Die erste Sphäre nimmt mich gänzlich auf

Viel neue Freude schenkte mir der Spaziergang.
Ich be-trachtete das Leben dieser Sphäre nun wieder von einer völlig anderen Seite.
Als ich dies alles zum ersten Mal sah, betrachtete ich es nur von der Außenseite, jetzt allerdings drangen meine Blicke in das Leben ein.
Von den Menschen beispielsweise, denen ich begegnete, hatte ich, als ich sie zum ersten Mal sah, lediglich die wunderschönen, Licht ausstrahlenden Gewänder wahrgenommen.
Nun allerdings durfte ich in ihrem Inneren lesen und ich wurde gewahr, wie ihr Leben war, und woran sie dachten.
Diese Seelen hatten sich mir nun geöffnet.
Auch ich stellte mich ihnen gänzlich offen, alles durften sie von mir wissen.
Dieses beispiellose Glück schenkte mir das neue Bewusstsein, das ich von Vater erhalten hatte.
Ich sah andere Seelen, die nicht wie ihre Brüder und Schwestern offen standen.
Sie waren noch nicht vollkommen für das Leben hier bereit, fühlte ich.
Erst vor kurzem waren sie hier angekommen und mussten somit noch mit diesem Leben beginnen.
Diese Seelen würden wieder auf eine andere Art und Weise als ich das Bewusstsein über dieses Leben erhalten, je nachdem, wie ihr Zustand war.
„Waren das nun Zwillingsseelen?“ lautete die Frage, die sich mir stellte, als ich ein Grüppchen redend beisammen sah,
aber sofort wusste ich, dass dem nicht so war.
Diejenigen, die wirklich neben ihrer Zwillingsseele wandelten, strahlten dasselbe Licht aus, ihr Zwillingszustand war ihnen anzusehen, wie bei Vater und Angelika.
Ich sah davon nur wenige.
Die anderen spazierten an der Seite ihrer Schwestern und Brüder und tauschten Gedanken aus.
Welcher Zustand auch immer, sie alle verband ein- und dasselbe Gefühl: die Liebe!
Ich sehnte mich danach, hier mit einem geistigen Wesen an meiner Seite wandeln zu dürfen,
allerdings müsste das eine Mutter sein, die Bewusstsein erlangt hatte, sie allein konnte mir nun weiterhelfen.
Ich setzte meine Wanderung fort.
Gleich einem Sommermorgen auf Erden mutet die Natur hier an.
Ich ließ die erhabene Stille auf mich einwirken.
Wer sich von der Heiligkeit der Sphären ein Bild machen will, bedenke einmal, dass selbst diese Stille schon fast nicht zu verarbeiten ist.
So heilig ist sie, so tief ...
Nichts stört uns hier.
Die Blumen, sie strahlen nur.
Die Vögel, sie singen nur.
Das Wasser ist klar wie Kristall und kein Stäubchen trübt diese Reinheit.
Kein harter Stein, konnte meinen Fuß verwunden: So weich wie Moos war der Boden.
Tränen der Dankbarkeit rollten über meine Wangen und ich schämte mich ihrer nicht.
Ich sah auf meiner Wanderung mehrere Seelen, die Gott mit ihren Tränen dankten, da Worte es nicht vermochten.
Welch einen Besitz enthüllte die erste Sphäre denjenigen, die sich ihrer bemächtigt hatte.
Die Atmosphäre hier verändert sich nie.
Wie die Natur sich in all ihrer Sonnigkeit offenbart, ist sie die astrale Wirklichkeit, durchfuhr es mich plötzlich.
Wer gab mir diesen Gedanken ein?
Ich öffnete mich vollkommen und wartete auf die Erklärung.
Diese stellte sich jedoch nicht ein und so setzte ich meinen Spaziergang fort.
Ich schaute nach oben als erwartete ich, dort die Sonne zu sehen.
