Zwillingsseelen

Wer oder was ist unsere Zwillingsseele?
Dieses faszinierende Thema kommt in den Büchern, die durch Jozef Rulof auf die Erde gekommen sind, auf vielfältige Art und Weise vor.
Wir führen hier lediglich einige Passagen aus den vorstehenden Büchern an, als Einleitung.
Wir fangen mit einer Passage aus "Der Kreislauf der Seele" an.
Meister Emschor erklärt Lantos, warum Lantos eine unbekannte Anziehungskraft zu Marianne fühlte, seiner Jugendfreundin.
„Du kennst Marianne?“
„Ja, ich kenne sie.
Du hast hier mit ihr gespielt, ich folgte dir in allem.“
„Weißt du, wie sie hinübergegangen ist?
Kannst du mir davon erzählen?“
„Ja, aber später, wenn wir so weit gekommen sind, hab also noch etwas Geduld.“
„Warum verhielt sie sich so merkwürdig, wenn ich dir diese Frage stellen darf?
Ich meine, in meiner Jugend.“
„In ihr lagen dieselben Gefühle wie in dir, und zwar die Verbindung mit dir, doch auch sie war sich dessen nicht bewusst.
Auch nicht, wenn sie erneut geboren werden sein wird.
Aber einmal ist es so weit, dann weiß sie, dass sie die Deine ist.
Du weißt es bereits jetzt, aber sie wird in dieses Gefühl übergehen.
Ihr beide habt zunächst noch etwas gutzumachen, sie auf Erden, du an dieser Seite.
Deshalb handelte auch sie nach einem inneren Drang.
Doch sie wird ihr eigenes Leben durchmachen müssen, genau wie du.
Es dürfte dir also klar sein, dass das zur Vergangenheit gehört, was der Mensch in seinem irdischen Leben nicht begreift, und dennoch fühlt.
Einst jedoch wird es ihm bewusst, und zwar an dieser Seite.
Dort, auf Erden also, ist dies nicht möglich.
Du blickst nicht hinter den Schleier, fühlst nicht die Tiefe deines eigenen Lebens, kannst nicht durch all die Jahrhunderte blicken.
Dies, ich sagte es dir bereits, können allein diejenigen, die die Kräfte dazu besitzen, und die die kosmisch Erwachten sind, die Meister, die die höchsten Sphären erreicht haben, die mir und dir zur Seite stehen, um die Menschheit auf Erden von ihrem ewigen Fortbestehen und dem Kreislauf der Seele zu überzeugen.
Zugleich, dass sie dort sind, um gutzumachen und zu lernen lieb zu haben, was Gottes Leben ist.
Das ist der Weg, den sie beschritten haben, und den du und ich und Millionen beschreiten werden.
Sie, Marianne, handelte also nach ihrem inneren Gefühl, das tief in ihr verborgen lag.
Ihr beide seid Zwillingsseelen, seid eins in allem, im Gefühl, im Verstehen und in der Liebe.
Doch diese Verbindung werdet ihr erst an dieser Seite empfangen.
Erst später, mein Lantos, denn ihr seid dabei es zu verdienen, hörst du, zu verdienen.
Ihr könnt nun keinen anderen mehr lieb haben.
Diese Einheit des Gefühls geht in euch beide über.
Darin fühlt ihr euch selbst, erkennt ihr euch selbst, darin fühlt ihr Gottes heilige Liebe.
Diese Liebe ist mächtig, und weil sie mächtig ist, werdet ihr euch jene große Kraft, die Glück und Seligkeit bedeutet, verdienen müssen.
Du an dieser Seite, Marianne auf Erden.
Sie wird nun gutmachen müssen, was sie deinem Freund Roni einst angetan hat.
Auch das werde ich dir zeigen, aber später.“
„Habe ich es denn richtig gefühlt, als ich hier umherspazierte und ihre Figur in meinen Armen trug?“
„Ja, doch es waren meine Gefühle.
Ich legte jene Wahrheit in dich, die du fühlest, aber nicht begriffen hast.
Nun ist dir alles klar und ich rate dir dies zu akzeptieren.“
„Bin ich ihr schon auf Erden begegnet?“
„Ja, du kanntest sie und sie kannte dich schon vor vielen Jahrhunderten, doch ihr beide habt euer Glück zerstört.
Der Mensch wird vernichten, was er nicht kennt, und trotzdem gehört es zu ihm, zu seinem inneren Leben.
Doch ihr ward noch nicht so weit.
Darum sind alle Menschen noch nicht bewusst, noch nicht so weit, um diese große und heilige Liebe zu empfangen.
Sie denken, dass sie jene Liebe besitzen, doch das sind eigene Gedanken und Sehnsüchte, die keine geistige Wahrheit enthalten.
Sie haben weder Begriff von geistiger Liebe noch von geistiger Einheit und Verständnis.
Was sie fühlen, gehört zum stofflichen Leben und sind irdische, also stoffliche Gefühle.
Dieses Gefühl liegt weit vom geistigen Glück entfernt.
Alle, wer auch immer, werden sich entwickeln müssen.
Doch das kostet Kampf, Leid und Schmerz; aber allein dadurch kann man sich des großen und mächtigen Glücks bemächtigen.
In diesem, im Leben des Geistes, werden alle Menschen verbunden werden.“
„Auf Erden empfängt also niemand diese Liebe?“
„Doch, sicher.
Auf Erden leben Menschen zusammen, die bereits so weit sind, doch all diese Wesen gehören zu den Begnadeten, denn sie sind in allem eins.
Aber wenn es auch nur einen einzigen Gedanken gibt, den der eine zum anderen schickt, und der nicht verstanden wird, hat diese Verbindung keine geistige Bedeutung, und es ist eine irdische Verbindung.
Diese Verbindung wird erst dann geistig sein, wenn die Menschen, also Mann und Frau, diese Liebe besitzen und innerlich tragen.
Aber dann gehören sie zu unserer Welt und sind Kinder im Geiste; hörst du: Kinder.
Zwillingsliebe, auf die du wartest und dabei bist, dir diese zu verdienen, ist die heiligste Verbindung, die wir an dieser Seite kennen, ist das höchste Glück, das Gott Seinen Kindern schenken kann.
Diese Liebe gibt, sie dient; sie geht über in ihn und er in sie, sie leben durch ihr Gefühl, im Gebet und im Glauben und wirken für ein einziges Ziel, um den Menschen und alles andere Leben, das Gott geschaffen hat, glücklich zu machen.“
„Dann brauchst du mir nichts mehr zu sagen.
Dann bin ich noch nicht so weit.“
„Danke; es ist wunderbar, dass du beginnst mich zu verstehen.
Mach weiter so, dann kann und werde ich dir viele Wunder erklären.“
„Indem ich ihr immer und immer wieder begegnete, bin ich mir also ihrer Liebe bewusst geworden?“
„Ja, so ist es.“
„Wir mussten also auseinander gehen?“
„Das war notwendig und wiederum auch nicht.
