Das Hinübergehen von Priester X und seine Wiederkehr

(Auf Bitte der Hinterbliebenen lasse ich die Initialen ihres hinübergegangenen Vaters weg.)
Viele Wunder erlebte ich durch meine Gaben; doch was ich in dieser Situation mit einem meiner Patienten erlebte, war nicht nur wunderlich, sondern ich lernte dadurch, wie groß die Kräfte der Menschen sein können, wenn sie das Zeitliche segnen und ein fruchtbares Leben vollbracht haben.
Das Hinübergehen bedeutet für den einen Glück, für den anderen Traurigkeit, Leid und Schmerz und tiefe Finsternis.
Doch diejenigen, die Liebe besitzen und dem Leben aufgeschlossen sind, so wie es auf sie zukommt, sind die Glücklichen im Jenseits und sie werden Licht sehen und viel Liebe empfangen, die sie in ihrem Leben auf Erden so vielen gegeben haben.
Gott weiß, wie ihr Leben gewesen ist, und der geistigen Kraft entsprechend wird ihnen gegeben.
Eine Patientin kam zu mir mit der Bitte, um anhand eines Fotos eine Diagnose für jemand anders zu stellen.
Ich nahm das Porträt in meine Hände und nach einigen Minuten hörte ich meinen Führer Alcar sagen: „Da ist nichts mehr zu machen.
Die Krankheit ist in einem zu weit fortgeschrittenen Stadium; er wird daran sterben.
Sage ihr, dass du ihn nicht heilen kannst.
Trotzdem wirst du ihn behandeln, falls sie es wünschen.“
Ich teilte dies der Dame mit, doch meine Besucherin erwiderte: „Wie viel Mühe habe ich mir nicht gegeben, um ihn so weit zu kriegen.
Dieser Mann ist ein Priester und sein Glaube hält ihn davon ab.
Und jetzt, wo ich ihn überredet habe, können Sie ihm nicht einmal helfen?“
„Ich kann ihm helfen“, sagte ich, „doch ich werde ihn nicht heilen.“
„Das enttäuscht mich bitter“, fuhr sie fort, „wir wollen ihn so gerne behalten.
Ach, er ist ein so guter Mensch.
Es wird ihn aber auf jeden Fall erleichtern, wenn Sie ihm helfen.“
„Das auf jeden Fall“, sagte ich.
„Aber Sie dürfen seinen Familienangehörigen nichts davon sagen, sie dürfen es nicht wissen.
Doch nun etwas anderes.
Ich muss in einem Monat die Stadt verlassen.“
„Dauert es lange?“, fragte sie.
„Drei Wochen.“
„Ja, was nun?
Soll ich ihn dann doch mal zu Ihnen bringen; dann ist der Kontakt gelegt und Sie können, wenn Sie zurück sind, gleich wieder beginnen.“
„Oh, das ist mir recht“, gab ich zur Antwort.
„Ist es ernst?“
„Ja, sehr ernst.“
Einige Tage waren vergangen, als mich eines Nachmittags der Kranke aufsuchen kam.
Es war ein großer, hagerer Mann, aber eine schöne Erscheinung.
Es ging etwas von ihm aus, was ich sofort erfühlte.
Er hatte schöne blaue, kindliche Augen, strahlend vor Liebe.
Er legte sich nieder, um behandelt zu werden und er war offenbar sehr gespannt, wie dies vor sich gehen würde, da er noch niemals magnetisiert worden war.
Doch er gab sich willig hin, schloss die Augen und öffnete sich mir gänzlich.
Nach der Behandlung, die ihm gut tat, sagte er: „Sehen Sie sich einmal meine Hose und meine Jacke an, ich passe da wohl zweimal hinein, denn ich bin sehr abgemagert."
Dabei musste er über seine eigene Figur lachen.
Er hatte eine andere Nationalität und sprach gebrochen Holländisch mit einem eigenartigen Akzent, doch so gut und mit solch sympathischer Stimme, dass jedermann ihn sofort mochte, wenn man ihn sprechen hörte.
„Ganz reizend“, dachte ich, „angenehm ihn zu hören.“
„Ich bin ruhig geworden“, sagte er, „es hat mir gut getan; Sie haben viel Kraft.“
Nun hatte ich von einer meiner Patientinnen ein Christusbild bekommen, das sie selbst für mich angefertigt hatte. Darauf blickte er und fragte: „Sie sind gläubig?“
„Ja“, antwortete ich, „ich bin sehr gläubig.“
„Ein schönes Bild.
Ein großer Künstler, der es schuf, prächtig.“
In jenem Wort „prächtig“ – so wie er es aussprach – lag seine ganze Persönlichkeit.
„Großartig“, sagte er wieder, „sehr gefühlvoll."
Darauf ging er fort.
Als er zum zweiten Mal wiederkam, galt sein erster Blick dem Christus; das Bild des vollkommenen Kindes Gottes interessierte ihn besonders.
Ich konnte das verstehen, denn er war schließlich ein Priester.
„Es hat mir gut getan“, so begann er, „sehr gut.
Ich bin froh, dass ich mich entschlossen habe, mich von Ihnen behandeln zu lassen.
Wissen Sie, dass ich ein Priester bin?“
„Ich habe so etwas bereits vernommen.“
„Ach“, lächelte er, „von ihr.“
„Ja“, sagte ich, „sie hat es mir erzählt.“
„Welch ein prachtvolles Lächeln“, dachte ich, „damit stiehlt er sich in die Herzen aller."
Wer ihn lächeln sah, der spürte einen Strom der Liebe durch sich hindurchgehen.
„Ich habe mich noch nie diesen Dingen hingegeben, aber Ihnen vertraue ich vollkommen!“
Ich dankte ihm für dieses Kompliment und ging zur Behandlung über.
Während der Behandlung spürte ich, dass er seinen Blick auf das Christusbild gerichtet hielt und dass ich tief in ihn vordringen konnte.
Auf diese Weise einem Menschen helfen dürfen, ist ein herrliches und großes Glück.
Meine Ausstrahlung und meine magnetischen Kräfte sog er in sich auf, und das würde ihn erleichtern.
Gleichzeitig spürte ich, dass ich innig mit ihm verbunden wurde.
Solche Menschen sah ich nicht jeden Tag.
Sich gänzlich öffnen, das können nur wenige Menschen.
Es tat mir Leid, dass ich seinen Zustand nicht ändern konnte, doch es bedurfte anderer, höherer Kräfte, um ihn gesund machen zu können.
Was mein Führer mir durchgegeben hatte, darauf konnte ich vertrauen, doch es war schon eine große Enttäuschung.
Indessen hatte auch diese Behandlung ihm gut getan.
„Sie haben mir richtig geholfen“, sagte er.
„Ich kann nichts anderes als mein Bestes tun und wir wollen hoffen, dass es Ihnen weiterhin gut tut.
Wir werden abwarten müssen.“
Ich ergründete ihn, um zu fühlen, wie er über seinen Zustand dachte, doch er war ruhig.
„Ja“, sagte er und blickte unterdessen auf den Christus, „wir sind alle nur Menschen."
Ich verstand jenen Blick: Wir sollten wie Er werden.
Er schlug seine schönen blauen Augen nieder und sprach: „Der Sohn des Menschen."
Ich spürte, dass von ihm eine große Liebe zu Christus ausging.
Einen Augenblick stand er da, in tiefes Nachdenken versunken.
Dann sah er mich an. Zwei Sonnen strahlten mir entgegen, und ich spürte, wie die Wärme, die er innerlich trug, in mich strömte.
„Ein schöner Augenblick“, dachte ich, „er gibt sich gänzlich hin.“
Er war einer Sonne gleich, und sein ganzes Wesen strahlte Liebe aus.
Kein Wunder, dass man ihn noch gerne behalten wollte; man konnte ihn nicht missen.
„Ich habe in meinem Leben viel durchgemacht“, sagte er.
Ich fühlte, was er meinte:
Er ging von seinem eigenen Leben über in das, womit er nunmehr verbunden war.
„Ich habe mit diesen Dingen nie zu tun gehabt, weiß aber dennoch viel darüber.
Nun muss ich aber nach Hause gehen“ – und er ging.
Nach der dritten Behandlung waren wir bereits gute Freunde geworden.
Wir verstanden einander und allmählich begann er Fragen zu stellen.
All seine Fragen bezogen sich auf das eigene Leben und das Gebiet der Religion.
Das Elend der Welt ging ihm besonders zu Herzen, denn es wäre nicht nötig, sagte er, dass so viele Menschen leiden müssen.
Er fühlte all dieses Elend, und das machte ihn traurig.
Doch ich begriff zugleich, dass er Berge würde versetzen können.
In diesem Priester lagen ein fester Glaube und das Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit.
Wenn er von seinem eigenen Leben und all dem Elend der Menschen erzählte, traten ihm die Tränen in die Augen, und auch lag in seiner Stimme ein großes Maß an Liebe.
Ich fragte ihn, ob er meine medial empfangenen Gemälde einmal sehen wolle.
„Gerne“, sagte er, „aber dann müssen Sie sie mir erklären; ich möchte wissen, was sie bedeuten.“
Ich sagte ihm, dass ich weder malen noch zeichnen könne, sondern dass ich sie in Trance empfangen habe.
Er lächelte nur und schwieg.
Doch in seinem schönen Lächeln lag seine Bewunderung für dieses Geschehen.
In Gedanken vertieft stand er da und betrachtete geraume Zeit meine Bilder.
„Wunderbar“, sagte er, „aber beängstigend.“
„Beängstigend“, setzte ich das Gespräch fort, „warum beängstigend?
Ist es nicht herrlich, so etwas Schönes empfangen zu dürfen?
Die Geister kommen in guter Absicht zu mir.
Man kann doch an all den Gemälden nichts Unrechtes erkennen?
Alles bedeutet Liebe und Glauben, den Glauben an ein ewiges Fortleben.
Was ich empfangen habe ist Liebe.“
Er lächelte fortwährend.
Von einem Gemälde ging er zum anderen.
Lange dachte er über alles nach, als wollte er selbst dieses Rätsel lösen.
Dann blickte er wieder auf den Christus, als trachtete er von Ihm die Wahrheit zu empfangen.
Ich ließ ihn gewähren, ich hatte Respekt vor seiner Persönlichkeit.
Ich wollte mich ihm auf keinen Fall aufdrängen.
Nachdem er alles gesehen hatte, sagte er: „Ich gehe, später werden wir darüber reden, später."
Er drückte mir zum Abschied herzlich beide Hände und ging fort.
Ein anderes Mal fragte er mich völlig unerwartet: „Glauben Sie an Maria?“
„An Maria“, dachte ich, „was bedeutet diese Frage?“
Und ich sagte, nachdem ich innerlich gefühlt hatte, was er damit meinte: „Aber natürlich glaube ich an Maria.
Ich glaube an alle Heiligen.
Es war doch mein Glaube!“
„Jetzt denn nicht mehr?“
Ich ergründete ihn abermals, merkte was er damit sagen wollte und sagte ihm: „Das will ich Ihnen erklären.“
Der Priester blickte auf den Christus, als ob er spürte, womit ich anfangen würde.
„Ich habe eine andere Religion erhalten, und zwar durch die Geister, also durch diejenigen, die vor uns hinübergegangen sind.
Dieser Glaube ist tiefer als der, den ich früher kannte und besaß.
Doch lassen Sie mich Ihnen zuvor sagen, dass ich die Geister nicht rufe, denn sie lassen sich nicht rufen.
Ich glaubte an alle Heiligen, und warum sollte ich gerade jetzt, wo ich das alles weiß, nicht mehr an sie glauben?
All die Heiligen, die Sie kennen, haben jetzt eine andere und viel größere Bedeutung für mich als früher.
Nun beginne ich ihr Leben auf Erden zu begreifen, und die Mission, die sie vollbrachten.
Ja, ich fühle wie rein ihr Leben gewesen ist.
Das vermochte ich früher nicht, und dies haben mir die Geister klargemacht.
Diejenigen, die auf Erden gestorben sind und zu uns wiederkehrten, kennen all die Heiligen und sie wissen, wie wir leben müssen, um uns jene Heiligkeit anzueignen.
Sie sagen, dass wir das Leben lieben sollen und dass wir nach dem irdischen Tode, wenn wir ein gutes Leben geführt haben, glücklich sein werden und alle Heiligen wieder sehen werden.“
Er nickte zustimmend, dass dem so sei.