Das Gefühl allerdings, das wiederum in mir aufkam, sagte mir, dass die Sonne zum stofflichen Universum gehörte.
Das Licht, das ich hier sah, war das astrale Licht, das durch die guten Taten der ersten Seelen aufgebaut war.
Es wurde von ihren Nachfolgern in Stand gehalten und noch verstärkt.
Auch ich, durfte ich bezeugen, half beim Aufbau dieses Lichts.
Und dies gilt für jeden Menschen, der eine gute Tat verrichtet.
Niemals kann das Licht sich hier verfinstern, weder Regen noch Nebel können fallen oder aufziehen.
Diese Zustände gehörten zu den Sphären unter ihr.
Weil dort keine Liebe wohnte, konnte das Licht in diesen Sphären nicht scheinen.
So erging es den Menschen dort; wer nicht lieb hat, verschloss sich dem Licht.
Die Welten an dieser Seite entsprechen den Gefühlen des Menschen selbst!
Es ist ein Gesetz, dem sich keine Seele entziehen kann.
Dieser Gedanke versetzte mich in das Liebesgefühl, das die Seelen in diesem Himmel verband.
Wie wunderbar und weit war das Gefühl, das der eine hier für den anderen empfand.
Bewusst fühlte ich nun die selig machende Kraft dieser Liebe in mir.
Gott ist Liebe; Liebe bestimmt Seine Handlungen.
Liebe muss auch unsere Handlungen bestimmen.
Liebe errichtete die Sphären des Lichts, Hass errichtete die Höllen.
Liebe führt uns zum Herzen unseres Mitmenschen.
Liebe bereitet uns auf unsere Zwillingsseele vor.
Liebe lässt uns zu Gott zurückkehren.
Es ist immer und allein die Liebe, die uns in Gottes Raum höher führt.
Und wer hiernach nicht handeln will, wird die Höllen als seine Daseinssphäre annehmen müssen!
Das Leben in den Sphären des Lichts, wie heilig ist es.
Alles ist ungestört.
Abermals streiften meine Blicke die Gewänder.
Nicht ein einziges Gewand gleicht dem anderen, aber alle strahlen.
Auch um mich lag ein solches Gewand.
Und es schien mir, als gehöre es mir bereits Jahrhunderte lang.
Reine Schönheit ist es, was meine Auge sehen.
Auf Erden kann ein Mensch Schönheit besitzen, hier aber ist sie geistiger Besitz.
Eine seltsame Architektur weisen die Gebäude in der ersten Sphäre auf.
Sie stehen auf einer Anhöhe und sind aus schneeweißem Marmor errichtet.
Jedes dieser Gebäude hat seine eigene Bedeutung.
Dadurch unterscheiden sie sich auch hinsichtlich ihrer Ausstrahlung,
die gewissermaßen mein eigenes Leben berührt, da ich Teil dieser Sphäre bin.
Ein Gebäude zieht meine Aufmerksamkeit besonders auf sich.
Ich werde darauf zugehen und versuchen, herauszufinden, was das zu bedeuten hat.
Bereits beim ersten Schritt aber, den ich setze, weiß ich es.
Wiederum kommt der Gedanke wie von selbst in mir auf, es ist Vater, fühle ich, der mir nun aus der Entfernung hilft.
In diesem Gebäude werden sowohl die Kranken der Erde, als auch die Heilmethoden untersucht.
In diesem Tempel der Wissenschaft befinden sich, weiß ich nun auch, Vater und Angelika zurzeit.
Ich werde sie nicht stören und meinen Weg lieber ruhig fortsetzen.
Allmählich trete ich tiefer in das Leben der ersten Sphäre ein, sie beginnt, mich gänzlich aufzunehmen.
Mein Denken und Fühlen vertieft sich ebenfalls immer mehr, wie von selbst kommen die Gedanken und Bilder in mir auf.