Du hättest es durch Kampf überwinden können, indem du ein Leben als eine Hölle akzeptiert hättest, wodurch du Liebhaben gelernt hättest.
Wer will das auf Erden?
Doch das ist der Weg.
Das Wesen also, die Seele, wird dem Wesen begegnen, das kosmisch zu ihm gehört.
Schon wieder Gottes Wille und ein Gesetz, woran kein Mensch etwas ändern kann.
Doch der Mensch akzeptiert nicht, er geht fort und sucht und sucht so lange, bis er die verfolgte Absicht erreicht zu haben glaubt, und sieht darin seine Liebe.
Darum wird der Mensch, wird die Seele auf die Erde zurückkehren, werden Menschen einander begegnen, stets aufs Neue begegnen, da sie eins sind, ein und dasselbe Leben erleben, was ihr Kreislauf auf Erden im Seelenleben ausmacht.
Dafür, mein Lantos, ist die Erde da, der Planet, zu dem wir gehören.
Die Erde und unser Leben dienen als Läuterungssphären.
Wenn diese einmal abgelegt sind, macht sich die Seele bereit, um in den vierten Grad der universellen Abstimmung einzugehen.
Es gibt sieben Grade, und du fühlst wohl, dass Tausende von Jahren vergehen werden, ehe wir so weit sind.“
Der Kreislauf der Seele, 1938
Meister Emschor lebt bereits in der ewigen Zwillingsseelenliebe:
„Hast du dieses Große bereits empfangen?“
„Ja, Lantos, mir ist dieses Große gegeben.“
„Und du bist alleine?“
„Nein, ich werde nie mehr allein sein können, da dieser Besitz in mir liegt.
Fühlst du die tiefe Bedeutung hiervon?“
„Ja, ich fühle es, denn du bist in diesen Besitz übergegangen.“
„So ist es.
Es ist keine Trennung mehr möglich, da ich in dieser Abstimmung lebe.
Es ist mein Besitz.“
„Auch der ihre?“
„Wir sind eins, Lantos, werden eins bleiben, auch auf der Entfernung.
In unserem Leben gibt es keine Entfernung mehr, wenn Seelen eins sind, ein und dieselbe Liebe fühlen.
Was ich erlebe und fühle, erlebt sie.
Begreifst du, wie tief, ja wie heilig diese Verbindung ist?“
„Das liegt noch weit von mir entfernt.“
„Nein, wenn du weiterhin das Gute suchst, wirst du dieses Mächtige in einigen Jahrhunderten empfangen.“
„Jahrhunderten, sagst du?“
„Jahrhunderten, Lantos.
Aber was heißt das, du lebst schließlich in der Ewigkeit?
Was ist ein Jahrhundert?
Was ist eine irdische Lebenszeit?
Doch nichts.
Du sollst dich würdig machen diese geistigen Schätze zu empfangen.
Einst wirst du zu Gott beten noch ein wenig warten zu dürfen.
Du wirst Ihm zurufen, dass du noch nicht so weit bist und Angst hast, dass du diese Liebe abermals nicht verstehen wirst.
Fühlst du, wie mächtig jener Besitz, die Kraft und das Glück ist, diese Liebe zu fühlen?
In einem anderen Wesen dieselbe Liebe fühlen zu dürfen, wie du selbst bist und besitzt?
Nochmals, was sind Jahrhunderte?
Der Kreislauf der Seele, 1938
Als Lantos nach seinem irdischen Leben das Leben seiner Zwillingsseele Marianne betrachtet, ist er froh, dass er ihr nicht in diesem Zustand begegnet ist:
Ich kehrte zu ihrem eigenen Leben zurück und sah, dass sie wie all die anderen Frauen war, die ich auf Erden kennengelernt hatte.
Wenn ich ihr in dieser Situation begegnet wäre, hätte ich mich auf der Stelle von ihr abgewandt und wäre fortgegangen.
Ich dankte Gott, dass mir dies erspart geblieben war.
Es hätte meine Liebe zu ihr zerstört.
War das Marianne?
Nun verstand ich auch ihr Flehen, nicht nach ihrem Leben zu fragen, weil sie dafür stichhaltige Gründe hatte.
Trotzdem hatte ich sie lieb, denn sie war die Meine.
Einst werden wir verbunden werden.
Mein Kreislauf auf Erden ging zu Ende und auch ihrer würde enden.
Früher oder später war es so weit und wir waren auf ewig eins.
Alles konnte ich ihr vergeben, jetzt, da ich wusste, wie mein eigenes Leben gewesen war.
Etwas hielt mich mit ihr verbunden, und das war die Vergangenheit.
Im alten Ägypten wurde es mir gezeigt, und nun war ich dafür sehr dankbar.
Wie schön war meine Marianne!
Ihre goldblonden Locken, ihre gesunde Gesichtsfarbe und ihre strahlenden Augen verliehen ihr diese Schönheit.
Aber was ist der Mensch, der sich selbst nicht kennt und sich vergisst?
Was ist irdische Schönheit, wenn die inneren Gefühle ins stoffliche Leben übergehen?
Sie vergaß sich, weil sie sich selbst nicht kannte.
Sie würde sich erst in einem anderen Leben kennenlernen.
Nun sah ich es als erforderlich an, dass sie zurückkehren wird, denn in dem Leben wird sie erwachen.
Aber wie tief war alles, jetzt, da ich dies wusste und es vollkommen verstand!
Was ist der Mensch, wenn er diese Naturkräfte besudelt und seinen schönen Körper entehrt?
Ich empfand es nicht nur als einen Fluch, sondern der Mensch forderte Ihn heraus, seinen Gott, der ihm diesen schönen Körper geschenkt hatte.
Wie groß war bereits diese Gnade, diesen zu besitzen, denn viele waren missgebildet und gebrechlich.
Ich hasste meinen Freund Roni, weil er seinen schönen Körper besudelte.
Er war wie ein Adonis, aber innerlich ein Tier.
Marianne hatte sich ihm hingegeben, sie wurde verwöhnt, aber zugleich verhöhnt und verspottet.
Andere besudelten ihre Schönheit, die mir heilig war.
Nein, in jener Zeit gehörten wir nicht zueinander, wir würden einander nicht verstanden haben.
Sie konnte die Größe meiner Liebe nicht fühlen. Nur Gott wusste, dass es noch nicht an der Zeit war. Und so geschah, was sich als notwendig erwies.
Marianne hätte mir, das sah und fühlte ich erst jetzt, nicht die höchste Inspiration geben können, und das wäre für mich ein Schock gewesen, wenn ich das erlebt hätte.
Nun dankte ich Gott, dass ich ihr nicht eher begegnet war.