„Die Lektionen, die ich aus dem Geiste erhalte, behandeln stets die Fragen, welche die Menschheit am meisten beschäftigen. Das sind der Glaube und die Liebe.
Sie weisen mich darauf hin, wie ich leben muss, will ich im Leben nach dem Tode Glück und Licht besitzen.
Jenes Leben finde ich in der Natur, darin lerne ich Gottes Leben kennen.
Die Natur ist Gott, so sagen sie.
Ihre Lehre ist tief und voller Wahrheit.
Sie erzählen mir von ihrem Leben, und ich habe mehrmals ihr Leben sehen dürfen, durch Austreten aus meinem Körper.
Ich habe gesehen, wie fromm und heilig ihr Leben ist.
Sie sagen – wie ich bereits bemerkte –, dass wir alles Leben lieben sollen, weil es von Gott erschaffen wurde.
Und diejenigen, die so etwas sagen, können doch keine Teufel sein?
Die Leute können dies nicht glauben, obwohl es die Wahrheit ist.
Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass wenn ich geistige Nahrung erhielte, die mich zurückfallen ließe, ich mit diesen Geistern nichts zu tun haben wollte.
Aber alles ist noch stets rein und lauter gewesen, und es wird auch wohl so bleiben.
Nur Liebe ist es, was ich durch sie empfing, und das ist nun mein Glaube geworden.
Sie sagen selbst, dass Sie viel darüber wissen, dann können Sie sich doch wohl in meine Lage versetzen?
Sie weisen mich auf Ihn hin, der dort hinter Ihnen steht, auf jene große Gestalt, auf Christus.
Seinem Beispiel, so sagen sie, sollen alle Menschen folgen.
Er ist für uns gestorben; Seine Liebe werden wir empfangen, wenn wir dem Weg folgen, den die Geister uns weisen.
Sie leben hinter dem Schleier, und jener Schleier wird für mich gelüftet.
Ist es nicht herrlich, um von der Erde aus in ihr schönes und reines Leben blicken zu dürfen?
So etwas zu empfangen ist eine große Gnade, und ich bin dafür sehr dankbar.
Hohen Geistern als Instrument dienen dürfen ist eine große und herrliche Aufgabe, und diese Aufgabe gut zu vollbringen ist sehr schwierig.
Mein Leben hat sich verändert, nachdem ich mit ihnen in Kontakt gekommen bin.
Sie sagen, dass alle Religionen eins sind und dass alle Recht haben.
Doch die Verbindung, die ich nun besitze, dieser Glaube, ist tiefer als alles andere.
Durch die Geister habe ich geistige Gesetze kennengelernt, und das kann mir keine andere Religion geben, denn ich bin mit jenen Gesetzen in Verbindung; sie selbst sind das Gesetz.
Sie zeigen und haben mir erklärt, wie ihr Leben auf Erden war und nun geworden ist.
Sie sind glücklich, und das werden sie ewig bleiben.“
„Glauben Sie wirklich“, fragte er unerwartet, „dass wir fortleben und dass es so sein wird, wie sie es sagen?“
„Aber natürlich.
Ich sagte Ihnen doch, dass ich sie sehe und ihr Leben kenne.
Ich bin mehrmals dort gewesen und ich versichere Ihnen, dass sich der Mensch nicht verändert haben wird, wenn er in jenes Leben eingeht.
Wir bleiben so, wie wir jetzt fühlen.
Es ändert sich nichts.“
Wiederum lächelte er, sagte aber nichts.
„Können Sie das nicht annehmen?“
„Nein“, sagte er offenherzig, „zu unglaublich für mich, zu schön, um wahr zu sein.“
„Sie glauben an ein ewiges Fortleben und trotzdem denken Sie, dass alles anders ist?“
„Ich weiß nicht, werde aber abwarten.“
„Und doch ist alles die Wahrheit.“
„Sie sind auch ein Priester“, sagte er zu mir.
„Menschen“, fuhr ich fort, „die auf dem geistigen Wege sind und anderen davon erzählen, sind alle Priester.“
Er sah mich an und sagte: „Sehr gut, sehr deutlich.“
Nachdem er fortgegangen war, sagte Alcar zu mir: „Ein Mensch im wahrsten Sinne des Wortes.
Es gibt nur wenige Priester wie ihn.
Auf Erden kann man diese Menschen zählen.
Lange braucht er nicht mehr auf Erden zu sein, bald wird er unser Leben sehen.
Sein Gefühl findet Abstimmung im Geiste.“
„Herrlich“, dachte ich, „dass Alcar so über ihn sprach."
Dann hörte ich meinen Führer noch sagen: „Du lernst ihn noch besser kennen.“
Eines Nachmittags, als ich ihn behandelt hatte, fragte er mich: „Was geben Sie mir doch?
Ich fühle mich jedes Mal so erfrischt und munter, wenn Sie mich behandelt haben.
Und was tun Sie, wenn Sie Ihre Hände so still auf meinen Körper legen, da, wo ich Schmerzen habe?“
„Was ich tue?
Das will ich Ihnen sagen:
Wenn ich meine Augen schließe, bete ich, und bitte ich Gott um Kraft, damit ich Ihnen helfen und Ihre Schmerzen lindern kann.
Ohne seine Hilfe und Kraft kann ich nichts erreichen.
Wenn ich gebetet habe, stelle ich mich auf Ihren Zustand ein, und dann fühle ich in meinem eigenen Körper, wo Sie Schmerzen haben.
Danach konzentriere ich mich auf meinen Führer, der mir sagen wird, was ich tun soll, und wonach ich dann handle.
Das hängt alles mit Ihrer Krankheit zusammen, denn Alcar ist es, der das Leid und den Schmerz der Menschen in Glück verwandeln will.
Nicht allein körperlich, sondern vor allem geistig.
Ich fühle und sehe ihn an meiner Seite, ja, ich höre, wie er zu mir spricht.
Er sieht durch allen Stoff hindurch und und mein Wissen ist das seine.
Ich bin und kann nichts ohne ihn und ihm ich gebe mich mit Leib und Seele hin.
Wenn er mir sagt, dass ich aufhören soll, dann weiß ich, dass ich Sie ausreichend behandelt habe.
Ich kann ihm in allem vertrauen und auf ihn rechnen.
Er ist für mich ein Meister und ein Vater, durch ihn sehe ich, durch ihn habe ich das Leben kennengelernt und schwierige geistige Probleme wird er für mich lösen.
Durch ihn lernte ich Gottes heilige Liebe schätzen, soweit diese zu schätzen in meiner Macht steht. Denn ich bin schließlich nur ein Mensch?
In seinen liebevollen Händen fühlen sich die Menschen sicher, ihm können sie sich gänzlich ergeben.
Mein Führer, ehrwürdiger Priester, ist ein Geist der Liebe, und als solchen werden ihn die Menschen, die mit mir in Kontakt kommen, kennen lernen.
Wer sich in Alcars Hände ergibt, der fühlt sich niemals betrogen.“
Er sah mich verwundert an und fragte: „Wie kommen Sie an diesen Namen?
Wer hat Ihnen den genannt?“
„Er selbst.
Ich sagte Ihnen doch, dass ich die Geister sehen kann und dass ich höre, wie sie sprechen?
Er selbst nannte mir seinen geistigen Namen.
Als mein Führer noch auf Erden lebte, trug er einen anderen Namen.
Ich sehe seine schöne Gestalt, er strahlt reines und pures Licht aus, und seine Lehre ist wie die von Ihm."
Ich wies auf den Christus.
„Alles ist Liebe.“
„Wunderbar“, sagte er.
„Es tut mir gut und gibt mir Halt.
Wenn es nur so bleibt“, fügte er hinzu.
„Dafür werde ich sorgen.
Es ist eine große Gnade und ich will nicht undankbar sein.
Meine Gaben sind mir heilig; ich lebe dafür und habe bereits in meinem Gefühl von der Erde Abschied genommen.
Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich das Leben nach dem Tode besser kenne als mein irdisches Leben.“
„Sie besitzen viele Kräfte.“
„Ja, die besitze ich.
Nochmals, ich bin dafür dankbar.
Ich bin ein hellsehendes und hellhörendes, malendes, heilendes und schreibendes Medium, doch austreten zu dürfen, das ist wohl die schönste von allen Gaben.
Dort verweilen zu dürfen und ihr Leben zu sehen, oh, das ist so herrlich!
Das ist ein großes Gottesgeschenk, wie es nur wenige Menschen empfangen.
Für die Menschen, die diese Kräfte nicht kennen, sind es keine Wunder und hat alles auch keinen Wert, weil sie die Wahrheit nicht annehmen und das Gefühl dafür nicht besitzen.“
„Dieses Austreten, wie Sie es nennen, ist das das Schönste?“
„Ja, das Schönste und das Größte von allem.
Denn indem ich den Menschen davon berichte, werden sie anders leben und werden Krieg und Totschlag nicht mehr existieren.“
„Sie sind ein Prophet.“
„Nein, Hochwürden, das bin ich nicht, ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch wie alle Menschen, doch was ich Ihnen sage, ist die Wahrheit.
Ist es nicht herrlich, um den Menschen von einem ewigen Fortleben zu berichten, so, wie du es selbst erlebt hast?
Sie können sich daran festklammern, denn sie brauchen einen Halt.“
„Sie könnten viel darüber berichten“, sagte er.
„Das habe ich bereits getan, und wenn Sie meinen Führer und mein Leben und das von denen im Jenseits kennen lernen wollen, dann können Sie den ersten Band meines Buches mitnehmen, ich habe sie hier im Schrank stehen.
Darin erhalten Sie ein wahrhaftiges Bild vom Leben nach dem Tode.“
Er ging jedoch nicht darauf ein und fragte: „Wie alt sind Sie?“
„Ich bin achtunddreißig Jahre alt.“
„Wunderbar, dann können Sie noch viel für die Menschen tun.
Ich habe es mein Leben lang nicht anders getan und ich bedauere es noch stets nicht, im Gegenteil, es machte mich immer glücklich.
Aber“, sagte er, als fielen ihm meine Worte wieder ein, „sehen Sie die Geister so, wie Sie selbst sind?“
„Ja, ich sagte Ihnen bereits, dass ich sie sehe, höre und fühle.
Sie sind so wie wir, doch weiter auf dem geistigen Weg, zumindest diejenigen, die Licht besitzen.
Es existiert immer noch so etwas wie eine Hölle und diejenigen, die darin leben, werden einen langen Weg zurückzulegen haben und sich selbst Stück für Stück niederreißen müssen.
Und dieses Niederreißen ist nicht so einfach, davon haben die Leute keine Vorstellung.
Wir Menschen fühlen uns im Allgemeinen noch zu viel.
Ich habe die Hölle und den Himmel gesehen, nein, verschiedene Höllen und Himmel im Jenseits, aber Feuer gibt es dort nicht.
Dort brennt das Feuer der Leidenschaft und Gewalt in ihren Seelen, ich meine von denjenigen, die in Finsternis leben.
Darüber berichte ich in meinen Büchern.“
Gleichzeitig ging ich zum Bücherschrank und holte den ersten Band von „Ein Blick ins Jenseits“ heraus und sagte zu ihm: „Sehen Sie, dies ist mein erstes schriftstellerisches Werk und auch der zweite Band ist bereits erschienen.
Es ist nicht literarisch oder wissenschaftlich, doch was darin steht, ist die heilige Wahrheit.
Sie werden es wunderlich finden und sich fragen, ob alles wohl so sein wird, wenn wir demnächst in jenes Leben eingehen.
Ich aber habe all das erleben dürfen.
Hierin werden Sie meinen Führer und auch viele andere Geister kennen lernen.
Dann werden Sie staunen, wenn Sie darin lesen, wie großartig das Leben nach dem Tode ist, dass es keine Wunder mehr gibt und dass alle Probleme aufhören zu existieren, wenn der Mensch jene Wunder und Probleme kennen lernt.
Es ist keine romantische Anschauung oder Erdichtung, es ist Wirklichkeit.“
Ich gab ihm das Buch. Er nahm es in seine wohlgeformten Hände und fragte: „Darf ich es mitnehmen?“
„Oh, nehmen Sie es ruhig mit, ich habe genug davon, und wenn Sie es durchgelesen haben, können Sie, wenn Sie wollen, das zweite auch lesen."
Herzlich nahm er darauf Abschied.
Als meine Patientin mich später besuchen kam, sagte sie: „Wissen Sie, dass er Sie sehr lieb hat?
Er nennt Sie André und Jozef und sagt, dass André im Universum schwebt und von dorther seine Weisheit holt und mit den Geistern spricht.