Denke ich an einen Baum oder eine Blume, dann beginnen diese Kinder der Natur mir sofort von ihrem Leben zu erzählen, sodass ich es in all seinen Übergängen verfolgen kann.
Ein Vogel tut dasselbe.
Ein Gebäude erzählt mir, wozu es errichtet wurde, welchen Dienst es leistet.
Der Boden, auf dem ich wandle, sagt mir, wie er entstanden ist.
Auf diese Art und Weise dringe ich immer weiter in Gottes Schöpfung vor.
Ich setze mich auf eine der vielen Ruhebänke nieder und denke über alles nach, was mir offenbart wurde.
Wohin mein Blick auch schweift, überall lacht mir das geistige Leben zu.
Entlang der vielen Wege, die zu den Gebäuden führen, sehe ich Menschenmassen kommen und gehen.
Ich stelle mich auf sie ein und ich werde gewahr, dass sie damit beschäftigt sind, sich in dem einen oder anderen Studium zu vervollkommnen.
Reine Liebe und der Wille, sich dienstbar zu machen, spornen all diese Seelen an.
Mit Arbeiten und Bitten füllen sie ihre Zeit in dem Bedürfnis, sich einen höheren Gefühlsgrad zu Eigen zu machen.
Auch diejenigen, die dort umherspazieren oder sich hingelegt haben, sind damit beschäftigt.
So denkend, dringen sie tiefer in die Schöpfung ein und erreichen dadurch, dass ihr Gefühl, ihr Bewusstsein an Inhalt gewinnt.
Vögel gesellen sich zu mir und lassen sich auf meine Hände und Schultern nieder.
Ich betrachte die Tierchen und stelle fest, dass sie den östlichen Arten der Erde sehr ähnlich sind.
Ihre gesamte Ausstrahlung und ihr Tun und Lassen zeugen jedoch von großer Weisheit.
Diese Tierchen verstehen das höhere Bewusstsein, das unter den Seelen hier lebt und haben sich vollkommen darauf eingestellt.
Sie sind wie wir Menschen nach einer langen Entwicklungsstufe endlich hier angekommen und wachsen nun auf den höchsten Grad des Lebens, der für ihre Art zu erreichen ist, zu.
Dies geht wie von selbst.
Es ist die Natur, die dieses Leben zwingt, fortzugehen, um zu Gott zurückzukehren, Der es erschuf.
Ich erhebe mich.
Dort, nicht weit von mir entfernt, glitzert ein Teich.
Ich will auf ihn zugehen, mich an seinem Ufer niedersetzen.
Dieses Wasser möchte ich bitten, mir zu erzählen, wie es zu Stande gekommen ist.
Die Vöglein begleiten mich, fliegen mir voraus.
Gott, wie wunderbar ist Deine Schöpfung, immer und immer wiederhole ich es.
Das silberne Wasser erzählt und mit geneigtem Haupt und gefalteten Händen lausche ich.
So erreicht uns in den Sphären die Weisheit; das Leben selbst erzählt uns von seinem Entstehen und seiner Entwicklung.
Während ich über all dies nachdenke, erwacht plötzlich ein völlig anderes Gefühl in mir.
Ich folge ihm und die Gefühle führen mich zu einem Leben, das mit meinem verwandt ist.
Ich kenne dieses Leben und fühle mich eins mit dem Glück, das davon ausstrahlt.
Dieses Gefühl verstärkt sich und ich erhebe mein Haupt und blicke mich um, in der Annahme, dass jemand sich mir nähert.
Darauf sehe ich in das Gesicht meines eigenen Kindes.
„Liesje!“ sage ich, „Liesje, kommst du mich besuchen?“
Sie setzt sich neben mich und ich wähnte mich wieder wie früher auf Erden, als wir auf der Bank hinter unserem Häuschen Platz genommen hatten und uns unsere Geschichten anhörten.
Und trotzdem ist es wieder anders.
Dort fühlte ich mich als Vater meines Kindes.
