der Priester fort, „alles, was darin steht, ist Wahrheit, Jozef.“
Dicke Tränen des Glücks flossen über seine Wangen; es war sein Glück, dass er mir all das mitteilen konnte.
„Nun muss ich gehen“, hörte ich ihn noch sagen, „doch ich werde wiederkehren.“
Die Geisterscheinung von Priester X und die seines Sohnes lösten sich vor mir auf und ich wusste, wohin sie gingen.
Zurück zu seinem Stoffkleid, um seine letzten Stunden auf der Erde zu erleben.
Wie dankte ich Gott, dass ich so etwas Schönes und Erhabenes hatte erschauen dürfen.
Wie sollten wir alle Gott dafür danken, dass uns diese Beweise des Weiterlebens gegeben werden.
Durch Ihn empfing ich Beweise, an die ich niemals gedacht hätte, und all dies diente dazu, die Menschheit von einem Leben nach dem Tode zu überzeugen.
Dies alles geschah während der Behandlung meines Patienten, und dieser hatte weder etwas gehört noch gefühlt oder gesehen.
Alles ereignete sich, ohne dass er es wahrnahm, da er nicht „verbunden“ war.
Ob er mir glauben könnte, dachte ich, wenn ich ihm sagte, was ich gerade hatte erleben dürfen?
Der Mann würde nachdenken und nochmals nachdenken, um dann trotzdem nichts sagen zu können, da er dieses Rätsel nicht lösen konnte.
Dies alles war für ihn zu tief.
Mit drei Wesen war ich in Verbindung gewesen, ich behandelte einen Menschen, nahm ihm die Schmerzen, mit denen er gekommen war, und sprach im Geist mit Wesen, von denen eines im Sterben lag.
Was für ein Wunder der Naturkraft!
Dennoch war alles einfach, wenn man diese Kräfte kannte und sah, hörte und fühlte, wenn man sie annehmen wollte.
Wenn man das Sehvermögen besaß, um zu sehen, das Hörvermögen, um zu hören, ihre deutlichen, aber sanften Stimmen auffangen zu können, dann waren all diese Probleme keine Probleme mehr und das Wunder war kein Wunder, sondern es waren menschliche Kräfte des Geistes, dann war es die Liebe, die das Wesen besaß.
Für mich löste sich dieses Problem auf und es war ein natürliches Geschehen.
Aber wer dies nicht sehen oder fühlen kann, lacht über alles.
Wer diese Abstimmung nicht besitzt, lacht, doch er lacht über seine eigene Dummheit.
Menschen auf der Erde, sagt euch das nichts?
Stimmt es euch nicht glücklich?
Akzeptiert ihr, dass ihr ewig lebt?
Dass wir immer weiter gehen und unseren Weg fortsetzen werden, dass ihr euch von einem Planeten zum anderen evolutionär entwickeln werdet?
Fühlt ihr, dass das Leben auf der Erde bereits die Ewigkeit ist?
Dass das ewige Leben in uns liegt?
Zeigen euch diese Beweise nicht, dass diejenigen, die auf der Erde gestorben sind, in einem anderen Zustand leben?
Es liegt an uns, ob sie uns diese Beweise geben können.
Wir müssen uns öffnen, die Türen unserer Seelenwohnungen öffnen.
Dann werden wir empfangen, viel empfangen, sehr viel Schönes.
Unsere Lieben werden wiederkehren, um uns in den letzten Stunden beizustehen.
Sie geben uns Beweise, dass sie uns erwarten.
Lacht also nicht über eine Wissenschaft, die ihr weder in euch fühlt noch kennt.
Lacht nicht über eine andere Religion und verflucht keinen anderen Menschen, denn ihr verflucht eure eigene ewige Abstimmung.
Lebt ein Leben im Geist und die Schätze des Geistes werden euch zugeworfen.
Dann werden sich die Pforten der Hölle für euch nicht öffnen, denn die Sphären des Lichtes erwarten euch.
Doch der Mensch verflucht sich selbst, wenn er nur an sein Stoffleben denkt und sein Inneres, jenen ewigen Körper, an geistigem Hunger sterben lässt.
Ein geistiger Untergang ist ein in Lumpen gehüllter Eintritt in das Land des ewigen Friedens.
Tausende Jahre sind bereits vergangen und noch immer lacht der Mensch über all diese Wunder.
Noch verspottet er diese Wunder und Gelehrte fühlen sich (noch) „gelehrt“.
Hört ihr die Geister klopfen?
Sie klopfen an eure Wohnung, doch ihr wollt sie nicht hereinlassen, und trotzdem bitten sie euch, die Tür zu öffnen.
Der eine klopft sacht und der andere ganz fest.
Alle klopfen, aber der Mensch hält die Tür seiner geistigen Wohnung geschlossen.
Niemand wird hereingelassen.
Ach, Mensch, sei nicht ängstlich, sie machen nichts kaputt, sie kommen mit nichts als Liebe; sie treten sachte ein und bringen dir geistige Weisheit.