Wie um Himmels willen kommt er bloß auf all diese Dinge?
Haben Sie mit ihm gesprochen und über Ihre Erfahrungen berichtet?“
„Ich habe sogar sehr viel mit ihm gesprochen. Aber hat er Ihnen denn nicht erzählt, dass ich ihm den ersten Band meines Buches mitgegeben habe?"
– Das war für mich nämlich ein Beweis, dass er bereits darin gelesen hatte, da ich wusste, wo die Passage stand, die vom Universum handelte.
„Er macht Fortschritte“, sagte sie ganz glücklich, „finden Sie nicht?
Wir alle sehen es.
Er ist so fröhlich in den letzten Tagen und er lobt Sie, weil es ihm so gut geht.
Er fühlt sich unbestreitbar besser in letzter Zeit.
Also muss er doch Fortschritte machen.“
Ich ließ sie aussprechen, spürte jedoch worauf sie hinaus wollte, und als ich darauf nicht einging, fragte sie: „Warum sagen Sie nichts?
Er macht doch Fortschritte?“
Doch ich antwortete nicht direkt und sagte: „Lassen Sie uns dankbar sein für das, was wir erreicht haben und lieber nicht vorgreifen.“
„Aber wir sehen es doch?“
Ich sagte ihr: „Was wir erreichen ist Gewinn.“
„Gewinn, sagen Sie, bah wie übel.“
„Gar nicht übel“, wiederholte ich, „da ist nun mal nichts zu machen.
Lassen Sie uns froh sein, dass es ihm gut geht und abwarten.“
„Wir können diesen lieben Schatz noch nicht missen“, sagte sie.
„Trotzdem ist da nichts mehr zu machen.“
Traurig ging sie fort.
Ja, es war schade, dass er sterben würde.
Diesen Priester konnte man nicht missen, denn er war sehr beliebt, aber wenn er sich gut fühlte, durfte er bereits glücklich sein.
Sie wollte ihn gerne behalten, doch ihr Priester und Vater sollte hinübergehen.
Wenn ich sie enttäuschte, so konnte ich nichts daran ändern, denn was mein Führer sagte, darauf konnte ich vertrauen.
Ich war schon neugierig, was der Priester zu meinem Buch sagen würde, denn er erwies sich als großzügiger Denker.
Ich war denn auch nicht verwundert, als er wieder zu mir kam und um den zweiten Band bat.
„Später werden wir reden“, sagte er, „und dann werde ich Ihnen viele Fragen stellen, doch erst will ich alles lesen.“
Nach der Behandlung erfolgte kein Gespräch und nahm ich für drei Wochen Abschied, da der Zeitpunkt gekommen war, dass ich die Stadt verlassen sollte.
Er fühlte sich herrlich, hatte keine Schmerzen und würde, wenn ich zurück war, wieder zu mir kommen.
Er wünschte mir eine gute Reise und viel Glück.
Er sagte noch: „Ich werde mich ruhig verhalten und lesen."
Der Priester ging fort.
Meine Patientin, die mich noch besuchen sollte, sagte: „Gestern Abend war ich bei ihm, es war Abendmesse.
Nach der Messe sagte er plötzlich zu mir: „Jozef weiß, an welcher Krankheit ich leide, er und du, ihr beide wisst es, alle anderen nicht.’
Ich glaubte in den Boden zu versinken.
Wie kommt er nur so plötzlich darauf?
Ich habe niemandem etwas davon erzählt.
Sollte er wissen, dass es ernst ist?
Ist es nun wirklich so, hat er diese Krankheit?
Ist dieses Leiden nicht zu heilen?
Ich verstehe nicht, wie er auf einmal darauf kommt“, wiederholte sie nochmals.
„Können Sie das erklären?“
Nein, ich konnte es nicht und sagte, dass ich es nicht wüsste.
„Ich hoffe nur“, fuhr sie fort, „dass es mit ihm nicht bergab geht, wenn Sie weg sind.“
Sie ging fort und ich machte mich bereit, um aufzubrechen.
Alcar sagte mir: „Er fühlt, dass sein Ende naht.“
Darauf reiste ich ab.
Doch aus großer Entfernung von ihm fühlte ich, wie es dem Priester ging.
Gleichzeitig sagte mir Alcar, dass es mit ihm bergab gegangen sei.
Als ich von meiner Reise zurückkehrte, ließ man mich sofort rufen.
Er lag bereits einige Tage zu Bett.
„Da hast du’s schon“, dachte ich,
„sein Ende naht,
wenn es jetzt nur nicht so lange dauert.“
Diese Krankheit konnte schleppend sein.
All seine Freunde und Lieben bedauerten es und meinten, dass wenn ich die Behandlung nicht zeitlich eingestellt hätte, es nicht so weit gekommen wäre.
Doch ich wusste es besser.
Eines Mittwochmorgens besuchte ich ihn.
Als ich in sein Zimmer kam, strahlte er vor Glück und war erfreut mich wieder zu sehen.
Er fasste meine beiden Hände, sah mich an und sagte: „Mein Jozef!
Wie habe ich mich nach dir gesehnt.“
Ich spürte seine große Liebe zu mir, was mich sehr glücklich machte, und es war als wollte er mich nicht mehr loslassen.
„Gott sei Dank, dass du da bist.
Bücher durchgelesen, Jozef!“
Ich bebte; was würde er mir sagen?
„Wunderbar!
Wunderbar!“
Er schloss seine Augen, kein Wort kam mehr über seine Lippen.
Er lag still danieder und dachte offenbar nach.
Ich fühlte in diesem Augenblick die Stille des Geistes, die von ihm in mich kam, und auch ich wurde still.
Dicht neben seinem Bett nahm ich Platz und beide waren wir in Gedanken vertieft.
Ich dachte an seine große Freundschaft und Liebe, die er für mich empfand.
Gerne nahm ich seine reine Liebe an und war sehr dankbar dafür.
Wie kurz kannte ich diesen Menschen, und dennoch war es, als ob viele Jahre vorübergegangen wären.
Ich betete für ihn und ging zur Behandlung über.
Neben mir sah ich meinen lieben Führer, den Geist der Liebe, der mich mit dem Kranken verbunden hatte.
Nunmehr waren wir eins und ich wartete ab, was mein Führer zu sagen hätte, da ich sah, dass er den Kranken untersuchte.
Lange brauchte ich nicht zu warten, und als ich mit Alcar Verbindung bekam, hörte ich ihn sagen: „Hier ist keine Hilfe möglich, er wird bald hinübergehen.
Ich werde es dir beweisen, warte nur geduldig ab.“
Ich zitterte.
Was nun?
Ich bat Gott, dass er dieses Leben ohne Schmerzen verlassen möge.
Mehr wagte ich nicht zu erbitten, man konnte ihm nichts mehr geben.
Licht würde er im Leben nach dem Tode besitzen, und Licht bedeutet Glück.
Der Mann, dessen Hände ich drückte, hatte ein reines Leben vollbracht und war bereit zu sterben.
Die Augen noch stets geschlossen und die Hände gefaltet, sagte er nach einer langen Stille: „Wunderbar, Jozef, schön für die Menschen, doch wenige werden es glauben.
Das alles ist schwer, sehr schwer anzunehmen.
Große Liebe, Alcar.“
Stockend, Wort für Wort, sprach er, aber ich fing es auf.
„Gottlob“, dachte ich, „er hat mein Werk begriffen."
Es waren nur wenige Worte, die er gesprochen hatte, doch es tat mir gut, sie aus seinem Munde zu vernehmen.
Es stimmte mich glücklich.
Ja, das konnten nur wenige Menschen annehmen.
Ich hörte so oft, dass ich zu einfach sei, nicht literarisch, nicht suggestiv genug, sodass man alles, was ich vom Leben nach dem Tode berichtete, nicht würdigen konnte.
Sie fanden es zu süß!
Aber einst würden sie alle süß werden, wie Honig so süß.
Wenn diese Leute dem größten und letzten Problem gegenübergestellt würden, wenn es ihnen wie Schuppen von den Augen fiele, wenn sie hinter den Schleier blicken dürften, wenn sie nackt vor Gottes heiligem Thron stünden, dann würde alles nicht zu süß und zu einfach sein und würden sie viel, sehr viel von jener Einfachheit besitzen wollen.
Dort erst sahen sie sich selbst, erst dann würden sie all das schätzen.
Aber für diese Leute schrieb ich auch nicht.
Diese waren nicht zu erreichen.
Derjenige, der dort auf seinem Sterbebett lag, er, der Priester, fühlte die Wärme und die geistige Kraft, die aus allem strahlte, und vor allem Alcars große Liebe.
Mehr hatte ich nicht erwarten können.
Auch von denen, die sich in Leid und Schmerz befanden, die allein zurückgeblieben waren und der höchsten Klasse der Gesellschaft angehörten, hatte ich Briefe erhalten, die besagten, dass sie sehr, sehr glücklich seien.
In den Stunden des Abschieds hatte Alcar sie mit seiner großen Liebe unterstützt.
Sie wussten nun, dass sie ihre Lieben wieder sehen würden.
Sie hatten das Großartige geschehen sehen; am Sterbebett ihrer Lieben hatten auch sie etwas wahrgenommen.
Der Sterbende selbst hatte es ausgerufen.
Für sie alle waren meine Bücher eine geistige Stütze geworden, die Kraft, um das Leben nun alleine fortsetzen zu können.
Durch dasjenige, was Alcar sagte, hatten sie das Kreuz auf die Schultern genommen, welches Gott ihnen zu tragen gegeben hatte.
Erst wenn sich die Menschen in Leid und Schmerz befanden, waren sie zu erreichen und gaben sie sich willig hin.
Dann konnte ihnen keine irdische Gelehrtheit helfen; dann verlangten sie nach geistiger Wärme, nach einem gleichen Gefühl und nach Liebe.
Dann fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen und lauschten sie jener sanften, aber deutlichen Stimme und fanden sie sich selbst.
Doch die anderen brauchten keine geistige Nahrung, sie standen und wollten mit beiden Füßen auf der Erde stehen bleiben, wie sie selbst sagten.
Sie waren abgeschweift; das Leben auf Erden hatte auch sie aufgesaugt.
Sie warfen meine Bücher in den Ofen und schürten das Feuer noch einmal ordentlich an, innerlich verzehrte sie jedoch Kälte und geistige Armut.
Sie dachten nicht daran, dass auch ihre Zeit bald kommen könnte.
Wenn ich allein für ihn hätte schreiben dürfen, dann noch würde ich es ganz gewiss getan haben, aber glücklicherweise gab es noch viele andere.
Es tat mir jedoch gut, dass der Priester mich so richtig verstand.
Nicht dass ich es nötig hatte, ich kümmerte mich um niemanden, denn ich sah das Leben, worüber ich schrieb, ich trat aus meinem Stoffkörper und durfte es erleben.
Alles war Wahrheit, jeder sollte es einst sehen, wenn sie in jenes Leben eingehen würden.
Aber viele Menschen lebten materialistisch und lachten über alles, auch über ihre eigene Dummheit.
Diese großen und erwachsenen Leute waren wie kleine Kinder.
Aber Kinder können mehr fühlen als große und gelehrte Leute.
Diejenigen, die sich in das Leben nach dem Tode vertieften und danach lebten, waren die Glücklichen im Jenseits.
Die anderen würden viele Jahre benötigen, ehe sie Licht sehen würden, weil ihr Gefühl getrübt war.
Das geistige Leben ist schwer zu erreichen.
Aber wenn man es fühlt, dann bringt es Glück und ewige Wahrheit, ein großes und festes Vertrauen und den Besitz eines geheiligten Lebens.
Es bringt Liebe, reine und pure Liebe.
Dieser Mensch fühlte es.
„Jozef“, sprach der Priester plötzlich, „ich werde schweben, weit weg von der Erde.“
Ich erschrak.
Gerade über das, woran ich dachte, begann er zu sprechen.
Es war, als hätte ihm jemand anders die Kraft gegeben, um es mir zu sagen.
Dabei kamen ihm die Tränen in die Augen.
Der Erzpriester war wie ein Kind, und auch ich fühlte mich so.
Wir waren zwei erwachsene Menschen und dennoch Kinder im Geiste.
Wir hatten ein und denselben Gott und waren ineinander übergegangen.
Wir fühlten ein Leben, eine Liebe, er als Priester, ich als Instrument.
Beide dienten wir einem Gott, wollten einem Gott dienen, wir hatten einen Vater und kannten eine Wahrheit.