Ich konnte Roni nun vergeben, ich hasste ihn nicht mehr, und Marianne hatte ich lieb, sie war meine Zwillingsseele und er mein Bruder geworden.
Mit Marianne fühlte ich mich eins, eins in der Seele, und das werden wir ewig bleiben.
Dies war ein kosmisches Gesetz, Gott wollte es, im Universum lag es fest.
Die Tiefe dieses Problems konnte ich noch nicht herausfühlen, doch ich akzeptierte, denn in mir lag das sehnende Gefühl.
Der Kreislauf der Seele, 1938
Der Kreislauf der irdischen Inkarnation ist für Lantos vorüber und als Geist studiert er das Leben auf der Erde.
Neun Jahrhunderte lang folgt er dem irdischen Menschen in allem und hierdurch kann er später die Studienbücher der Universität des Christus schreiben, weil er alle behandelten Themen selbst von einem einzigartigen Standpunkt als Lichtgeist aus sehr ausführlich studiert hat.
Diese ganze Zeit über hat er auch warten müssen, seine Zwillingsseele wiederzusehen, weil Marianne in der Welt des Unbewussten auf ihre neue Geburt wartete.
Und dann ist endlich der Moment angebrochen, in dem Marianne auf der Erde reinkarniert.
Als sie in dem neuen Leben siebzehn Jahre alt ist, bringt Emschor Lantos zu Marianne:
Ich wartete ab, und nach einem kurzen Augenblick trat sie ein.
Mein Herz klopfte vor Sehnsucht.
Marianne, meine Zwillingsseele, meine ewige Liebe!
Neun Jahrhunderte hatte ich auf diesen Augenblick warten müssen.
Mein Meister fasste meine Hand und ich wusste, was dies zu bedeuten hatte.
Ich wurde mit ihr verbunden.
Deutlich sah ich ihr inneres Antlitz aus ihrem vorigen Leben.
Man konnte es in diesem Stoffkörper wahrnehmen, doch von dieser Seite aus, und es hatte allein für mich eine Bedeutung.
Marianne war siebzehn Jahre alt.
Ich ergründete ihr Innenleben.
Sie besaß alles, was sie in ihrem vorigen Leben erlernt hatte. Tief in ihrer Seele lag ihr Verlangen, das Verlangen, das Eine zu empfangen.
Doch ach, wie weh tat es mir, diese Liebe würde sie auch in diesem Leben nicht empfangen.
In diesem Leben hatte sie etwas gutzumachen und sollte sich einer Läuterung unterziehen.
Ihr Stoffkörper war nun anders als in ihrem vorigen Zustand, aber innerlich hatte sich an ihr nichts verändert.
Ich schaute in sie und nahm in ihr wahr, und als ich ihr tiefes Inneres gänzlich kannte, kehrte ich zu mir selbst zurück.
Der Kreislauf der Seele, 1938
So weit "Der Kreislauf der Seele".
Auch Jozef Rulof ist seiner Zwillingsseele in seinen früheren Leben bereits begegnet.
Als Dectar im Alten Ägypten war er sich ihrer Existenz bewusst, aber in jenem Leben konnte er nicht mit ihr zusammensein, weil sie beide in den Gesetzen von Ursache und Wirkung lebten.
Trotzdem erinnert er sich an ein Beisammensein auf "der Wiese", einer geistigen Sphäre, die mit der Erde in Verbindung steht:
Auf der „Wiese“ kann man herrlich spazieren gehen; es ist wie eine Reise durch den Raum.
Der Zauber, der davon ausgeht, ist himmlisch.
Ich war dort vor sehr langer Zeit, Venry, aber damals war ich jemand anders und hatte somit einen anderen Körper und einen anderen Namen.
Doch jenes Leben sehe ich ganz klar vor mir.
Als ich dort war, kannte ich sie, und sie war so lieb, ach so lieb, Venry.
Oft denke ich daran, und dann sehe ich mich selbst und sie und wir spazieren in der Stille.
Und deshalb weiß ich, dass sie auf der Erde ist, und ich werde sie dann wiedersehen.
Dann weiß ich, dass auch sie einen neuen Körper bekommen hat.
Doch dann, lieber Venry, erwachen Sehnsüchte in mir, denn meine Seele ist eins mit ihrer.
Auch denke ich, dass sie eine Priesterin ist, denn dann spüre ich sie ganz in meiner Nähe und suche sie auf Isis.
Doch wenn ich mich hingegen ganz leer mache, um den Gefühlen und meinem Sehen zu folgen, dann sehe ich sie in der Welt.
In dem Antlitz, das sie nun besitzt, Venry, sehe ich dennoch das andere, und das, Venry, ist mir so lieb, denn sie ist nur mein, Venry.
Ihre Seele und meine Seele sind eins; die Götter machten aus uns ein einziges Wesen, und das wird auf immer so bleiben.
Doch wir mussten uns wieder trennen, Venry, und das erleben alle Menschen.
Es gibt nur eine einzige Seele, die zu uns gehört, und wir kennen diese Seele, auch wenn ich nun ein Priester bin.
Ich kann nicht glauben, dass sie mich vergessen hat.
Von wem könnten diese Gefühle sein, die dennoch in mich kommen?
Auf der ganzen Erde gibt es nicht einen einzigen Menschen, lieber Venry, der diese innigen Gefühle auffangen kann, denn ich bin wie sie, niemand anders kann so sein, wir sind gänzlich eins.
Spürst du, lieber Venry, was das bedeutet?
Wir sind wie zwei Blüten gleicher Farbe und gleichen uns, wie das Junge und seine Mutter sich gleichen.
Wie zwei Sterne.
Wir sind im Fühlen und Denken eins, obwohl ich andere Eigenschaften besitze.
Für sie lebe ich, sie lebt für mich, und wir beide dienen.
Durch mich wird sie atmen, Venry, denn sie spürt mein Herz, mein ernstliches Wollen, so dass unsere Dankbarkeit groß ist.
In ihr sehe ich das Leben in Gestalt, wir beide gehen darin über, sind jedoch nunmehr auf dem Weg, bereits seit Jahrhunderten auf dem Weg, lieber Venry, weil wir uns vergessen haben.
Die Erde ist groß, mein Freund, die Natur ist wundervoll, ein funkelnder Sternenhimmel überwältigt uns, doch diese Liebe, mein Freund, übertrifft alles.
Ich bin absolut nicht eitel, wenn ich sage, mein Freund, dass wir beide alles besitzen, und dieses „Alles“ heißt, dass uns der gesamte Raum gehört.
Doch ich bin noch nicht bereit, Venry, und auch sie nicht, und deshalb mussten wir uns trennen.
Wenn du meinst, dass das für mich Strafe bedeutet, so will ich dir das gerne erläutern.
Denn das Gegenteil trifft zu, Venry, Dectar hat das in eigenen Händen.
Und dennoch überkommt mich Verzweiflung.