Hier fühle ich sie als meine Schwester.
Liesje ist sich ihres Lebens hier bewusst.
Sie erzählt mir davon und spricht mit viel Liebe über Angelika, die ihr bei allem half.
Wir sprechen über Mutter im Dämmerland und über die Möglichkeiten, ihr zu helfen.
Ich erzähle ihr von allem, was Vater mich über das Paradies lehrte, in dem wir nun verweilen, und sogleich zeigt sich mir, wie tief sie sich dessen bereits bewusst ist, denn wir ergänzen uns in vielerlei Hinsicht.
Ihr und mein Leben auf Erden verfolgen wir und darauf sagt Liesje mir, was sie tun wird, um sich weiter zu vervollkommnen.
Sie wird nicht mehr zur Erde zurückkehren, ihr Leben hat von ihr Abschied genommen.
Als ich darüber nachdenke, mir vorstelle, dass ich demnächst wieder unter irdischen Menschen leben werde, wird es mir doch eben unheimlich zu Mute.
Ich werde wieder Kind sein, den Reifeprozess erleben, ich werde einer Frau angehören und möglicherweise wieder Kinder haben ...
Wie anders werde ich dann jedoch das Leben erfahren, inniger und bewusster.
Und darin liegt die Bedeutung des Menschenlebens; es verschafft uns die Möglichkeit uns in Gottes Gesetzen zu vervollkommnen.
In einem einzigen Leben wäre das unmöglich.
Ein Menschenleben ist schon zu kurz, um nur eine schlechte Eigenschaft in eine gute umzusetzen.
Und wie viele Eigenschaften kennt unserer Charakter nicht?
Und könnte ich mich in einem einfachen Leben zu einer Höhe in der Kunst, in der Wissenschaft aufschwingen?
Kann ich mir in einem einzigen Leben eine Welt des Gefühls zu Eigen machen?
Könnte ich mich in einem einzigen Leben auf einen Himmel vorbereiten?
Millionen von Gesetzen regieren Gottes Leben, ich muss sie alle bewusst kennen; kann mir das in fünfzig, sechzig Jahren gelingen?
Es ist Gottes Wille, dass wir den Raum, den Er für uns erschuf, kennen lernen.
Es ist Gottes Wille, dass wir Ihn Selbst, dass wir Sein Heiliges Wesen kennen lernen.
Er will, dass wir als bewusste Seelen zu Ihm zurückkehren.
Und um dies zu ermöglichen, gewährt Er uns in Seiner Allmächtigen Weisheit, mehrere Leben zu leben.
Gott ist Liebe!
Hier in den Sphären sitzend, kann ich es wahrnehmen.
Wohin mein Blick auch fällt, überall strahlt mir die Liebe entgegen.
Ich sitze hier Hand in Hand mit einer geliebten Schwester.
Auf Erden war sie mein Kind.
Hier im Ewigen Leben ist sie meine Schwester, denn in dieser bewussten Welt ist der eine nicht das Kind des anderen, sondern sind wir alle gleich!
Ich fühle, dass Liesje hierher gekommen ist, um Abschied zu nehmen.
Abschied für lange Zeit.
Beide werden wir uns einer eigenen Aufgabe widmen.
So will es unser Leben hier, so will es der bewusste Mensch, getrieben von seinem unlöschbaren Verlangen, tiefer in Gottes Schöpfung vorzudringen.
Vater und Angelika wünschten bei diesem Abschied anwesend zu sein.
Glückliche Augenblicke erleben wir vier, wir versinken ineinander, werden von Gefühl zu Gefühl eins und genießen unsere Liebe zueinander.
Darauf nehmen wir Abschied.
Vater und Angelika kehren zum Tempel zurück.
Liesje sehe ich in der Unendlichkeit verschwinden, eine Unendlichkeit, in der sie ihren Weg kennt.
Ich setze meinen Spaziergang fort.