Er hatte sich jene Wahrheit und Weisheit durch Studieren anzueignen gewusst, und indem er das Leben so lebte, wie Gott es vom Menschen verlangte.
Dadurch war er entwickelt.
Ich bekam es direkt aus dem Jenseits und war mit dem ewigen Leben verbunden worden.
Ich durfte sein Studium durchschauen, und dadurch kannte ich gleichzeitig seine Theologie und das Leben hinter dem Schleier.
All jenes Große ging mir durch den Kopf; durch meinen geistigen Führer Alcar wurde ich in den Kosmos aufgenommen.
Ich wusste nun, dass ich ein Teilchen jenes mächtigen, jenes großen und heiligen Lebens war.
Dennoch hatte ich nicht studiert und kam von einem Bauerndorf, hatte aber ein Wissen und einen Glauben empfangen, so rein wie Kristall.
Das lag einfach in der Natur und man konnte es nicht lernen, man musste es fühlen.
Der Priester fühlte es; er war sanft, sanft wie das Leben selbst und war jenem mächtigen Leben aufgeschlossen.
Das Leben lag in seinen schönen Augen, in seiner Stimme, es brachte die zarten Gefühle von Seele und Herz zum Ausdruck, und daran erkannte man seine Persönlichkeit.
Das Kindliche, das Reine durchströmte sein ganzes Wesen.
Als Kind würde er bald in die Sphären eingehen und jene Himmel betreten, wo ihn eine ungeahnte Schönheit erwartete.
Dieser Priester hatte die Menschen mit all ihren Fehlern und Sünden lieb.
Er kannte die Leidenschaften und verstand, weil er verstehen wollte.
Er wollte keine Fehler sehen und gab, gab stets mit vollen Händen.
Nimmer waren diese Hände geschlossen gewesen, und wer an seine Seelenwohnung klopfte, wurde eingelassen.
Sein Seelentürchen knarrte in seinen Angeln, die Scharniere waren gerissen, die Türpfosten zertrümmert und er reparierte sie nicht, weil er wusste, dass sie erneut zertrümmert würden.
Er ließ die Tür offen stehen und jeder, Jung und Alt, Arm und Reich, konnte eintreten.
Er ließ dies zu, weil er lieb hatte und viel Liebe besaß; sonst wäre es schließlich nicht möglich, ihnen zu helfen.
Wer an seine Wohnung klopfte, wurde hereingelassen, und viele traten ein.
Aber es kamen welche, die Schmutz und Dreck an den Schuhen hatten; das bemerkte er jedoch nicht, er wollte es nicht sehen.
Er liebte sie doch mit all ihren Fehlern und Sünden.
„Kommt herein“, hörte ich ihn sagen, „oh, kommt ruhig, seid nicht ängstlich, meine Tür steht offen“; und er trat den Menschen lächelnd entgegen und beruhigte sie.
„Sie sehen es, die Tür ist kaputt, und ich kann und werde sie nicht mehr schließen.
Sie wird für jedermann offen bleiben, auf ewig.“
Das hatte ihn das Leben gelehrt, und viele Menschen waren zu ihm gekommen.
Der eine stellte seine Holzschuhe vor die Tür und trat sanft auf ihn zu.
Solche empfanden Ehrfurcht, heiligen Respekt vor seiner Persönlichkeit und achteten seine Seelenwohnung.
Sie wollten seine Seelenruhe nicht stören und gingen ruhig heimwärts.
Er hatte ihnen mit Leib und Seele geholfen.
Doch es kamen auch andere, die einfach so hereinplatzten; diese kannten und empfanden keine Ehrfurcht.
Er sah sie dann verwundert an, sagte aber nichts.
Ein Mensch brauchte Hilfe, und diese Hilfe wollte er ihnen geben.
Obwohl vor Schreck bebend, den Menschen mit all seinen Mängeln und Schwächen fühlend, wusste er sich selbst zur Ruhe zu bringen.
Er beherrschte sich, lächelte nur und beruhigte sie.
Sein immer währendes Lächeln wirkte Wunder.
Viele traten ein, sahen ihm scharf in die Augen – wovon er schaudernd erbebte. Doch er stand wie ein Kind vor ihnen und war erstaunt über so viel Unmenschlichkeit.
Seine reine Seelenwohnung, stets gepflegt, sodass Gott hereintreten konnte, wurde durch den Menschen besudelt.
Dann blieb er, wenn der Mensch fortgegangen war, mit all jenem Menschlichen allein zurück.
Er musste zusehen, dass er es alleine verarbeitete.
Niemand konnte ihm dabei helfen. Aber er hatte auch keine Hilfe nötig.
Er wusste und besaß die Kraft und er verstand die Kunst und hatte die Kenntnis, die dafür erforderlich war, seine geistige Wohnung rein zu halten, sodass Gott im unerwartetsten Augenblick hereintreten konnte.
Er besaß diese große Kraft und trug sie in sich, und tief, ganz tief in ihm lag die reine Liebe.
Nein, sein Seelenhäuschen konnten die Menschen nicht beschmutzen.
Ein Meer der Liebe spülte es rein, nichts blieb an seinem Platz und die Flammen seiner unerschöpflichen Liebe trockneten es.
Kein Mensch kannte sein Geheimnis, aber sie wollten es auch nicht kennen.
Er trug diesen Schatz im Stillen und lächelte nur, womit er alle Menschen an sich band, die zu ihm kamen.
So lebte er, so hatte er gelernt, leben zu müssen.
So empfand ich diesen Priester.
Es war still um den Kranken und ich dachte an Alcars Worte, dass er ein großer Priester gewesen war.
Ich fühlte die Stille des Todes, das Verlassen dieser Welt, das Eingehen ins Jenseits.
Dieses Problem wühlte in mir; ich fühlte und sah es und ich wurde darin aufgenommen.
Was ich nunmehr erlebte, sollte jeder Mensch, der auf Erden lebte, durchzustehen haben.
Ich fühlte den Priester, ergründete seinen inneren Zustand und wusste, wie glücklich er bald sein würde.
Er hatte als Mensch gelebt, als ein Kind Gottes.
Plötzlich öffnete er die Augen und fragte: „Glaubst du an die Menschen?“
Ich erschrak.
Er hatte abermals meine Gedanken übernommen, denn er fuhr fort: „Der Tod ist mein Freund, Jozef.“
Fühlte er bereits die geistige Sprache, die man nur im Leben nach dem Tode kannte und anwandte?
„Ich glaube“, sagte ich und wusste nicht, welche Antwort ich ihm sonst geben sollte.
Da schlug er die Augen auf und blickte auf den Christus, der über seinem Bett hing.
Dorthin wandten sich seine schönen Augen.
Ein Kind bat um Kraft, um aufgenommen zu werden, um sein Ende vorzuverlegen.
Dann, nach einigen Sekunden, sagte er: „Du bist begnadet, Jozef.“
Es war, als wenn Christus persönlich es ihm gesagt hätte.
„Du darfst die Heiligen nicht vergessen“, fuhr er fort. Und dann, völlig unerwartet, nachdem er nochmals den Blick auf den Christus gerichtet hatte, sagte er: „Ich werde sterben, Jozef; ehe dieser Monat vorbei ist, bin ich nicht mehr.
Dann werde ich schweben, wie du.“
„Wie ist es möglich“, dachte ich.
„Hatte Christus es ihm gesagt?
Ist er so innig verbunden?
Wie kam er auf einmal darauf?"
Ich fand es wunderlich, so ruhig wie er war.
Er fühlte, welche Gaben ich besaß, und ich dankte ihm im Stillen für seine wenigen, aber so tief gefühlserfüllten Worte.
Darin lag für mich eine Mahnung, meine Gaben rein und hoch zu halten.
Nun war er weit, seht weit von mir entfernt.
Ich folgte ihm innerlich und fühlte, dass er sich gänzlich ergab.
Auch jenes Geheimnis kannte er allein, er fühlte sich mit dem Sohn des Menschen verbunden.
Nochmals blickte er auf den Christus.
Tränen flossen über sein liebes Antlitz und ein Lichtstrahl beschien es.
„Ein Engel“, dachte ich, „bist du."
Er besaß ein Wissen, das allein Sterbende besitzen, ja, erleben.
Er befand sich bereits in jenem unerklärlichen Zustand, in dem irdische Gesetze und Gelehrtheit sich auflösten und aufgenommen wurden.
Es lag kein Zweifel in ihm, ich fühlte nicht das geringste Zögern.
Dies war Weisheit, die er soeben in aller Stille erlebt hatte und aus einer höheren Quelle erhalten hatte.
Ich erlebe heute Morgen etwas Großartiges, etwas Unnatürliches.
„Es wird wohl übernatürlich sein“, dachte ich.
Das Übernatürliche beschien ihn, jene Kräfte gingen in ihn über, und er sagte es mir, ließ mich daran teilhaben.
„Wirst du mir helfen, Jozef?“, fragte er wiederum völlig unerwartet.
„Ich gehe.“
Als ich ihn ansah, bebte ich.
Es zitterte in mir und ich fühlte ein großes Glück.
„Aber natürlich“, sagte ich und sah, dass er wieder weinte.
Er spürte, was in mir vorging und sprach: „Nicht weil ich gehe, Jozef, nicht darum, denke das nicht.“
Ich verstand und fühlte, warum er seine Tränen fließen ließ.
Er dachte an all seine Kinder.
Von ihnen scheiden zu müssen, war für ihn schwer.
Sie würden ihn nicht missen können, denn sie konnten nicht mehr eintreten und eine geöffnete Wohnung vorfinden, in der sie sich wärmen konnten.
Ach, es war nicht so leicht!
Abermals sprach er und gab mir Antwort auf meine inneren Gedanken.
Es war wunderlich.
„Davon zu scheiden ist schwer.“
Lupenrein hatte er sich in mich eingefühlt und wiederum alles übernommen.
Das waren für mich Beweise, dass eine andere Kraft in ihm wirkte.
Es waren Beweise, dass er eine große Liebe besaß und dass er geistige Kräfte und Wahrheiten auffangen konnte, weil er bereits im Geiste verbunden war.
So etwas Schönes sah und erlebte man nicht oft an einem Sterbebett.
Dies war schon ein ganz besonderes Hinübergehen, ein Sichvorbereiten auf die ewige Welt.
Nicht nur dass er sein Hinübergehen fühlte, sondern er kannte bereits die geistige Sprache, die man dort sprach.
Er besaß bereits das Vermögen, um von einem Menschen in den anderen überzugehen, und trotzdem lebte er noch auf Erden.
Es war großartig, was ich dort in jenem Augenblick erlebte.
„Nun musst du gehen, Jozef.“
Ich nahm Abschied.
Es war noch keine halbe Stunde vorübergegangen, und wie viel hatte ich nicht erfahren.
Während ich nach Hause ging, dachte ich an all diese Dinge.
Wie schön war dieser Morgen gewesen.
Wie tapfer, um diesem Leben so überzeugend Lebewohl zu sagen.
Herrlich war es auch, um auf diese Weise Sterbenden beistehen zu dürfen.
Ich hatte schon viele hinübergehen sehen, aber nicht einen wie ihn.
Der eine hatte Angst, andere nahmen kräftige Nahrung zu sich, weil sie nicht sterben wollten.
Doch wenn der Tod sich meldete, konnte kein Gelehrter mehr helfen und auch geistige Kräfte vermochten keine Änderung herbeizuführen.
Dem konnte niemand entrinnen, was wohl das einzig Gerechte auf dieser schrecklichen Erde war.
Dieser Priester war vertraut mit dem Tode.
Ihm war er ein willkommener Freund, ein Freund, der ihn von seinem Leiden erlöste, der ihm Glück brachte, Licht, Liebe und Schönheit, ja ewiges Leben.
Was blieb dann noch vom Tod übrig?
Wo war seine Macht?
Wo blieb all das Schreckliche, wenn man den Tod einen Freund nennen konnte?
Bei ihm fand der Tod keine Nahrung.
Denn er kannte keine Angst und fühlte weder Leid noch Schmerz, und das war es, woran sich der Tod gütlich tat.
Der Tod sollte und würde bei ihm Armut erleiden.
Er würde verhungern, denn er wurde nicht genährt.
Er führte mit dem Tod ein machtvolles Gespräch, er lächelte ihm zu und der Tod lächelte zurück.
Sie waren vertraut miteinander, große, ganz große Freunde geworden.