Wenn ich sie auf der Erde sehe, dann bin ich furchtsam, denn sie ist sehr reich und von hoher Abstammung, und ich bin lediglich ein armer Priester.
Du spürst es sicher, lieber Venry, in mir ist Zweifel, und das ist sehr schlimm.
Doch wenn sie auf der Erde und sehr reich ist, und dieses Wissen nicht in ihr ist, dann muss ich warten, bis sie erwacht.
Denn sie muss wissen, dass ich es bin, und sie muss sich danach sehnen, mich zu sehen.
Zwischen Leben und Tod, 1940
Auch Dectars Freund Venry macht Bekanntschaft mit seiner Zwillingsseele, die als Priesterin im Tempel der Isis ganz in seiner Nähe verweilt.
Venry und seine Zwillingsseele Lyra können in jenem Leben nicht vollkommen zusammen sein, weil sie beide eine andere Aufgabe haben und in ihrer Ursache und Wirkung leben.
Aber trotzdem können sie einander hierdurch stützen und für das Verdienen ihres gemeinsamen Glücks leben:
Die Priesterinnen waren in einem Saal versammelt, den ich betrat.
Eine von ihnen, die wie eine strahlende Sonne ihr Licht über mich ergoss, sah mich an.
Ich erschrak heftig.
Bist du es, Lyra?
Du hier, im Tempel?
Haben mich meine Schritte deshalb hierher gelenkt?
Wollte man, dass ich meinem Vater begegnete?
Will man auch dir die Großen Schwingen schenken?
Ich fragte mich, ob ich träumte.
Es konnte nicht anders sein, sie war Lyra.
Wie sollte ich den Göttern danken.
Lyra, darf ich dich sehen?
Die anderen Priesterinnen gingen fort, und ich trat auf sie zu.
„Seele von meiner Seele, jetzt dürfen wir uns begegnen, doch alles ist mir klar.
Ich bin es, liebe Lyra, als Kinder waren wir auf der „Wiese“, mein Meister hat uns auch jetzt verbunden.
Erinnerst du dich noch an die „Wiese“?
„Ich weiß alles, Venry, und habe lange warten müssen, trotzdem bist du zu mir gekommen.
Aber mein Sehen ist wahrhaftig.
Groß bist du, Venry, deine Wunder sind mir bekannt, du wirst Isis groß machen.
Ich blicke in dein Leben, habe dir immer folgen dürfen.
Mein Meister ließ mich sehen, als spürte er, dass mein Leben bereit ist.
Oh, hab keine Furcht, Venry, dein geistiger Leiter wacht, wachte immer über mich; diese Entwicklung bleibt weit von mir entfernt, meine Ursache und Wirkung sind in das Warten übergegangen.
In meiner Seele liegt mein eigener Schutz, denn sehr oft kamen die Dämonen zu mir, aber auch eine andere Kraft, die sehr stark und mächtig ist, Venry, durch die du die Wunder erlebst, umgab meine Seele mit dem allerersten Wunder, sodass sie vor Angst verschwanden.
Ich werde dienen, Venry, und wer dienen will, empfängt den Schutz der Götter, auch wenn ich ganz allein vor einer Übermacht stand.“
„Lyra, meine Seele, ich bin hier, um den Tempel der Isis groß zu machen.
Ich habe in unser voriges Leben blicken dürfen.
Was wir dort erlebt haben, war Leidenschaft und Gewalt.
Wir brachten Leid und Schmerz, doch unsere Seelen erwachten, und wir ergötzten uns an jenen, die auf dem Scheiterhaufen gestorben sind.
Bist du auch darin bewusst, Lyra?“
„Ja, Venry, ich weiß alles.“
„Wenn dir das klar ist, Lyra, fühlst du dann, warum wir hier sind?
Ist dir das Wunder des Einsseins bewusst?
Du wirst mir die Kraft verleihen, meine Aufgabe zu vollenden, weil die Götter wissen, dass ich alleine scheitern würde.
In anderen Leben wirst du mir gehören, denn jetzt sind wir noch nicht bereit, liebe Lyra, das allerhöchste Glück zu empfangen.
Dennoch sind wir eins, aber dieses Einssein ist eine Gunst und gehört zu meiner Aufgabe.
Wir leben in den Gesetzen, bei dieser Ursache und Wirkung, mein Kind, liegt dieses Einssein, und es gehört dazu.
Wie könnte ich dienen, Lyra, wenn ich die Liebe nicht kennen würde?
Was empfindest du?
Kannst du mir alles erklären?“
„Mein lieber Venry, Herrscher von Isis, Bringer der Liebe, du erlebtest bereits Wunder, doch jene, die kommen, werden andere übertreffen.
Die Götter wollen, dass du dienst, und auch ich muss dienen.
Unser Einssein ließ deine Gaben erwachen und deine Seele sich entwickeln.
In mir lebt Isis, wir sind Kinder Gottes, unser Leben wird hierin enden, um dann weiter zu gehen und wieder gut zu machen.
Auch wenn meine Seele in anderen Körpern leben wird, wir sind und bleiben eins, Venry.
Ich werde Kinder gebären, von anderen gezeugt, trotzdem bin ich dein, nur dein, Venry.
Ich werde warten, aber einst werde ich groß sein und zu dir zurückkehren, und wenn nötig, mich vollkommen hingeben, wie auch immer mein Ende auf der Erde sein mag.
Es wird Zeiten geben, Venry, in denen ich von all diesen Gesetzen nichts weiß, aber in mir wird das Gefühl sein, das mir die Kraft verleiht, alles hinzunehmen.
Du bringst jetzt die Liebe, in anderen Leben bist du unbewusst, und du wirst fragen „warum und wozu“.
Lass uns beginnen, lieber Venry, und unsere erste Abrechnung werden die Götter hinnehmen, sodass du auf dieses Leben wirst zurückblicken können.
Wenn einst die Leere in uns ist, und wir das Leid durchleben müssen, das uns bevorsteht, sind wir auch darin bereit.
Dieses Leben wird siegen, lieber Venry, und uns stärken, wenn unsere Seelen rufen und suchen und keinen Weg finden, und die Finsternis uns umgibt.
In mir selbst liegen all jene Fehler und Sünden.
Dieses Leben geht vorbei, lieber Venry, um mich bereit zu machen für all diese anderen Leben, in denen ich dienen werde, erfahren werde das Leid und den Schmerz, das Unverständnis, das Alleinstehen, das Allein-Erleben und das Suchen und Fragen, wo meine Seele ist.
Warum ich hier bin, Venry?
Ist meine Seele nun nicht bewusst?
Könnte ich nun in der Finsternis leben?
Gehen wir beide nicht einen einzigen Weg?
Und geht es nicht darum, zu erwachen?
Kannst du weiter sein als ich?
Wenn du dem Licht folgen musst, überstrahlt es auch mich, oder wir wären nicht eins.