Auch dieser Abschied hat wiederum seinen Sinn.
Ich verstehe, warum sie zu mir kamen und mich allein zurückließen.
Der Kontakt musste unterbrochen werden, da wir sonst nicht weiter kommen würden.
Wir müssen nun auf eigenen Beinen stehen.
Dennoch weiß ich, dass sie mir folgen werden.
Ich schlage einen Pfad ein, der mich von den Gebäuden wegbringt und mich zur Stille führt.
Hoch erheben sich hier die Bäume, zu einer Höhe, die sie auf Erden nicht erreichen.
Sie ähneln Zypressen, auch wenn die Blätter eine andere Form besitzen.
Und wiederum sprechen Baum, Pflanze und Tier zu mir.
Die Natur selbst ist mein Lehrmeister und sie wird mir helfen, mein Bewusstsein zu erweitern.
Herrlich ist dieser Spaziergang durch die Gärten Gottes.
Es ist, dass die Erde mich ruft, sonst würde ich ihn noch lange nicht abbrechen wollen.
Wieder setze ich mich nieder und folge allem, was die Natur mir enthüllt.
Ich sehe die Grade des Lebens, von denen sie zu mir sprach und nehme sie in mein Bewusstsein auf.
Darauf überkommt mich eine große Stille, ich lasse mich darin fallen.
Ich nehme ein wunderschönes Gebäude wahr, das ich vordem noch nicht sah.
Ich beginne zu fühlen, dass dieses Gebäude für mein Leben Bedeutung hat.
Beten will ich nun, denn ich fühle, dass das höhere Bewusstsein in mich kehrt.
Ein majestätisches Gebäude ist es, die strahlenden Türme dringen bis ins Firmament vor, ja lösen sich gewissermaßen darin auf.
Das Gefühl erwacht in mir, mich auf das Innere des Gebäudes einzustellen.
Während ich dies tue, beginnt eine weiche, klangvolle Stimme zu mir zu sprechen.
Sie kann nur an mich gerichtet sein, denn ich bin an diesem Ort ganz allein.
„Trete ein, Kind Gottes.
Habe das Leben lieb und du wirst den Segen von Ihm, Der uns das Leben gab, empfangen.
Gehe in Seine Gesetze über und mache sie dir zu Eigen.
Wir alle taten es und unser Leben wurde dadurch bereichert.
Fürchte dich nicht davor, zu hören, was das Leben erzählt.
In dieser Abstimmung kann dir nur Glück geschenkt werden.
Wir werden dir in allem folgen.
Sei dir unserer Hilfe versichert.
Wir grüßen dich.
Gott ist Liebe.
Betrete diesen Tempel und versuche dich dabei auf uns abzustimmen, damit das höhere Bewusstsein in dich kehrt.
Verfolge alles und habe in der reinen, geistigen Bedeutung lieb.
Möge Gott dir die notwendige Kraft geben.
Wisse, dass wir alle warten.“
Die Stimme hörte auf zu sprechen.
Sofort darauf sah ich hoch am Firmament einige Licht ausstrahlende Gestalten.
„Die Meister dieser Sphäre“, kam in mich, „grüßen dich.
Sie wissen, dass du in den Sphären lebst und folgen dir.
Gehe also beruhigt weiter, Theo.“
Vater!
Das konnte nur Vater sein, nur er spricht so meinen Namen aus.
Und ich fühle ihn nun auch, mit Angelika, und weiß mich von ihrer Liebe getragen.
Ich hatte Angst, gleich weiterzugehen, ich wagte keinen Fuß zu setzen, verängstigt durch die Macht des Geschehnisses.
Nun hat sich diese aufgelöst.
Die Meister wissen, dass ich hier lebe.
Sie kennen jede Seele, die hier eintritt, ihr enormes Bewusstsein macht dies möglich.
Sie sorgen für das gesamte Leben hier und wachen darüber.