Dies hatte das Leben ihn gelehrt, indem er alle Menschen in seiner Seelenwohnung empfing und nicht meckerte, wenn sie mit Holzschuhen eintraten, sondern sie mit Liebe empfing und ihnen entgegentrat.
Dadurch hatte er den Tod kennengelernt und wusste er, dass dieser ewiges Leben bedeutete.
Er sah durch seine Maske hindurch, er konnte hellsehen und blickte hinter den Schleier des Verderbens und des Schreckens.
Er sah, dass der Tod nicht das Ende war, sondern ein Weitergehen in unbekannte Gefilde.
Für ihn war jener grausame Mann mit der Sense durch einen azurblauen Himmel ersetzt worden, ein Paradies lauteren Glückes.
Das Schicksal hörte auf zu bestehen, für ihn war alles Gottes heilige Führung.
Gott rief ihn zu sich, und der Tod machte Platz und verschwand, denn er konnte sich ihm nicht nähern.
Nein, dieser Priester besaß alles, was er im Lande der ewigen Wahrheit brauchte.
Der Tod war glücklich, dass es unter all den Menschen einige gab, die keine Angst vor ihm hatten.
„Höre mich an“, so hörte ich gleichsam den Tod zu mir sagen, „du Mensch der Erde, höre, was ich sagen werde.
Sieh mich an, ich bin nicht tot.
In euch flammt es, es ist Gott, der euch Seine Liebe zusendet, der euch alle am Leben erhält.
Das, was ihr seht, was ihr äußerlich seid und pflegt, das stirbt.
Aber in euch lebt etwas, das fortlebt, stets fortleben wird und unendliche Tiefen kennen lernen wird.
Ein erhabenes Glück erwartet euch. Doch allein diejenigen, die in mir das Leben sehen.
Ich selbst gab mir nicht den Namen „Tod’, sondern das tatet ihr, ihr Menschen, weil ihr mich nicht kennt.
Für euch war ich der „Tod’, doch das bin ich allein für diejenigen, die selbst lebend tot sind.
In euch liegt ein Funke des ewigen Lebens, in euch liegt die ewige Wahrheit.
Lasst euch, oh Menschen, euer Leben durch meinen Namen nicht vergällen.
Ich bin nicht der Tod, ich bin das Leben, und wer mich kennt, wird glücklich sein.“
Ich hatte allem folgen können, doch wer sprach so zu mir?
Der Tod!
Er war ein lebendiges Wesen, das weiter blickte als wir, die wir zu leben glaubten.
Er war kalt und besaß zugleich Sonne, wodurch er alle erwärmen konnte, die in ihm das Leben sahen.
Mit einem Gefühl großen Glückes trat ich in meine Wohnung ein.
Welch ein Morgen!
Wie viel hatte ich empfangen und erleben dürfen!
Wie herrlich war es doch, Medium zu sein.
Auf diese Weise lernte ich das Leben, das hinter dem Schleier lebte, kennen.
Und das durch ihn, den ich erst vor so kurzer Zeit kennengelernt hatte, doch dessen große Menschenliebe ich entdeckt hatte.
Bald würde dem Priester die wahre Bedeutung des Todes deutlich werden und würde er in einem violetten Licht hinübergehen.
Das Violett würde sich mit tausend anderen Farben verbinden, welche die Ausstrahlung seines eigenen Innenlebens waren.
Es war sein Himmel, den er fühlte und sah.
Dort würde man ihn erwarten.
Ihn erwarteten eine unvergängliche Schönheit und eine ewig währende Ruhe.
In diesem Augenblick erahnte ich kaum, dass ich noch mehr Schönes und Erhabenes mit dem Priester erleben würde.
Bald war es Samstag.
Ich sehnte mich schon danach, dass ich zu ihm gehen konnte.
Bei ihm fühlte man meine Kräfte und wurde ich verstanden.
Der Priester wartete bereits.
Er nahm meine Hände in die seinen und sagte: „Mein Jozef.“
Wie sehr hatte dieser Mann mich lieb gewonnen!
Die Tränen schossen mir in die Augen.
Zusehends ging es mit ihm bergab, der Krankheit war nicht Einhalt zu gebieten.
Ich nahm neben ihm Platz, legte meine linke Hand auf seine Stirn, meine rechte auf seine Brust und bestrahlte ihn.
Er, der Priester, sog jene Kraft in sich auf, und diese schenkte ihm die Ruhe, die er für seine letzten Tage auf Erden so nötig hatte.
Es würde sein Hinübergehen erleichtern.
Er fühlte die heilsame Einwirkung des Lebensmagnetismus.
Hier konnte keine Medizin mehr helfen, und auch ich vermochte daran nichts zu ändern.
Nachdem ich gebetet hatte, hörte ich meinen Führer sagen, dass ich mich im Geiste konzentrieren solle.
Im selben Augenblick, da ich mich einstellte, meinte ich Intelligenzen wahrzunehmen.
Ja, ich hatte richtig gesehen.
Rund um das Bett des Priesters sah ich mehrere Geister.
Sie waren in schöne Gewänder gekleidet und strahlten ein prachtvolles Licht aus.
Sie blickten auf ihn, der bald hinübergehen würde.
„Was sollte das zu bedeuten haben?“, fragte ich mich.
Doch schon bald wurde es mir klar, da ich Gesang vernahm.
Es waren geistige Lieder, und zwei Stimmen beanspruchten meine ganze Aufmerksamkeit.
Es waren ein Tenor und ein Bass, und die anderen Stimmen ergänzten diese beiden, um zu einem Ganzen zu verschmelzen.
Es war himmlisch!
Die Tenorstimme war von ungeahnter Schönheit.
Es bewegte mich tief, so mächtig war es und so erhaben.
Als der Gesang aufgehört hatte, sagte Alcar zu mir: „Der Priester gehört einem Orden an, und diejenigen, die an sein Sterbebett gekommen sind, wollen sein Hinübergehen erleichtern.
Sie kommen aus dem Jenseits zu ihm, es sind Geister der Liebe.
Die geistige Kraft dieses Geschehens geht in ihn über.
Noch ist er sich dessen unbewusst, aber dennoch wird er etwas spüren.“
Ich entdeckte, dass ich mit der Ausstrahlung dieses Geschehens verbunden wurde.
Die Liebe all dieser Wesen sah ich in einem Licht, und jenes Licht ging auf den Kranken über.
Es umgab ihn und würde dort bleiben, um andere Kräfte abzuwehren.
Dies war nun geistige Ruhe, eine Einsegnung im Geiste.
Das Licht umgab ihn nunmehr wie eine geistige Mauer, eine Festung aus Liebeskraft.
Es war großartig, was ich dort erschauen durfte.
Diejenigen, die bereits im Jenseits lebten und ihn auf Erden gekannt hatten, wussten dass er sterben würde, und auch er wusste es.
Ich spürte darin eine Verbindung, ein einziges Wissen.
Liebe ging über das Grab hinaus.
All diese Wesen waren auf Erden Priester gewesen und hatten ein gutes Leben vollbracht.
In ihre Mitte würde er aufgenommen werden, denn er gehörte zu ihnen; und dass er bereits auf Erden damit verbunden war, war doch wohl etwas Besonderes, so etwas empfingen nur wenige Menschen.
Der Kranke war eingeschlafen und ich entfernte mich in Stille.
Auch die geistigen Wesen hatten sich vor mir aufgelöst.
Als ich hinunter kam, fragte mich seine Frau, was ich von ihrem Mann halte.
„Kann es noch lange dauern?“
„Nein“, sagte ich, „lange wird es nicht mehr dauern.
Aber wann es so weit ist, weiß auch ich noch nicht.
Wenn nötig, werde ich es Ihnen sagen.“
Beim folgenden Mal erlebte ich andere Wunder.
Als ich eintrat, bat man mich zu warten.
Es war ein Priester aus Paris herübergekommen, doch der Kranke gab ihm nur eine Minute.
Ich schmunzelte und spürte, dass er von der Zeit, die ich bei ihm sein würde, keine Sekunde missen wollte.
Nach einer Minute wurde ich bereits gerufen und trat ich in das Krankenzimmer ein.
Der Patient war sehr erfreut und brannte vor Sehnsucht mir etwas zu sagen.
Ich fühlte dies, sobald ich ihn sah.
„Hör zu“, sagte er, „setz dich.
Ich habe geschwebt, Jozef, ganz, ganz hoch, so wie du.
Es war fabelhaft,
schöne Dinge gesehen.“
Jedes Mal wartete er kurz, um wieder zu Atem zu kommen und um zu sehen, wie erstaunt ich wohl sein würde.
Er war sehr, sehr glücklich.
Dann sprach er weiter.
„Ich sah Blumen, oh, so schön.
Nicht hier, nein, hier sind sie nicht so schön.
Diese waren anders.
Ich hörte auch Gesang, wundervollen Gesang, sehr schön.“
Ich erschrak.
Sollte er diesen Gesang dann doch gehört haben?
„Wundervoller Gesang“, sagte er wieder, „oh, so herrlich.
Schöne Stimmen.“
„Merkwürdig“, dachte ich, „der Mann ist ein hellhörendes, hellsehendes und hellfühlendes Medium geworden.“
Am Ende seines Lebens waren jene Gaben offenbar in ihn gekommen.
Ich begriff dies vollkommen.
Sein Gefühl ging in den Geist über.
Kein Wunder, dass er glücklich war.
So sah und hörte ich es stets bewusst, doch wenn ich davon erzählte, konnten die Leute es nicht glauben.
Er, der Priester, war nunmehr mit dem ewigen Leben verbunden worden.
Als er zu Ende gesprochen hatte, standen ihm die Tränen in den Augen, so hatte es ihn bewegt.
„Viele Menschen habe ich gesehen“, begann er aufs Neue.
„Wunderbar, wunderbar, schöne Stimmen.“
Dabei blickte er auf den Christus, um Gottes Sohn für alles zu danken.
Wie gewöhnlich nahm ich neben ihm Platz und behandelte ihn.
Alcar sagte mir, dass ich aufpassen solle, es würde mir wieder etwas gezeigt werden.
Den Priester fühlte ich unter meinen Händen wegsacken.
Plötzlich sah ich einen Lichtschein, und in jenem Licht manifestierte sich ein strahlendes Wesen.
Es verdichtete sich immer mehr, sodass ich es deutlich wahrnehmen konnte.
Es bewegte sich vom Kopf- zum Fußende und machte mir klar, dass ich richtig sah und fühlte.
Nun sah ich in diesem Licht eine Erscheinung, einen jungen Geist in strahlender Schönheit.
Unwillkürlich schätzte ich sein Lebensalter, und ich meinte, dass er das Alter zwischen fünf- und siebenunddreißig Jahren erreicht haben dürfte.
Danach verschwamm das Bild und sah ich ein anderes.
Die Erscheinung selbst zeigte mir etwas; ich sah eine Wiege und darin ein totes Kind.
Über der Wiege schwebte die Zahl siebzehn.
Die Zahl war erleuchtet, sodass ich sie deutlich wahrnehmen konnte.
„Siebzehn?“, dachte ich.
„Monate“, hörte ich darauf sagen, „gestorben!“
Kurz und bündig wurde mir diese Wahrheit vermittelt.
Es blieb keine Frage offen und ich begriff es auf der Stelle, als ich sagen hörte: „Mein Vater!“
„Mein Vater?“ dachte ich.
„Mein Gott, wie groß ist dieses Wunder.
Sein Vater?“
Er war also der Sohn des Priesters, ein Sohn, der im jüngsten Alter die Erde verlassen hatte?
Da sagte Alcar, dass ich richtig gesehen habe, und ich wartete ab, was weiter geschehen würde.
Ein Kind, das, als es siebzehn Monate alt war, die Erde verlassen hatte, kehrte im Alter von siebenunddreißig Jahren zurück, um seinen eigenen Vater abzuholen?
Um seinem Vater beim Hinübergehen beizustehen?
Aber das war doch wohl etwas ganz Besonderes.
Es war ein tiefes Mysterium und von keinem menschlichen Gehirn zu ergründen.
Welch eine Weisheit!
Wie groß war dieses Wissen und welch ein großartiges Problem war es.
Das Kind hatte gelebt, es war also nicht tot, sonst wäre es unmöglich, sich zu manifestieren. Und es war aufgewachsen.
Aber wo?
Ging das?
Ich sah doch deutlich ein bildschönes Wesen, eine geistige Erscheinung.
War das nicht ein Rätsel?
Mir wurde ein übernatürliches Rätsel gezeigt, und damit wurde ich verbunden.