Wenn du suchst, lieber Venry, werde auch ich suchen, wenn Leere in dir ist, wird auch in mir Leere sein, denn wir sind in allem eins.
Oh, ich verstehe alles.
Wenn ich in die nächsten Leben blicke, Venry, weine ich, nicht vor Furcht, nicht vor Leere, sondern um dienen zu wollen.
Bald bist du sehr groß, dann wiederum sehr nichtig, und du weißt nichts mehr von diesen Wundern, dann wird es ein anderes Leben geben, das dominiert.
Frage dann nicht, warum du allein bist, warum du die Einsamkeit durchleben musst, in der Ursache und der Wirkung werden wir dann „hineingehen“ und auch den Tempel betreten und den Göttern danken, dass wir dienen und erwachen durften.
Ich danke den Göttern, lieber Venry, dass ich dich nun habe sehen dürfen.
Können wir nicht glücklich sein?
Und dient unser Kampf nicht dazu, zu erwachen?
Wie war unser Ende, als Vater Taiti seine große Liebe kennenlernte?
Weder spüre ich das Ungeziefer in meinem Herzen, noch die Schmerzen und das Erwachen des Geistes.
Oh, meine Seele, wenn ich „Mutter“ bin, und der kleine Teil des Amun-Ré in mir lebt und gedeiht und unter meinem Herzen einschläft, dann sind wir eins, weil es uns erwachen macht.
Ich bin bewusst, lieber Venry, wie niemals zuvor, weil ich denke und fühle, und diese Einsamkeit ist nur ein kurzer Augenblick.
Mein Bereitmachen wird sein das Empfangen, und das Empfangen bedeutet, dass wir unser irdisches Leben gelebt haben und in jenen anderen Welten fortfahren.
Ich werde weiterhin beten und die Götter bitten, ob ich auch jetzt mit dir sterben darf, das wirklich einzige, um das ich bitten werde.
Mein Gebet reicht weit, es dringt vor bis zu den Göttern, lieber Venry.
Dir wird die Weisheit gegeben und das Wissen, dass ich auf dich warte, und dass du mich rufst, mich bereit zu machen.
Ich weiß, dass es eine große Gnade ist, dennoch können wir diese Gnade empfangen, wenn du handelst, lieber Venry, wie die Gesetze es von dir fordern und die Wunder geschehen.
Ich flehe nicht darum, mich glücklich zu machen, ich bin alles, Seele meiner Seele, in mir ist das Glück, das Glück, erwachen zu wollen und den Göttern zu folgen.
Ich bitte nur darum, auch jetzt mit dir sterben zu dürfen, doch dieses Sterben wird das Bewusstsein und das „Hineingehen“ bedeuten.“
„Ich danke dir, liebe Lyra, für die Kraft, die in dir ist, und ich freue mich, dass du alles weißt.
Die Macht, die mir gegeben wurde, wird dich im Tempel beschützen, in anderen Leben werden die Götter über dich wachen.
Auf der „Wiese“, liebe Lyra, werden wir uns wiedersehen.
Ich bin bereit, du hast alles, du bist eins mit meiner Seele, wir beide werden einst „Ihn“ repräsentieren, unser Haus wird sein wie der Raum, und einen jeden, der erwachen möchte, werden wir in unserer Mitte empfangen.
Wenn die Finsternis dem neuen Licht weicht, wenn Dämonen zum Einschlafen verdammt sind, wenn mein Blut zur Ruhe gekommen ist und Isis erwacht, die Göttin ihren Strahlenkranz auf dein liebliches Haupt legt, dann, liebe Lyra, werde ich meine Aufgabe vollbracht haben, und wir werden „hineingehen“, dann wirst du empfangen, und wir werden zwischen „Leben und Tod“ sein.
Dann werde ich dich holen, und du empfängst „Tod und Leben“, weil du dienen möchtest.“
Mein geistiger Leiter schwebte in unserer Mitte und wollte, dass ich auch sie glücklich machte.
Ich sagte zu Lyra: „Komm an mein Herz, Lyra, und siehe, wie einst unser Leben sein wird.“
Sie umarmte mich und ich sie, doch zwischen unseren beiden Herzen lebte und erwachte die Lotusblüte.
Ihr Licht überstrahlte unsere Liebe, und unsere Herzen verschmolzen, die Stille kam in uns, tiefer, inniger als sämtliche irdischen Mächte und Kräfte zusammen.
In ihrer Seele lebte die ewige Liebe, in ihren Augen gewahrte ich das gesamte Universum, ihr Herz sprach zu mir, und die Verzauberung, das glückselige Einssein mit Amun-Ré erwachte, denn unsere Seelen nahmen diese heilige Ausstrahlung an.
Für einen kurzen Augenblick lebten wir im Raum, und wir sahen Tempel und die Engel, die dort lebten.
„Einst, liebe Lyra, werden wir sein wie die Lotusblüte.
Unser Licht wird dann klar sein, unsere Gewänder aus einem Stoff, gewebt durch unsere Taten, die nur dort getragen werden, wo meine Mutter lebt.
Bewahre die Lotusblüte, liebe Lyra, wenn sie sich auflöst, komme ich dich holen, und wir werden sterben.
Wie sehr ich den Göttern danke.
Oh, meine Seele, frage nichts, meinen Hass werde ich überwinden und ihm auf würdige Weise entgegentreten.
Mein Kampf wird in Liebe gekämpft werden, denn ich will dienen und mit dir zu einem einzigen Leben kommen, einem einzigen Fühlen und Verstehen, erst dann wird unsere Liebe vollkommen sein.
Ich werde mich selbst besiegen, Lyra, und mein ganzes Wesen in deine Hände legen, und du wirst über mich wachen, wie die Tiefe deiner „Mutterliebe“ in dir ist.
Dann gehen wir „hinein“, Lyra, und unser Leben wird gesegnet sein.
Königin meines Herzens, bist du überzeugt, dass ich mich selbst besiegen werde?
Spürst du, dass ich erst jetzt bereit bin?
Du lebst in mir und um mich, für unser Glück werde ich dienen.
Du spürtest jetzt, dass ich kommen würde, auch später wirst du es erfahren.
Ich muss fortgehen, Lyra, mein Meister lässt es mich spüren.“
„Geh, mein lieber Venry, geh nur, ich werde warten.“
* *
*
Ich ging fort, Lyra lebte jedoch nahe bei mir.
Sie gehörte zu mir, und dafür dankte ich den Göttern.
Unberechenbar sind die Wege, welche die Götter uns zwingen zu beschreiten, es kann in Leid und Schmerz sein, aber auch im Glück.
Ich verstand alles, diese Gnade spürte ich, mein Dienen würde vollkommen sein.
Ich würde mir meine Zwillingsseele verdienen müssen, alle Menschen würden dies erleben.
Wir waren hierin bewusst.