Sie bringen dir Licht, viel, sehr viel Licht, und die Grüße deiner Lieben, die vor dir hinübergegangen sind.
Doch die Leute sagen: „Ich will mit all dem nichts zu tun haben."
Sie verbarrikadieren ihre Türen und wollen darüber nicht sprechen.
Das Geklopfe langweilt sie, sie leben in einer modernen Zeit und brauchen diese Liebe nicht, da sie ihre eigene Liebe besitzen.
Doch welche?
Die Eigenliebe!
Dann fällt die Tür zu und der Geist verschwindet.
Und die wenigen, die aufgetan haben, haben es bald wieder vergessen oder sie sind enttäuscht, da die Liebe, die der Geist bringt, ihren Verstand übersteigt.
Sie wollen jenes Leben nicht; sie können diese Liebe nicht verstehen, weil sie zu teuer bezahlt werden muss und es zu viel Kampf erfordert.
Für die geistige Liebe muss man sich selbst verlieren, muss man seine ganze Persönlichkeit ablegen.
Aber die Leute bleiben taub und hart; sie wollen diese Liebe nicht fühlen und jenes Klopfen nicht hören.
Sie sind nicht zu überzeugen.
Sie sehen in diesen Geistern „Fremde“ und wollen nichts damit zu tun haben.
Aber wenn sie richtig und deutlich sehen wollen, dann steht dort vor ihnen ihre Mutter oder ihr Vater, ihre Schwester oder ihr Bruder.
Diese sind es, die wiederkehren, mit einem Herzen voller Liebe, um auch sie zu wärmen, aber solch einen Toten will man nicht kennen.
Trotzdem werden sie alle wiederkehren, immer und immer wieder, bis die Türen auf ewig offen bleiben.
Dann erst findet der Geist Ruhe und sind alle vereint.
Dann sind Kirche und Spiritualismus eins und ist der Tod „Leben“ geworden.
Sind sie nicht liebevoll, die zu uns wiederkehren?
Ist dies alles nicht der Mühe wert, einmal darüber nachzudenken?
Hier war es ein Kind, das klopfte, und Gott sei Dank, es wurde gehört.
Dies alles muss man gut mitfühlen.
Strecke deine geistigen Fühler aus und taste in jenem unsichtbaren Leben; es sind Tausende da, die dir helfen werden.
Durch Fühlen beginnst du, zu sehen, und dieses Sehen ist gleich Wissen.
Dann erst bricht ein Menschenherz und neigt der Mensch sein Haupt.
Viele ändern sich noch rechtzeitig und andere sind zu spät.
All dies könnte in ihrem düsteren Leben Nahrung sein, die das Licht bringt.
Wie wahr ist alles, dachte ich, genauso wahr, wie dass der Mensch ein Herz besitzt und weiß, dass er Mensch ist.
Aber den Menschen als wirklich lebenden Menschen kennt man nicht; ist das nicht schrecklich?
Der wirklich lebende Mensch muss dem verschlossenen sagen, dass dieser lebendig tot ist.
Die Tiefe einer Seele kann der Mensch nicht ergründen.
Das unsichtbare Leben kann er nicht akzeptieren, und dennoch lebt es in ihm, ja, er selbst ist das große Problem.
Trotzdem verflucht er, und fährt fort mit Verfluchen, alles was er nicht begreift, also auch sich selbst.
Wenn Geister zu uns wiederkehren, die das ewige Leben kennengelernt haben, sollten wir davor dann unsere Augen verschließen?
Dürfen wir ihnen zurufen: „Geht an unserer Tür vorbei?"
Können wir sie nicht einen Augenblick hereinlassen?
Sie werden uns in unbekannte Gefilde führen und uns ungekannte schöne Aussichten in strahlendem Glanz zeigen.
Sie werden von Naturpracht und Schönheit sprechen und uns über Meere lotsen, zwischen gefährlichen Klippen hindurch, und die Stürme zu umsegeln wissen.
Als mein Patient fortgegangen war, sagte Alcar zu mir, dass ich die erhaltenen Beweise festhalten sollte.
Ich erzählte einem Freund und meiner Frau, was ich erlebt hatte, und dass der Priester in dieser Nacht sterben würde.
Am nächsten Morgen, als ich mich angekleidet hatte, sah ich ihn.
Ich spazierte zum Wohnzimmer und spürte, dass ich unter Einfluss kam.
Als ich das Zimmer betrat, sah ich beim Christusbild den Geist von Priester X.
Ich erschrak und blieb stocksteif stehen.
In einem strahlenden Gewand stand er dort vor mir und sah mich mit diesem herrlichen Lächeln auf seinem Antlitz an.
Ich sank auf den Diwan nieder und fühlte, dass ich mit ihm verbunden wurde.
Da stand mein Freund, er war auf der Erde gestorben!
Dem irdischen Leben hatte er Lebewohl gesagt.
Nunmehr war er auf ewig Geist!
„Nun bin ich gestorben“, hörte ich ihn sagen, „heute Nacht.