Ein Problem, von dem man auf Erden nichts wusste, und das nicht erfasst werden konnte.
Trotzdem war es die Wahrheit, denn ich sah es.
Dies waren geistige Probleme und Gesetze, die man allein nach dem Tode kennen lernte, im Leben dort, wo mein Führer und Millionen andere lebten.
Dort, wo ich bereits mehrmals verweilen durfte und wo die Erscheinung aufgewachsen war.
Dies war ein großer und mächtiger Beweis eines Fortlebens, wenn man es annehmen wollte.
Welch einen Reichtum an Wahrheit durfte ich nunmehr empfangen.
Ich fühlte Hunderte von Fragen in mir aufkommen und auf all diese Fragen konnte ich mir selbst Antwort geben.
Wo blieb nun der Tod und seine Macht?
Der Mensch betrog sich selbst.
Wer würde jetzt noch an den Tod glauben?
Hier kehrte das junge Leben – das Kind, das man tot wähnte – als ein Engel zur Erde zurück, um seinem Vater im Stoff beizustehen und ihn abzuholen.
Wie tief war dieses Problem, und wie kam dieses Wesen an diese Wahrheit?
Woher wusste es, dass sein Vater sterben würde?
Woher wusste es etwas von Vater oder Mutter, denn als es hinüberging war es sich nicht bewusst, was Vater und Mutter bedeuteten.
Dennoch kehrte es zurück, ausgerechnet jetzt, wo sein Vater sterben würde, übergehen würde in jenes andere Leben, wo sein Kind lebte.
Nun gebot mir mein Führer zuzuhören und ich hörte das schöne Wesen sagen:
„Ich bin gekommen, um ihn zu holen: dies ist mir gestattet.
Es ist Gottes Wille.
Fragen Sie diejenige, die meine Mutter ist, ob ich in diesem Alter gestorben bin, sie wird es bestätigen.
Ein Liebesband hielt mich mit ihnen verbunden.
Ein ewiges Band der Liebe bindet uns, verbindet alle Menschen mit ihren Lieben, die an dieser Seite leben, und die sie erwarten, wenn auch sie hinübergehen werden.
Ich durfte im jüngsten Alter die Erde verlassen.
Das ist schon eine große Gnade.
Sie sehen, dass ich lebe und Sie hören, wie ich zu Ihnen spreche.
Alles ist die heilige Wahrheit.
Überzeugen Sie sich und fragen Sie es sie.“
Von diesem Geschehen tief bewegt, hatte ich voller Bewunderung dieser Erscheinung gelauscht.
Ich hörte noch, wie gesagt wurde:
„Ich wuchs in den Sphären des Lichts auf, denn wisse, dass das Leben ewig ist.
Ich denke so, wie Sie denken und lebe im Geiste.
Ich sehe und höre Sie und kann mich mit Ihrem Leben verbinden.
Ich weiß, dass er, der daniederliegt, mein Vater ist, mein Vater im Stoff.
Doch wir haben und kennen nur einen Vater, und das ist Gott.
Ich danke Ihnen, dass Sie bereit waren mir zuzuhören und Ihre inneren Augen für mich zu öffnen.
Auch danke ich Ihnen für Ihre Liebe, die Sie ihm gegeben haben.
Danken Sie auch ihr, die meine Mutter ist, für all ihre Liebe.
Ich fühle und empfange ihre Liebe, weil ich lebe und stets mit ihnen verbunden bleiben werde.
Ich weiß, dass sie mich lieb haben, und dass wir einander einst wieder sehen werden, für ewig, auf ewig.
Dieser Augenblick ist mir heilig, werden Sie das niemals vergessen?
Wollen Sie es auch ihnen, all meinen Lieben sagen?
Ich lebe in den Sphären des Lichts und auch mein Vater wird Licht und Glück besitzen.
Bald wird er bei mir sein, und das alles ist Gottes heiliger Wille. Sein Wille geschehe!
Es ist die Wahrheit und weil es Wahrheit ist, ist es heilig und der Mensch wird das Haupt neigen vor Ihm, der unser aller Vater ist.
Es ist für Sie eine große Gnade, dies erleben zu dürfen.
Ich rufe Ihnen und allen Menschen von dieser Seite aus zu: Habt keine Angst vor dem Tode, wir leben in himmlischer Schönheit.
Ihr werdet Licht sehen, wenn es licht in euch ist.
Dies alles ist Liebe, heilige Liebe.
Ich werde bis zum Ende bei ihm bleiben.
Sein irdisches Kleid wird begraben, aber sein Geisteskörper kehrt zum Leben zurück, dem Leben, das Gott ist.
Kein Mensch wird daran etwas ändern können.
Gehen Sie nun, ich wache, nichts soll seine Ruhe stören.
Ich danke Ihnen.“
Darauf sah ich, dass sich die Erscheinung zurückzog und auflöste.
Ich fühlte mich schweben, spürte mich selbst nicht mehr, denn ich hatte etwas Heiliges erlebt.
Ehe ich fortging, dankte ich Gott für alles, was ich empfangen hatte.
Dann nahm ich Abschied von meinem lieben Freund, Bruder und Vater.
Unten angekommen, befragte ich die Mutter der Erscheinung – die Ehegattin des Priesters – über die Wahrheit dieses Problems.
„Hatten Sie ein Kind“, so fragte ich sie, „das im Alter von siebzehn Monaten gestorben ist?
Einen Jungen?
Würde das Kind, wenn es am Leben geblieben wäre, heute siebenunddreißig Jahre alt gewesen sein?“
An der Wahrheit brauchte ich nicht zu zweifeln, da sie heftig zu weinen begann.
„Ja“, sagte sie, „unser Junge ist so jung gestorben.“
„Ach“, dachte ich, „welch ein Wunder."
Wie groß war diese Wahrheit, wie heilig war alles.
Nun hörte ich Alcar sagen: „Sage ihr, dass du mit ihrem Kind gesprochen hast, sie soll es wissen.“
Darauf fuhr ich fort: „Soeben habe ich etwas Schönes erlebt.
Ihr Kind manifestierte sich bei seinem Vater.“
Doch ich spürte, dass sie nicht wusste oder verstand, was Manifestieren war, und dass ich nicht fortfahren sollte; dies war zu tief, zu unwirklich.
Übernatürliche Dinge konnten die Menschen nicht annehmen, und folglich verabschiedete ich mich von ihr.
Den ganzen Vormittag hatte ich nicht den Mut, um über dieses Problem weiter nachzudenken.
Dafür musste ich ruhig sein, es hatte auch mich mitgenommen.
Viele Probleme spukten mir durch den Kopf, ich sah Tiefen und Aussichten an dem noch so unbekannten menschlichen Horizont.
Ein furchtbares Etwas trübte all diese Herrlichkeit, all dieses Schöne, und das war der Tod.
Dieses Bild zerstörte alles, sodass der Mensch das ewige Leben nicht annehmen konnte.
Die Leute zuckten die Achseln und kehrten zu ihrem täglichen Kram zurück.
Der Tod vernichtete das Glück der Menschen, er brachte Leid und Schmerz und konnte doch nur großes Glück bedeuten.
Er legte seinen Todesschleier vor das ewige Licht und verschleierte die heilige Wahrheit – und nur, weil die Menschen das selbst wollten.
Sie liebten ihn und wollten das Licht nicht sehen.
Doch hier hatte es sich bewahrheitet, dass der Tod Leben bedeutete.
Ein Kind von siebzehn Monaten kehrte im Mannesalter wieder und sagte, dass es in den Sphären des Lichts, im ewigen Leben aufgewachsen sei.
Dieses Kind lebte in himmlischer Schönheit.
Ach Tod, verschwindet von der Erde und zerstört nicht des Menschen Glück.
Geht und legt Eure Sense ab, denn Ihr seid Liebe.
Bestrahlt die Menschen mit Eurem ewigen Licht, Eurer Sonnenglut und streut Blumen auf ihren Pfad und erleuchtet ihre Wege, wo Ihr früher Verderben brachtet.
Tod, wo bleibt Eure Macht, Euer Alter und Schrecken?
Ihr seid wie das Kind, das Kind, das die Erde verließ und als junger Mann wiederkehrte.
In euch, Menschen der Erde, liegt diese Wahrheit.
Ihr lebt im Stoff und besitzt ewige Abstimmung.
Das ewige Leben brennt in euren Seelen, der Tod schmilzt und verdampft, ja löst sich auf und es geht weiter, höher und höher, bis dass das Leben die höchsten Höhen erreicht haben wird und es Gott fühlt.
Dort, wo das Kind des Priesters aufwuchs.
Legt ab Euer schwarzes Gewand, es ist nur Schein.
Wir kennen die Wahrhaftigkeit eines ewigen Lebens, es wurde uns schließlich soeben gezeigt.
Daran lässt sich nichts ändern.
Ich fühlte nun eine Zeit kommen, da der Mensch den Tod nicht mehr kennen wollte, dass seine Existenz verblassen sollte, sich sein Wesen veränderte
Sein Königreich der Finsternis brach zusammen; es konnte nicht länger bestehen.
Der Mensch selbst entthronte ihn.
Er hatte das irdische Leben lange genug vergällt.
Der Mensch sollte wissen, dass es keinen Tod gab und dass nur das Leben Wirklichkeit war.
Endlich verwandelten sich Leid und Schmerz in Glück und in ein ewiges Zusammensein im Jenseits.
All die Beweise dafür waren merkwürdig, und wie groß war diese Weisheit.
Wie wunderlich tief, als wie mächtig erwies sich alles.
Ein Kind, das früh die Erde verlassen hatte, kehrte wieder, weil es wusste, dass sein Vater sterben würde.
Die siebzehn Monate und siebenunddreißig Jahre umschlossen ein Leben.
Für den Menschen auf Erden lag über all diesem Großartigen ein Schleier, doch ich sah hindurch und begriff alles.
Gottlob, dass wir dies nunmehr mit denjenigen ausrufen können, die uns vorausgegangen sind, die zu uns wiederkehrten, um es uns zu sagen.
Sie rufen ganz laut: „Es gibt keinen Tod, es gibt nichts als Leben!"
Oh Gott, welch ungeheure Wahrheit und welch großes Glück gibst Du dem Menschen.
Doch sie werden die Wahrheit nicht annehmen, ehe sie es selbst sehen.
Sie wollen und können nicht akzeptieren und haben Angst, dass ihr eigenes Gebilde der Wissenschaft einstürzen wird.
Sie glauben lieber an jenes vortierische Wesen, an einen Tod, der sie ängstlich macht, und der Leid und Schmerz bringt, wo Glück herrschen könnte.
Sie schlafen ihren geistigen Tiefschlaf und werden weiterschlafen.
Sie hören die sanfte, aber deutliche Stimme nicht; sie wollen diese nicht hören und ihr Seelenhäuschen ist und bleibt geschlossen.
Muss der Tod weiterhin existieren, weiterhin fortfahren, des Menschen Glück zu vergällen?
Ist es denn kein Glück, dass man die Wahrheit bereits auf Erden empfangen darf, und ausgerechnet durch Vermittlung derer, die vor uns hinübergingen?
Öffnet doch euer Haus und empfangt das Leben!
Es kann euer Kind, eure Schwester, euer Bruder, es kann Vater oder Mutter sein, die darum bitten eintreten zu dürfen.
Gibt uns diese Gewissheit nicht die Kraft, um alles, was Gott uns zu tragen gibt, auf unsere Schultern zu nehmen?
Gibt es uns keine Antwort auf unsere Frage: Wo sind unsere Toten?
Leben sie?
Wie lange hat sich der Mensch das nicht gefragt?
Nun erhalten wir eine Botschaft von ihnen, von unseren Lieben.
Sagt es uns nicht, dass die Liebe uns verbindet und dass sie uns ewig so verbunden sein lässt?
Um das Haupt des Priesters lag eine Aureole der geistigen Wahrheit, von seinem eigenen Kind gewoben.
Durch ihn lernten wir das ewige Leben kennen.
Wenn ein einziger derer, die ihn lieb haben, diese Botschaft annehmen wird und wenn sich der Tod auflösen wird, lohnt das Werk die Mühe, dann ist die Wiederkehr seines Kindes belohnt.
Ich hatte in dem Priester einen großen Spiritisten kennengelernt, der sich nicht als Spiritist bezeichnete.
Er war es jedoch mit Leib und Seele, denn er war Geist und lebte.
Das ist nun der Spiritualismus.
Das ist es nun, was der Mensch Teufelswerk nennt und wovor man sich ängstigt.