Ein jeder erlebte seine eigene Ursache und Wirkung, seine Sehnsüchte.
Alle waren unterwegs, um jener Seele zu begegnen, die einen Teil, einen Himmel, einen Tempel, einen Raum ausmacht für beide, in dem sie lebten.
Auch wir waren unterwegs und dabei, all das Mächtige zu verdienen.
Zwischen Leben und Tod, 1940
In "Durch die Grebbe-Linie zum ewigen Leben" fühlt Theos Vater, dass er durch das Erleben seiner irdischen Heirat, die trotz allem himmlisch war, für die Zwillingsseelenliebe erwacht ist:
Sie lebt im Jenseits, in den Sphären des Lichts, sie ist sehr jung und schön und vor allem sehr lieb.
Wenn ich sie sehe, fühle ich mich selbst.
Was das bedeutet, Theo?
Eins zu sein in allem, in deinem Denken und Fühlen eins zu sein mit einem anderen Wesen.
Es ist das Mächtigste, was Gott uns schenken kann.
Sie ist meine Zwillingsseele, Theo.
Ich bin so wie sie und auf ewig gehören wir zusammen.
Du wirst nun auch verstehen können, warum ich Mutter noch liebe und sie wirklich liebe, warum ich ihr dankbar bin.
Mutter tat mir viel Böses an, nichts unterließ sie, mir Schmerzen zu bereiten, aber nun bin ich darüber froh, denn dadurch bin ich wach geworden.
Durch sie habe ich mich auf meine Zwillingsseele vorbereiten können.
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Als er Theo begleitet und ihm hilft, bleibt er trotzdem mit Angelica verbunden, seiner Zwillingsseele.
Im Gefühl können sie einander immer erreichen, sprechen miteinander.
Theo fängt ein Gespräch zwischen Angelica und ihrer Zwillingsseele auf, seinem Vater.
Angelika nennt ihre Zwillingsseele "Väterchen":
Diese Worte, kommen sie von mir, kommen sie von Vater?
„Verstehst du es nun?
Weißt du es jetzt, mein Alles?
Weißt du es nun ganz sicher?
Dass ich dich liebe, dass ich dich mit allem, was in mir ist, lieb habe.
Meine Seele, die ich zwischen Himmel und Erde von Gott bekommen habe, weißt du es nun?“
Vater, ich fühle ihn.
Ich darf nun in seinem tiefsten Inneren lesen.
Ich fühle, ich weiß, erfahre.
Es ist Angelika, die zu ihm spricht.
Getrennt sind sie und dennoch immer eins.
Ihre Worte, die ihren innigsten Gefühlen ihre Form verdanken, jene Worte fing ich auf.
Und nun kann ich nicht mehr an Jack und alles denken, was mich betrifft und beschäftigt, und auch dies wird schon so gut sein.
Vater hört Angelika zu, sein ganzes Wesen lauscht nach ihren Worten.
In ihm herrscht Stille, Ehrfurcht und Ergriffenheit, nun da seine Seele zu ihm spricht und ihm von ihrer Liebe erzählt.
Und trotzdem versteht er es noch, mir zu helfen, hält mich fest, er, der all diese Heiligkeit nur schwer tragen kann.
Wie unbeholfen, wie schwerfällig ist mein Fühlen und Denken noch, ich, der alles in dieser Welt noch zu lernen hat!
Ihre Liebe flüstert Angelika neue Worte ein: Sie sind reiner als die schönste Musik.
„Väterchen, mein Väterchen doch.
Oh, mein liebes Väterchen.
Ich sitze hier draußen und denke an dich.
Rochen die Blumen je herrlicher?
Die Vögel, sie singen die Worte, die aus meinem Herzen quellen.
Und wenn ich mich über das Wasser neige, sehe ich dein Gesicht in dem kristallklaren Spiegel.
Ich schreibe einen Brief für dich, Väterchen, und dieser Brief kommt direkt aus meinem Herzen zu dir.
Woran ich nun denken muss, mein Väterchen, weißt du, woran?
Wenn wir demnächst – es dauert vielleicht noch tausend Jahre oder selbst länger, aber für uns besteht schließlich keine Zeit?, - wenn wir demnächst dann soweit sind, dass wir den anderen und höheren Grad (Der vierte kosmische Lebensgrad) betreten dürfen, werden wir erneut ein Kindchen bekommen.
Und du wirst es mir dann geben, ich werde dann die deine sein und Gott wird zusehen und lächeln.
Mein liebes Väterchen, wirst du vorsichtig sein und darüber wachen, dass das Kind, das nun neben dir steht und sein Leben erkundet, sich nicht verliert?
Du weißt doch, dass ich auch nun bei dir bin?
Wenn ich ihn ansehe, ihn, der dein Kind ist, muss ich an das kleine Wesen denken, das ich demnächst in deine Hände legen darf.
Mein Väterchen deines eigenen Kindes, wie wirst du mich dann ansehen?
Was wirst du dann denken?
Oh, ich weiß es, stell dir einmal vor, dass wir nun auf der Erde lebten.
Du würdest dann deinen allerbesten Anzug anziehen und mit mir und unserem Kindchen spazieren gehen.
Dann sähen die Menschen dein strahlendes Gesicht und sie wüssten, dass bei uns das Glück innewohnt.
Beide würden wir unser Kindchen anschauen und Gott dafür danken, dass Er uns dieses Leben anvertraute.
Väterchen doch, mein Glück, wirst du bald wieder einen Augenblick zu mir kommen?
Ich folge dir zwar, natürlich folge ich dir,
aber ich möchte dir nur kurz sehr nahe sein. Und wirst du mich dann auch fest an dich drücken?
Fester noch, so fest, mein Liebling, dass wir ineinander übergehen und unser Herzschlag eins wird?
Und wirst du mich dann, wo immer du auch bist, stets und immer so fühlen wie in diesem gesegneten Augenblick?
Denn ist dies nicht Gottes Wille, schenkte nicht Gott uns diese Beziehung?
Wer bist du nur, mein Alles im Raum, dass ich dich so sehr lieben muss?
Ist das wohl gut so?
Aber das ist es schon, haben wir nicht die erste Sphäre in unserem ewigen Glück erreicht.
Und wenn du diese Reise beendest und du dein eigenes Kind soweit gebracht hast, dass auch es für all diese heiligen Offenbarungen bereit ist, weißt du, mein liebes Väterchen, was uns dann erwartet?
Wenn Jack mit seinem Studium beginnt und auch ich mit meiner Arbeit fertig bin?
Muss ich es dir noch sagen?
Genau wie auf Erden?
Aber hier kannst du es wissen, ohne dass ich es dir sage.
Denn nun bist du vollkommen eins mit mir und brauchst nur zu denken, um zu fühlen, dass das Wissen in dich strömt.
Und dennoch tust du es nicht.
Möchtest du wie auf Erden sein und es lieber aus meinem eigenen Mund hören?