Auch dies ist wunderbar und rührend zugleich.
Darauf führen meine Füße mich zu einem lieblichen Ort, der einem wie auf Erden angelegten Park ähnelt.
In der schönsten Ordnung stehen hier Bäume und Blumen beisammen, Springbrunnen sprühen und das Tierreich zeigt sich in den herrlichsten Farben.
Ich beuge mich über den silbernen Spiegel eines Teiches und sehe mich darin selbst.
Ich erkenne diesen Menschen fast nicht mehr wieder.
Ich bin wie auf Erden, aber verjüngt.
Weich ist die Ausstrahlung meiner Augen.
Es arbeitet in mir und etwas ist in mir aufgegangen.
Danach beginne ich zu fühlen, dass es mir gut geht, mein Leben erhält bereits geistige Bedeutung.
Ich nehme wahr, dass ich meiner Annie gleich helfen kann.
Ich sehe sie nun in ihrer eigenen Umgebung vor mir, sie ist bereits mit etwas mehr Licht umgeben!
Auch sie ist also dabei, zu erwachen, gleich werde ich sie besuchen können.
Nun spricht die Natur wieder zu mir.
Im Wasserspiegel sehe ich ihr Leben Grad für Grad an mir vorbeiziehen.
Dann wird es plötzlich finster.
Ich kann mich nicht mehr orientieren, aber dann spricht eine Stimme in mir.
Sie erklärt mir, dass dies die Finsternis vor der Schöpfung war.
Nicht lange danach nehme ich Licht wahr und sehe ich die allerersten von Gott erschaffenen Lebenszeichen.
Darauf sehe ich Wasser.
Es ist wie das Wasser, in dem ich dies alles wahrnehme.
Das Wasser, in das ich schaue, ist dünner, es ist aus dem anderen entstanden.
In ihm lebt Beseelung und es zieht mich in die Gesetze.
In diesem Wasserspiegel enthüllt sich daraufhin der gesamte Schöpfungsprozess: Wie Gott den Menschen erschuf, das Tier und das Pflanzenleben.
Ich verfolge die ganze Entwicklung des Göttlichen Schöpfungsplans so lange, bis ich in den stofflichen Raum komme, in dem die Erde lebt.
Darauf sehe ich mich selbst, wie ich in die astrale Welt eintrete.
Mein Gott, wie unendlich reich und wunderbar ist Deine Schöpfung, wie dankbar bin ich Dir, dass ich sie erleben darf.
Und noch, ich fühle es, weiß ich nur einen kleinen Teil all dessen, was dort an Wundern lebt.
Wie viel muss ich mir noch zu Eigen machen?
Aber auch dafür wird mir Zeit gegeben; das Gebäude, das sich dort strahlend vor mir erhebt, hat mir noch unendlich viel mehr zu enthüllen.
Ich werde noch oft dorthin zurückkehren.
Dann fühle ich, dass jemand sich mir nähert.
Es muss jemand sein, dem ich hier noch nicht begegnet bin.
Ich schaue auf und sehe in das Gesicht eines bildschönen Wesens.
Mein Gott, was steht mir bevor?
Die Frau nähert sich mir.
Ich möchte niederknien.
Das blaue Kleid, das sie trägt, strahlt mir entgegen.
Wir schauen uns tief in die Augen und sinken in unsere Seelen herab.
Sie sieht in meine Leben und ich in die ihren und beide danken wir Gott.
Wir sprechen kein Wort, aber diese Begegnung bedarf keiner Worte.
Wer ist sie?, denke ich und sie fragt sich dasselbe.
Ich fühle sie als wäre sie ich selbst.
Sie muss eine Schwester von mir sein.
In Gedanken bitte ich sie, sich neben mich zu setzen.
Sie tut es.
Sie öffnet sich mir vollkommen, ich darf ihr bis in ihr tiefstes Innere folgen.