Auch der Spiritualismus wurde ebenso wenig wie der Tod verstanden, doch beide bedeuteten Geist und Leben.
Durch all dies lernte der Mensch einen heiligen Spiritualismus kennen.
Darin löste sich alles Elend auf und der Tod wurde „Leben“ und lächelte sanft wie das süße Lächeln eines Kindes.
Der Teufel, der sich hinter dem Spiritualismus verbarg, hatte sich in ein himmlisches Wesen verwandelt.
Der Tod ging darin über, beide waren eins, Brüder im Geiste.
Ich hätte wohl stundenlang weiter darüber nachdenken können, es schien kein Ende zu nehmen, denn das Ende dieses wunderbaren Geschehens, dieses Problems, lag in der Ewigkeit.
Dort existierte es; das Problem war der Mensch, das Kind Gottes.
Noch hatte ich nicht alles empfangen; noch war ich der stets größeren Wahrheiten und Wunder unkundig, als der, die ich bisher empfangen hatte.
Aber bald sollte ich auch diese erleben.
Es wurde Samstagmorgen und wie üblich ging ich zu dem Kranken.
In seinen Augen lag nun ein Glanz, den ich in den Sphären des Lichts, bei den Engeln, die dort verweilten, wahrgenommen hatte.
Diesen Glanz konnte man auch bei Kindern sehen; die Reinheit der Seele strahlte aus diesen kleinen Wesen.
Ich stand vor seinem Bett, und der Priester öffnete seine Augen.
Eine Woge der Liebe durchströmte mich, zwei Augen ergründeten, zwei Augen fühlten, zwei Augen sandten Liebe zu mir und erzählten vom Dahinscheiden.
Sie schlossen sich ganz sanft, ganz langsam, und ich wusste: sie schlossen sich für diese Erde.
Ich war erschüttert.
Würden sie sich nicht mehr für mich öffnen?
„Wie hast du dich verändert“, dachte ich, „mein lieber Freund und Vater.
Lange wird es nun nicht mehr dauern."
Ich dachte an den Beginn, als meine Patientin zu mir kam und mein Führer Alcar mir die Nachricht vom herannahenden Ende durchgegeben hatte.
Wie wahr war alles,
wie lauter, und welch eine Macht lag in diesem Geschehen verborgen.
Wenn sie es wollten, wussten die Geister alles und konnten sie alles über den Menschen wissen.
Würden seine Lippen noch sprechen?
Würden diese lieben blauen Augen mich noch einmal ansehen?
Sollten sie sich wirklich nicht mehr öffnen?
Die wenigen Schritte von der Rückseite des Bettes, wo ich stand, zu dem Platz, wo ich stets saß, schienen mir eine Ewigkeit.
Ich fühlte es, es kam etwas in mich, das mir sagte, dass er nicht mehr sprechen oder schauen würde.
In ihm lag die ewige Ruhe, und diese Ruhe ging in mich über.
Neben ihm wachte noch stets das junge himmlische Wesen, sein Kind, das man tot wähnte.
Ich sah und fühlte das Wesen und es hatte seine schönen Hände auf das Haupt seines Vaters gelegt.
Ein starkes Licht bestrahlte den Priester.
In diesem Licht, das ihn umgab und in ihm war, würde er hinübergehen.
Er würde in den Sphären der Liebe und des Glücks erwachen und leben.
Ich fühlte die Stille des Geistes, und in diesem Zustand konnte man nur noch fühlen, das gesprochene Wort würde die Ruhe stören.
Ich betete innig, dass es nicht mehr lange dauern möge.
Wie erhaben war dieses Sterben!
In der Erscheinung lag die Geduld der Ewigkeit.
Seine reinen Hände strahlten dieses Licht aus.
Der Priester war in einen tiefen Schlaf versunken; der heilende Magnetismus hatte ihn in den Schlaf gewiegt.
Einige Minuten waren verstrichen, als ich bereits vernahm, dass ich aufhören solle.
Es war mein Führer, der mir diesen Auftrag gab.
Gleichzeitig hörte ich: „Nimm Abschied von ihm, Jozef.“
„Geht er denn hinüber?“, dachte ich.
„Das wirst du bald wissen, nun gehe!“
Ich blickte zum letzten Mal auf ihn, der ein Freund und Vater für mich war.
„Leb wohl, braver Priester, viele werden dich vermissen.“
An der Tür blieb ich stehen.
Würden sich seine Augen noch einmal öffnen?
Sagen diese Lippen nichts mehr, haben sie nichts mehr zu sagen?
Er lag da wie ein Marmorbild.
Selbst seine Atmung schien eingeschlafen zu sein.
Ich musste etwas Schönes zurücklassen, aber ich sollte etwas noch Schöneres wiedererhalten.
Doch davon wusste ich noch nichts; das alles sollte ich später erleben.
Dort lag ein Mensch, der würdig war, diesen Namen zu tragen.
Wie schön war dann ein Mensch; dann strahlte er, dann war er der kosmisch Erwachte.
Siehe, dann war der Mensch ein Kind Gottes, so wie Gott all Seine Kinder sehen wollte.
Wie herrlich wäre doch die Welt, wenn alle Menschen so wären!
Nun spürte ich einen Drang, dass ich fortgehen müsse; Alcar schickte mich aus dem Zimmer.
Unten fragte man mich wieder, ob es noch lange dauern würde, doch ich wusste noch nichts, wünschte ihnen Kraft und Stärke und ging fort.
Das alles erleben zu dürfen, war doch wohl eine große Gnade.
Es zu fühlen war geistiges Glück, es sehen zu dürfen, war noch wunderbarer.
Der Priester war wie ein Kind, er war Vater, Seelenhirte und Freund für jedermann, der seiner Hilfe bedurfte.
Als Kind würde er in die Sphären des Lichts eingehen, als Vater und Seelenhirte war er die treibende Kraft und der rettende Engel.
Ich sah in ihm das Symbol von Glück und wahrer Menschlichkeit.
Die Strahlen des ewigen Lebens nährten sein Tagesbewusstsein, darin hatte er gelebt.
Sonntag und Montag gingen vorüber, ich vernahm nichts mehr von ihm.
Montagabends sollte ich wie gewöhnlich noch einen Patienten behandeln.
Pünktlich trat der Mann ein.
Während der Behandlung erlebte ich jedoch die wunderlichsten Dinge, wie ich sie als Medium noch nicht erlebt hatte.
Ich spürte eine andere, zugleich heftige Einwirkung.
Diese Einwirkung war nicht wie üblich und ich überlegte, was das wohl zu bedeuten hätte.
Der Mann, den ich behandelte, spürte nichts davon, es war allein für mich bestimmt.
Ich konzentrierte mich auf meinen Führer und hörte wie Alcar sagte: „Sieh dich um, Jozef, wer hier ist.“
„Wer hier ist?“, dachte ich.
„Sieh, wer gekommen ist“, hörte ich wieder.
„Sieh, wer dort neben dir steht!“
Ich stellte mich geistig ein, nahm wahr und erschrak heftig.
Sah ich recht?
Dort neben mir stand der Priester.
Er strahlte!
„Mein Gott“, dachte ich, „was muss ich nun wieder erfahren?
Ist das möglich?“
„Sind Sie bereits gestorben?
Sehe ich richtig?“, fragte ich.
Darauf hörte ich, wie eine sanfte Stimme, die ich erkannte und die ich so lieb gewonnen hatte, zu mir sagte: „Siehst du mich, Jozef?“
„Ja“, sagte ich, „ich sehe Sie, ich finde es wunderbar.“
„Hörst du mich, Jozef?“
„Ich höre Sie, ja, ich höre Sie!
Sind Sie bereits gestorben?“
Da hörte ich ihn deutlich sagen: „Nein, noch nicht.“
„Oh, welch ein Problem“, dachte ich.
Dort vor mir stand der Geist von Priester X.
Dies war ein seltsames Geschehen, denn diejenigen, die sich direkt manifestieren können, tragen schon einen großen innerlichen Besitz.
Solche sind stark bewusst ins ewige Leben eingetreten.
„Jozef“, sagte er, „ich schwebe, ich schwebe!
Nun werde ich sterben; oh, wie wunderschön ist es hier, Jozef.
Wirst du mir beistehen?“
„Natürlich werde ich Ihnen beistehen.“
Ich glaubte in den Boden zu versinken.
Ich sah ihn lächeln, sah sein besonderes und schönes Lächeln.
Auch in jenem anderen Leben hatte er dieses nicht verloren.
Wie wundersam war alles; mir fehlten dazu die Worte.
Meine Gedanken schwirrten mir durch den Kopf, ich konnte mich fast nicht mehr konzentrieren.
Nun spürte ich, dass mir von Alcar geholfen wurde.
Wie schön war er!
Neben ihm sah ich ein junges und prachtvolles Wesen, das ich kannte.
„Auch das noch“, dachte ich, „das ist sein Sohn, wie ist das möglich."
Der Priester schien sich bereits verjüngt zu haben, und trotzdem war er noch mit seinem Stoffkleid verbunden.
Vater und Sohn waren bereits vereint.
Dieser Augenblick war unvergesslich.
Gern hätte er sich all seinen Lieben gezeigt, doch das war nicht möglich.
Hier neben mir stand der Priester mit seinem eigenen Kind.
Trotzdem musste er noch einmal zurückkehren. Doch es würde nicht mehr lange dauern, bis er frei von den irdischen Bindungen war und gehen konnte, wohin er wollte.
Ein sterbender Mensch war aus seinem Körper getreten.
War das nicht wundersam?
„Alcar“, hörte ich ihn sagen, „Alcar ist hier; ich habe ihn gesehen.
Wundervoll, Jozef.“
Noch immer stand er neben mir, er lebte mehr als je zuvor.
Ein derartiges Wunder hatte ich noch nicht erlebt.
Ich hatte viele hinübergehen sehen, doch nicht ein Einziger trug den Besitz, den er offensichtlich hatte.
Aus ihm strahlte die ewige Ruhe.
Ich spürte, dass mein Herz heftig klopfte.
Er hatte sich in nichts verändert, nur jünger war er geworden.
Der Priester sah mich an und sagte: „Die Bücher, Jozef, alles ist Wahrheit!
Wundervoll!“
Das war zu viel für mich; daran hatte ich noch nicht gedacht.
Dass man aus dem Jenseits kam und darüber berichtete!
„Ich kann noch nicht viel sagen“, fuhr der Priester fort, „alles, was darin steht, ist Wahrheit, Jozef.“
Dicke Tränen des Glücks flossen über seine Wangen; es war sein Glück, dass er mir all das mitteilen konnte.
„Nun muss ich gehen“, hörte ich ihn noch sagen, „doch ich werde wiederkehren.“
Die Geistererscheinung von Priester X und die seines Sohnes lösten sich vor mir auf und ich wusste, wohin sie gingen.
Zurück zu seinem Stoffkleid, um seine letzten Stunden auf Erden zu erleben.
Wie dankte ich Gott, dass ich so etwas Schönes und Erhabenes hatte erschauen dürfen.
Wie sollten wir alle Gott dafür danken, dass uns die Beweise des Fortlebens gegeben werden.
Durch Ihn erhielt ich Beweise, woran ich niemals gedacht haben würde, und all dies diente dazu, die Menschheit von einem Leben nach dem Tode zu überzeugen.
All dies geschah während der Behandlung meines Patienten, und dieser hatte weder etwas gehört noch gefühlt oder gesehen.
Alles fand abseits von seinem Bewusstsein statt, da er nicht „verbunden“ war.
„Würde er mir glauben können“, dachte ich, „wenn ich ihm sagte, was ich soeben hatte erleben dürfen?"
Der Mann würde nachdenken und nochmals nachdenken, um dann trotzdem nichts sagen zu können, da er dieses Rätsel nicht lösen konnte.
Dies alles war für ihn zu tief.
Ich war mit drei Wesen in Verbindung gewesen. Ich behandelte einen Menschen, nahm ihm die Schmerzen, womit er gekommen war und sprach mit Wesen im Geiste, von denen eins im Sterben lag.
Welch ein Wunder an Naturkraft!
Dennoch war alles einfach, wenn man jene Kräfte kannte und sah, hörte und fühlte, wenn man sie annehmen wollte.
Wenn man den Blick besaß, um zu sehen, das Gehör, um zu hören, um ihre sanften aber deutlichen Stimmen auffangen zu können, dann waren all diese Probleme keine Probleme mehr und war das Wunder kein Wunder, sondern waren es menschliche Kräfte des Geistes, dann war es die Liebe, die das Wesen besaß.