Alles ist so lieb von dir.
Höre dann, mein Väterchen, ich sehe schon nun das Kindchen, das uns gegeben werden wird, wenn wir jene höhere Bewusstwerdung erreicht haben.
Dort bin ich wieder und dann zum dritten Mal deine Angelika.
Oh, meine liebe Seele doch.
Ich werde dann dein Mütterchen sein,
mein teures Wesen, Teil meiner selbst.
Ich liebe dich so wahrhaftig und so spürbar, ich weiß es.
Gott lässt es mich sehen und fühlen.
Hörst du noch zu?
Wir bereiten uns nun darauf vor.
Schritt für Schritt steigen wir empor.
Wir zwei, mein liebes Väterchen.
Erst dann werden wir die Gesetze erleben, wie Gott es gewollt hat, und Vater und Mutter sein.
Ach, ist es nicht herrlich, was ich schon nun sehe und fühle?
Danach sehnen wir uns alle, sagt mein Meister, oder das Leben stünde hier still.
Und das ist schließlich nicht möglich.
Wir müssen doch immerfort weiter und tiefer das Vater- und Muttersein erleben, ewig.
Gott ist doch Selbst Vater und Mutter?
Habe ich dir das nicht schon auf Erden erzählt, mein Liebling, wie viele Tage und Stunden sind inzwischen nicht vergangen?
Es scheinen wohl Jahrhunderte zu sein, so viel erlebten wir, und es ist gut so.
Wenn du demnächst wieder zu mir zurückkehrst und wir wieder in unserer Sphäre wandeln, und wir die Vögel und Blumen grüßen, dann, mein Alles, werde ich dir ein großes Geschenk machen.
Dir, meine Seele, mein teures Leben, und es wird dich sehr glücklich machen.
Damit erwarte ich dich in unserer Sphäre und mit der Fülle meiner großen Liebe, ich werde dich umarmen und küssen, wenn du nach der Erfüllung deiner schönen Aufgabe zurückkehrst.
Ich habe mit meinem Meister gesprochen, mein Liebling.
Nein, nun darfst du nicht denken.
Nun musst du deine Augen schließen und nicht wissen wollen, was das Geschenk ist, das ich dir dann geben werden.
Es muss eine Überraschung bleiben.
Auf Erden geht das, da kann man eine Überraschung geheim halten, falls es notwendig ist.
Wirst du nicht denken?
Meine allerliebste Seele, ich werde nun warten, bis du wieder Zeit hast, um mit mir zu sprechen.
Ich nehme nun dein Haupt in meine Hände und meine Lippen berühren dein Gesicht und deinen Mund.
Ich küsse dich...
Rein ist meine Liebe zu dir, rein und ewig.
Ich sehe dich noch, noch sehe ich dich, aber nun gehst du in dein eigenes Kind über.
Auf Wiedersehen mein liebes, liebes Väterchen.
Auf Wiedersehen meine Seele.“
 
 
Heilig ist es, was ich hören durfte, kein Wort ist mir entgangen.
Ich durfte in Angelikas tiefstem Inneren lesen und erlebte die Gefühle, die ihre Worte antrieben, in den Raum, geradewegs in Vaters Herz.
Ich traue mich nicht, Vater anzusehen, am liebsten würde ich mich ganz klein machen und mich verkriechen.
Warum konnte er dieses Heilige, das doch nur für ihn bestimmt war, nicht vor mir verbergen?
Oder ließ er es mich absichtlich miterleben, verfolgte er damit einen Zweck?
Das sollte es wohl sein!
Aber weiß er denn nicht, dass ich mich danach sehne, auch so lieb haben zu können.
Dass ich vor Sehnsucht nach solchen Worten, solchen Gefühlen brenne?
Dass ich wie er ‚Väterchen’ genannt werden möchte?
Das sind nun Geister, Engel!
Wie natürlich sind sie in ihrer Liebe.
So groß, so tief kann die Liebe zwischen zwei Seelen also sein.
Mein Gott, mein Gott, mein Herz droht zu zerspringen, ich habe gefühlt, was es bedeutet, lieb zu haben. Dies ist erhaben, dies ist Ehrfurcht gebietend!
Dem bin ich nicht gewachsen, hilf mir nun, dies zu tragen, oh Gott.
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Theo fragt sich nach seinem irdischen Leben, warum die meisten Menschen erst auf jener Seite die Zwillingsseelenliebe empfangen:
„Aber warum erkennen wir dieses große Glück erst hier?“
„Das ist doch völlig einleuchtend, Theo.
Auf Erden kennen wir uns selbst nicht einmal.
Wie sollten wir dann diese Gesetze kennen?
Auf Erden lieben die Menschen in der Regel nur sich selbst und diese Art von Liebe, du fühlst es, hat nichts mit der wunderbaren Zwillingsliebe zu tun.
Die Menschen leben dort ihr eigenes Leben und gehen nicht auf die Seelenleben ein, die ihren Weg kreuzen.
Es sagt ihnen nicht, sich vor ihnen zu neigen und deshalb haben sie auch nicht lieb.
Einige wenige gibt es jedoch, die wahrhaftige Liebe besitzen.
Diese wenigen besitzen gewöhnlich die Schwester- und Bruderliebe, auch wenn sie glauben, die Zwillingsliebe zu erleben.
Groß ist ihr Liebesgefühl und wenn sie heiraten, offenbart sich eine herrliche Harmonie.
Nimm einmal an, Theo, dass einer der beiden in diese Welt hinübergeht.
Der andere, der zurückbleibt, sehnt sich entsetzlich nach dem Wesen, das hinüberging.
Niemals mehr würde er eine Verbindung mit einem anderen Seelenleben wollen.
In ihm lebt nur die Sehnsucht nach dem Wesen, das er nun im Jenseits weiß.
In seiner Liebe, die sein Gefühl wachsen lässt und sein Bewusstsein erweitert, liegt Tiefe, reine Tiefe.
Und doch kann er nicht feststellen, ob sie beide Zwillingsseelen sind.
Erst an dieser Seite erfahren sie dann, dass ihre Gefühle keine Zwillings-, sondern Schwester- und Bruderliebe war.
Auf Erden konnten sie es nicht wahrnehmen, da diese Tiefe nicht gefühlt oder ergründet werden kann.
Stell es dir einmal so vor, als sei die von nur wenigen Menschen auf Erden erlebte Schwester- und Bruderliebe universal, die Zwillingsliebe jedoch kosmisch.
Und wer auf Erden kann kosmisch tief fühlen.
Nein, Theo, nur sehr, sehr wenig Menschen leben auf Erden bewusst im Zustand der Zwillingsseele.“
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Theo ist überrascht, dass Zwillingsseelen einander auf der Erde begegnen können, ohne einander zu erkennen:
„Aber können Zwillingsseelen sich nicht auf Erden begegnen, ohne zu wissen, dass sie zueinander gehören?“
„Sicherlich ist das der Fall, Theo.