Ich lese in ihr, dass sie diese Welt wieder verlassen wird, um abermals zur Erde zurückzukehren.
Sie hat sich bereits völlig auf die Erde eingestellt, daher kann ich ihr folgen.
Sie zeigt mir nun ihr Leben, das sie erlebte, bevor sie diese Seite betrat.
Ich zeige ihr das meine.
Sie kehrt zur Erde zurück, um dort die Mutterschaft zu erleben, dann allerdings auf geistiger Abstimmung.
Nun schon muss sie sich vorbereiten, um von der Erde angezogen zu werden, in hundert Jahren wird dies der Fall sein.
Ich habe reine Ehrfurcht vor diesem Leben; wer dieser Seele demnächst auf Erden begegnet, wird von ihr ausschließlich Glück empfangen.
Ich fühle sie wie ein Kind, das voller Liebe ist.
Diese Liebe ist ihr Besitz, sie ist Liebe geworden.
Sie wünscht nun in der Mutterschaft ihren Grad zu erlangen, und da dies nur auf Erden geschehen kann, schenkt Gott ihr diese Gnade.
Ihr goldglänzendes Haar wellt sich über ihre Schultern, fein und herrlich ist ihre Gestalt.
Ein himmlisches Glück fühle ich, als ich sie ansehe.
Mein Gott, wie verarbeite ich das nur – wie kann ich Dir danken – mein Gott, ich stehe meiner Zwillingsseele gegenüber!
Dieses schöne Wesen gehört zu mir, sie ist wie ich, sie wird ewig die meine sein!
„Seele meiner Seele“, sage ich, „ist dies alles wahr?
Weißt du, dass wir für ewig und immer zueinander gehören werden?
Dass Gott uns beiden das neue Leben schenken wird?
Weißt du, dass wir uns dort wieder treffen werden?
Sage mir, sind diese Gefühle auch in dir anwesend?“
Wir sehen uns an und unsere Blicke sprechen, was Worte nicht vermögen.
„Gott gab mir die Gnade dich zu sehen.
Nun musst du wieder fortgehen, ich weiß es.
Ich grüße dich, bis bald!“
Mehr, viel mehr hätte ich noch sagen wollen, aber es ist nicht mehr möglich.
Die heilige Gestalt hat sich vor mir aufgelöst.
Ich falle in einen Zustand der Bewusstlosigkeit.
Wie lange dieser anhielt, weiß ich nicht, aber als ich die Augen aufschlug, stand Vater vor mir.
Und er bestätigte alles, was ich erlebt hatte.
„Wo ist sie nun, Vater?“ wollte ich wissen.
Die Gefühle, die er in mich legte, sagten mir alles und ich wusste, dass ich ihr nun nicht mehr folgen durfte.
Wie sie, musste auch ich mich vorbereiten, damit ich bereit sein würde, wenn der Augenblick gekommen war, meine Reise zur Erde anzutreten.
Beseelt durch dieses Zusammentreffen mit meiner Zwillingsseele, arbeitete ich noch ernsthafter als zuvor an meiner Entwicklung.
Ein halbes Jahr, nach irdischer Zeit, blieb ich unterwegs und führte inzwischen viele Gespräche mit den Seelen, denen ich auf meinem Weg begegnete.
Ich erkundete das Leben meiner Sphäre und meditierte.
Darauf kehrte ich zu meinem Vater zurück und traf ihn in seiner Wohnung an.
Ich brauchte ihm über meine Reise nichts zu erzählen, er war mir in allem gefolgt.
Der Augenblick war da, so sagte er mir, um zu Annie zu gehen.
Erst wollte er mich aber noch lehren, wie ich mich zur Erde bewegen konnte.
Dazu brachte er mich in den stofflichen Raum und lehrte mich, sie zu erreichen.
Nun war ich bereit, ins Dämmerland herabzusteigen und Annie aufzusuchen.
Wie würde ich sie antreffen?