Für mich löste sich dieses Problem auf, und es war ein natürliches Geschehen.
Aber wer dies nicht sehen oder fühlen kann, der lacht über alles.
Wer diese Abstimmung nicht besitzt, lacht, doch er lacht über seine eigene Dummheit.
Menschen auf Erden, sagt es euch nichts?
Stimmt es euch nicht glücklich?
Nehmt ihr an, dass ihr ewig lebt?
Dass wir stets vorwärts schreiten und unseren Weg fortsetzen werden, dass ihr euch von einem Planeten zum anderen weiterentwickeln werdet?
Fühlt ihr, dass das Leben auf Erden bereits die Ewigkeit ist?
Dass das ewige Leben in uns liegt?
Zeigen euch diese Beweise nicht, dass diejenigen, die auf Erden gestorben sind, in einem anderen Zustand leben?
Es liegt an uns, ob sie uns diese Beweise geben können.
Wir müssen uns öffnen, die Türen unserer Seelenwohnung öffnen.
Dann werden wir empfangen, viel empfangen, sehr viel Schönes.
Unsere Lieben werden wiederkehren, um uns in den letzten Stunden beizustehen.
Sie geben uns Beweise, dass sie uns erwarten.
Lacht also nicht über eine Wissenschaft, die ihr weder kennt noch in euch fühlt.
Lacht nicht über eine andere Religion und verflucht keinen anderen Menschen, denn ihr verflucht eure eigene ewige Abstimmung.
Lebt ein Leben im Geiste, und die Schätze des Geistes werden euch in den Schoß fallen.
Dann werden sich die Pforten der Hölle für euch nicht öffnen, denn die Sphären des Lichtes erwarten euch.
Doch der Mensch verflucht sich selbst, wenn er nur an sein Stoffleben denkt und sein Inneres, jenen ewigen Körper, vor geistigem Hunger sterben lässt.
Ein geistiger Untergang ist ein in Lumpen gehüllter Eintritt in das Land des ewigen Friedens.
Tausende Jahre sind bereits vergangen und noch lacht der Mensch über all diese Wunder.
Noch verspottet er jene Wunder und fühlen Gelehrte sich „gelehrt“.
Hört ihr die Geister klopfen?
Sie klopfen an eure Wohnung, doch ihr wollt sie nicht hereinlassen, und trotzdem bitten sie euch, die Tür zu öffnen.
Der eine klopft leise und der andere ganz laut.
Alle klopfen, aber der Mensch hält die Tür seiner geistigen Wohnung verschlossen.
Niemand wird hereingelassen.
Ach, Mensch, sei nicht ängstlich, sie machen nichts kaputt, sie kommen mit nichts als Liebe; sie treten sachte ein und bringen dir geistige Weisheit.
Sie bringen dir Licht, viel, sehr viel Licht und die Grüße deiner Lieben, die vor dir hinübergegangen sind.
Doch die Leute sagen: „Ich will mit all dem nichts zu tun haben."
Sie verbarrikadieren ihre Türen und wollen darüber nicht sprechen.
Das Geklopfe langweilt sie, sie leben in einer modernen Zeit und brauchen jene Liebe nicht, da sie ihre eigene Liebe besitzen.
Doch welche?
Die Eigenliebe!
Dann fällt die Tür zu und der Geist verschwindet.
Und die wenigen, die aufgetan haben, haben es bald wieder vergessen oder sie sind enttäuscht, da die Liebe, die der Geist bringt, ihren Verstand übersteigt.
Sie wollen jenes Leben nicht; sie können jene Liebe nicht begreifen, weil diese zu teuer bezahlt werden muss und es zu viel Kampf erfordert.
Für die geistige Liebe muss man sich selbst verlieren, muss man seine ganze Persönlichkeit ablegen.
Aber die Leute bleiben taub und hart; sie wollen jene Liebe nicht fühlen und jenes Klopfen nicht hören.
Sie sind nicht zu überzeugen.
Sie sehen in diesen Geistern „Fremde“ und wollen nichts damit zu tun haben.
Aber wenn sie wirklich sehen wollen, dann steht dort vor ihnen ihre Mutter oder ihr Vater, ihre Schwester oder ihr Bruder.
Diese sind es, die mit einem Herz voller Liebe wiederkehren, um auch sie zu erwärmen. Aber so einen Toten will man nicht kennen.
Trotzdem werden sie alle wiederkehren, immer und immer wieder, bis dass die Türen auf ewig offen bleiben.
Dann erst findet der Geist Ruhe und sind alle vereint.
Dann sind Kirche und Spiritualismus eins und ist der Tod „Leben“ geworden.
Sind sie nicht liebevoll, die zu uns wiederkehren?
Ist all das nicht der Mühe wert, um einmal darüber nachzudenken?
Hier war es ein Kind, das klopfte, und Gott sei Dank, es wurde gehört.
All das muss man so richtig erfühlen.
Streckt eure geistigen Fühler aus und ertastet jenes unsichtbare Leben; es sind Tausende da, die euch helfen werden.
Indem ihr fühlt, werdet ihr sehen, und dieses Sehen ist gleich Wissen.
Dann erst bricht ein Menschenherz und neigt der Mensch sein Haupt.
Viele ändern sich noch rechtzeitig und für andere ist es zu spät.
All dies könnte in ihrem düsteren Leben Nahrung sein, die das Licht bringt.
„Wie wahr ist alles“, dachte ich, genauso wahr, als dass der Mensch ein Herz besitzt und weiß, dass er Mensch ist."
Aber den Menschen als wirklich lebenden Menschen kennt man nicht; ist das nicht schrecklich?
Der wirklich lebende Mensch muss dem verschlossenen sagen, dass dieser lebend tot ist.
Der Mensch kann die Tiefe einer Seele nicht ergründen.
Er kann das unsichtbare Leben nicht annehmen. Und dennoch lebt es in ihm, ja er selbst ist das große Problem.
Trotzdem verflucht er und fährt fort mit Verfluchen, alles was er nicht begreift, also auch sich selbst.
Wenn Geister zu uns wiederkehren, die das ewige Leben kennengelernt haben, sollten wir davor dann unsere Augen verschließen?
Dürfen wir ihnen zurufen: „Geht an unserer Tür vorbei?"
Können wir sie nicht einen Augenblick hereinlassen?
Sie werden uns in unbekannte Gefilde führen und uns ungeahnt schöne Aussichten in strahlendem Glanz zeigen.
Sie werden von der Schönheit und Pracht der Natur sprechen und uns über Meere lotsen, zwischen gefährlichen Klippen hindurch, und die Stürme zu umsegeln wissen.
Als mein Patient fortgegangen war, sagte Alcar zu mir, dass ich die erhaltenen Beweise festhalten solle.
Ich erzählte einem Freund und meiner Frau, was ich erlebt hatte, und dass der Priester in dieser Nacht sterben würde.
Am nächsten Morgen, als ich mich angekleidet hatte, sah ich ihn.
Ich spazierte zum Wohnzimmer und spürte, dass ich unter Einfluss kam.
Als ich das Zimmer betrat, sah ich beim Christusbild den Geist von Priester X.
Ich erschrak und blieb stocksteif stehen.
In einem strahlenden Gewand stand er dort vor mir und sah mich mit diesem herrlichen Lächeln auf seinem Antlitz an.
Ich sank auf den Diwan nieder und fühlte, dass ich mit ihm verbunden wurde.
Da stand mein Freund, er war auf Erden gestorben!
Er hatte dem irdischen Leben Lebewohl gesagt.
Nunmehr war er auf ewig Geist!
„Nun bin ich gestorben“, hörte ich ihn sagen, „heute Nacht.
Oh, es ist hier so wunderschön!“
Ich weinte, tief getroffen durch so viel Schönes und Heiliges und nickte, konnte aber kein Wort sprechen, es war zu viel für mich.
„Ich bin gestorben und ich lebe“, sagte er wieder.
„Ich schwebe, Jozef!
Jozef, ich schwebte hierher“, wiederholte er.
„Niemand weiß es, nur du.
Ich kann noch nicht viel reden.“
Mit Zwischenpausen, Wort für Wort, hatte er gesprochen.
Ich sah, dass er seine Augen zum Himmel richtete.
Der Priester schaute in den unendlichen Kosmos; dort ging er seiner ewigen Ruhe entgegen, seinem Besitz im Leben nach dem Tode.
Er war bereits weit von der Erde entfernt.
Das Licht, das er ausstrahlte, war die Liebe, die er in sich trug,
entsprach Liebe, Licht und Glück!
„Wohin gehen Sie nun?“, fragte ich nach einer kurzen Weile.
„Jetzt gehe ich schön schlafen“, antwortete er, „ich bin müde.“
Nun sah ich, dass mein Führer zu ihm sprach und der Priester sah ihn an und ging fort.
„Lebe wohl, mein Jozef“, hörte ich ihn noch sagen, „ich komme wieder“, und er löste sich vor meinen Augen auf.
Dies alles war unbeschreiblich schön.
Am selben Abend standen alle Zeitungen voll über seinen Tod.
Jeder, der ihn gekannt hatte, rühmte ihn wegen seines edlen menschlichen Gefühls.
Ein großer Priester, Vater und Freund war hinübergegangen; er war unersetzlich.
Er hatte seinen Tod im Voraus gefühlt; ich hatte noch nimmer ein solches Sterben miterlebt.
Etwas Derartiges würde ich nicht so bald wieder erleben.
Vierzehn Tage vergingen.
Eines Nachmittags, als ich ruhig in meinem Zimmer saß, sah ich plötzlich den Priester.
Alcar machte mich darauf aufmerksam und verband mich mit ihm.
Lächelnd trat er auf mich zu.
„Nun ist alles vorbei“, sagte er, „ich bin wach, auf ewig wach.“
Er legte seinen Arm um meine Schulter und schwieg.
In Gedanken vertieft stand er da und ich spürte, woran er dachte.
Ein Lebensfilm zog nun an mir vorbei.
Dann sah ich den Augenblick unserer Verbindung kommen, und darin lagen schöne Abschnitte, zu schön, um sie jemals zu vergessen.
Danach sah ich sein Sterben und das Eingehen in die geistige Welt.
Erhaben, mächtig und tief war alles.
Als Denker stand er neben mir.
Die Weisheit hatte er im Leben erlangt, und nun war sie sein Besitz.
Er zeigte mir viele Zustände im Geiste, wo er bereits war.
Von der Erde gelöst, lebte er in der dritten Sphäre.
Noch eine Sphäre und er würde ins Sommerland eingehen.
Dann zeigte er mir ein anderes Bild.
Es war das Bild derer, die ihn zu mir gebracht hatte.
„Danke ihr, und überbringe allen anderen meine Grüße.
Ich lebe und bin glücklich.
Auf Wiedersehen, Jozef, ich komme wieder.“
Die Zeit brach an, da ich dies alles niederschreiben sollte.
Als ich die Botschaft von Alcar empfangen hatte, sah ich zusammen mit meinem Führer den Priester.
Er war erfreut, dass er zu mir wiederkehren durfte und alles vom Jenseits aus miterleben konnte.
Neben meinem Schreibtisch nahm er Platz, und als das geschehen war ging er wieder fort.
Er hatte noch nicht viel zu berichten.
„Später“, sagte er, „ich muss mir erst vieles zu Eigen machen, alles erst sehen!“
Eine Beschreibung seiner Sphäre konnte er nicht geben.
Er war kein Mensch der vielen Worte und musste das geistige Dasein noch kennen lernen.
Ich aber kannte die dritte Sphäre, ich war mit meinem Führer dort gewesen, und ich kannte auch das Glück, das diejenigen besitzen, die dort leben.
Sie alle sind Geister des Lichts und besitzen Liebe, reine Liebe.
Was soll ich dem noch hinzufügen?
Die Beweise sprechen für sich.
Allen Freunden und Familienangehörigen rufe ich von dieser Stelle aus zu: „Ihr geliebter Priester lebt und ist glücklich.
Sie werden ihn wieder sehen, denn er wird Sie nicht vergessen.
Falls dies einen einzigen von Ihnen überzeugen möge, so werden er und sein Sohn glücklich sein.
Er wartet auf Sie und dankt Ihnen für Ihre Liebe.“
Ich habe dies alles wahrheitsgemäß weitergegeben, wie ich es erleben durfte.
 
Wer sich Meister nennt auf Erden,
ist der Schüler im Jenseits.
Alcar