Oh, es ist hier so wunderschön!“
Ich weinte, tief getroffen durch so viel Schönes und Heiliges, und nickte, konnte aber kein Wort sprechen, es war zu viel für mich.
„Ich bin gestorben und ich lebe“, sagte er wieder.
„Ich schwebe, Jozef!
Jozef, ich schwebte hierher“, wiederholte er.
„Niemand weiß es, nur du.
Noch nicht viel reden.“
Mit Zwischenpausen, Wort für Wort, hatte er gesprochen.
Ich sah, dass er seine Augen nach oben richtete.
Der Priester schaute in den unendlichen Kosmos; dort ging er seiner ewigen Ruhe entgegen, seinem Besitz im Leben nach dem Tod.
Er war bereits weit von der Erde entfernt.
Das Licht, das er ausstrahlte, war die Liebe, die er in sich hatte.
Nach Liebe, Licht und Glück!
„Wohin gehen Sie jetzt?“, fragte ich nach einer kurzen Weile.
„Jetzt gehe ich schön schlafen“, antwortete er, „ich bin müde.“
Nun sah ich, dass mein geistiger Leiter zu ihm sprach und der Priester sah ihn an und ging fort.
„Lebe wohl, mein Jozef“, hörte ich ihn noch sagen, „ich komme wieder“, und er löste sich vor meinen Augen auf.
Unbeschreiblich schön war dies alles.
Am selben Abend standen alle Zeitungen voll von seinem Hinübergehen.
Jeder, der ihn gekannt hatte, rühmte ihn wegen seines edlen menschlichen Gefühls.
Ein großer Priester, Vater und Freund war hinübergegangen; er war unersetzlich.
Er hatte seinen Tod im Voraus gefühlt; ich hatte noch nie ein solches Sterben erlebt.
Etwas Derartiges würde ich nicht so bald wieder erleben.
Vierzehn Tage vergingen.
Eines Nachmittags, als ich ruhig in meinem Zimmer saß, sah ich plötzlich den Priester.
Alcar machte mich darauf aufmerksam und verband mich mit ihm.
Lächelnd trat er auf mich zu.
„Nun ist alles vorbei“, sagte er, „ich bin wach, ewig wach.“
Er legte seinen Arm um meine Schulter und schwieg.
Tief in Gedanken stand er da und ich spürte, woran er dachte.
Ein Lebensfilm zog nun an mir vorbei.
Dann sah ich den Augenblick unserer Verbindung kommen und darin lagen schöne Teile, zu schön, um sie jemals zu vergessen.
Dann sah ich sein Sterben und das Eintreten in die geistige Welt.
Erhaben, mächtig und tief war alles.
Wie ein Philosoph stand er neben mir.
Im Leben hatte er diese Weisheit erlangt und nun war sie sein Besitz.
Er zeigte mir viele Zustände im Geist, wo er bereits gewesen war.
Von der Erde gelöst, lebte er in der dritten Sphäre.
Noch eine Sphäre und er würde ins Sommerland eintreten.
Danach zeigte er mir ein anderes Bild.
Es war das Bild von derjenigen, die ihn zu mir gebracht hatte.
„Danke ihr, und überbringe allen anderen meine Grüße.
Ich lebe und bin glücklich.
Auf Wiedersehen, Jozef, ich komme wieder.“
Die Zeit brach an, da ich dies alles beschreiben sollte.
Als ich die Nachricht von Alcar empfangen hatte, sah ich zusammen mit meinem geistigen Leiter den Priester.
Er war erfreut, dass er zu mir wiederkehren konnte und das alles von Jener Seite aus miterleben konnte.
Neben meinem Schreibtisch nahm er Platz, und als das geschehen war, ging er wieder fort.
Viel hatte er noch nicht zu berichten.
„Später“, sagte er, „ich muss mir erst vieles zu eigen machen, alles erst sehen!“
Eine Beschreibung seiner Sphäre konnte er nicht geben.
Er war kein Mensch der vielen Worte und musste das geistige Dasein noch kennenlernen.
Ich aber kannte die dritte Sphäre, ich war mit meinem geistigen Leiter dort gewesen und ich kannte auch das Glück, das diejenigen besitzen, die dort leben.
Alle sind Geister des Lichts und besitzen Liebe, reine Liebe.
Was soll ich dem noch hinzufügen?
Die Beweise sprechen für sich.
Allen Freunden und Familienangehörigen rufe ich von dieser Stelle aus zu: „Ihr geliebter Priester lebt und ist glücklich.
Sie werden ihn wiedersehen, denn er wird Sie nicht vergessen.
Falls dies einen einzigen von Ihnen überzeugen mag, so werden er und sein Sohn glücklich sein.
Er wartet auf Sie und dankt Ihnen für Ihre Liebe.“
Ich habe dies alles wahrheitsgemäß so durchgegeben, wie ich es erleben durfte.
 
Wer sich Meister nennt auf der Erde
Ist der Schüler im Jenseits.
Alcar