Wir, Seelen, sahen uns in verschiedenen Leben, auch wenn das nicht immer als Mann und Frau zu sein brauchte.
Du kannst deinem Seelenleben als Kind auf Erden begegnen, als einer alten Frau, als deinem Vater oder deiner Schwester.
Und trotzdem sind beide Seelen kosmisch füreinander bestimmt.
Du willst fragen, wie das möglich ist?
Die Zwillingsseelen müssen die Gesetze Gottes kennen lernen, sie müssen universal lieben lernen.
Dazu mussten sie mit dem Leben Gottes in Berührung kommen.
Sie gingen ihren eigenen Weg.
In ihren Leben taten beide Gutes und Schlechtes, jeder auf seine eigene Weise und für sich selbst.
Die Gesetze von Ursache und Wirkung brachten sie einmal hierher, dann wieder dorthin.
Und wenn sie einander wieder einmal begegneten, erkannten sie sich nicht, und zwar deshalb, weil sie in ihren eigenen Gesetzen lebten.
Erst wenn alles gutgemacht ist, können wir uns auf Erden bewusst wiedersehen.
Aber ich sagte dir bereits, meistens geschieht dies an dieser Seite, da wir dieses erhöhte Bewusstsein auf Erden nicht besitzen wollen.“
„Was sagst du da, Vater?
Nicht besitzen wollen?“
„Ja, mein Junge, so ist es.
Wer auf Erden will sich vor all dem Leben Gottes neigen?
Wer will all dies Leben lieben?
Wer setzt sich dort in völliger Hingabe für all dies Leben ein?
Wer ist in seiner Liebe so vollkommen, dass nichts, kein hartes Wort, keine Tat diese Liebe stört?
Wer hasst dort nicht mehr und versteht es, immer und unter allen Umständen das vergebende Wort zu sprechen?
Wer will so leben, so dienen und geben, und sich dadurch ein höheres, geistiges Bewusstsein zu Eigen machen?
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Über der universellen Liebe steht die Zwillingsseelenliebe:
Und dennoch haben wir so zu leben, wollen wir für unsere Zwillingsseele bereit sein.
Wie können wir für sie oder ihn bereit sein, wenn wir nicht einmal die Liebe für unseren Mitmenschen besitzen?
Ich sagte dir bereits, die Zwillingsliebe steht über der universellen Liebe, denn sie ist kosmisch.
Niemals bin ich für die Zwillingsliebe bereit, wenn ich nicht universal liebe.
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
In der nächsten Passage beleuchtet Theos Vater das körperliche und geistige Einssein von Menschen auf der Erde:
Wenn aber bei ihrem Einsseins eigene Triebe nach oben kommen, verschließen sie sich schon wieder der Liebe.
Ihre Verbindung hätte gesegnet sein können, denn auch die Zwillingsliebe führt über die Mutterschaft, das Einssein, zur kosmischen Verbundenheit.
Sie hätten ein Gefühl erlebt, dass der Erde weit voraus ist, ja, das die universelle Liebe übersteigt und die Zwillingsliebe berührt.
Das Muttergefühl hätte sie so weit gebracht.
Verstehst du dessen tiefe Bedeutung, Theo?
Höre dann.
Die Mutter ist das heiligste Wesen im Kosmos.
Sie hat in ihrem Zustand Verbindung zu Gott.
Wenn sich die beiden Wesen nun, die das Einssein erleben, auf die Mutter einstellen, steigen sie weit über das stoffliche Leben hinaus.
Sie sind dann wahrlich eins und kosmisch ist ihre Verbindung.
Wie ich dir aber bereits sagte, darf dann keine Leidenschaft in ihnen leben, ihr Verlangen darf sich nicht auf den Organismus, sondern muss sich auf die Seele richten, da ihre Verbindung in diesem Fall nur körperlich und ohne geistige Bedeutung wäre.“
„Ich glaube, Vater, dass das Einsein für viele Menschen, die geistig erfühlen, ein großes Problem darstellt.“
„Wir wissen, dass dem so ist, Theo, dennoch sollte sich der Mensch auch dessen bewusst werden.
Sehr viele verstehen das Einssein überhaupt nicht, weil sie sich selbst nicht verstehen.
Unzählige kirchliche Seelen gebieten dem Einssein selbst Einhalt.
Nehme Folgendes an: Wenn wir einander wahrhaft lieben, ist es eine heilige Tat.
Nur wenn wir ausschließlich den Organismus lieben und unsere Seele in Leidenschaft zurückfällt, ist alles irdisch und körperlich.
Dann entbehrt unsere Tat jede geistige Bedeutung!
Derjenige, der jedoch den Raum erfühlt, Achtung und Liebe vor dem Seelenleben besitzt, mit dem er sich verbindet, dieser Mensch wird auch das andere Leben veranlassen, sich selbst dafür einzusetzen, wahrhaft rein und geistig zu erleben, wodurch sich das unbewusste Leben öffnet.
Wenn dann eine Seele angezogen wird, ist es selbst möglich gleichzeitig kosmisch verbunden zu werden, woraufhin die Liebe dieser zwei Menschen ein höheres Stadium erreicht.“
„Was bedeutet das, Vater?“
„Das heißt, mein Junge, dass unser Inneres sich durch eine derartige Verbindung öffnet, und dies geschieht dann durch das Seelenleben, das wir anziehen.
Die Mutter an erster Stelle, weil sie das neue Leben in sich empfängt, trägt und wachsen lässt.
Wir allerdings, da wir Mutter und Kind lieben, auf die Art und Weise, die Gott will.
Leider geschieht es nur allzu oft, dass das erschaffende Wesen sich durch irdische Belastungen aus jenem Glückszustand bringen lässt, seine liebevolle Aufmerksamkeit für die Mutter und das kleine Wesen in ihm abnimmt und letztendlich ganz nachlässt, sodass die Mutter mit all diesen starken Gefühlen, die auf sie eindringen, und über die sie sprechen möchte, da sie diese nicht ohne Hilfe verarbeiten kann, allein bleibt.
Sie fühlt sich dann allein gelassen, die Mutter, arm und irdisch ...
Wir müssen ihr daher immer zur Seite stehen, ihr folgen und sie lieben, ihr dienen und sie unterstützen.
Ist jene Ehrfurcht, jene reine, geistige Liebe in uns, und wird sie von der Mutter erfühlt und verstanden, dann haben wir auf Erden einen Zustand himmlischen Glücks erreicht – ein Glück, das uns erhöht, erweitert und vertieft –, ein Glück, das von Gott gesegnet wird.
Und das alles empfingen wir dann durch das reine Einssein und das Anziehen des neuen Lebens.
Wollen wir in diesem Zustand leben, müssen wir uns gänzlich dafür einsetzen.
Wenn wir von diesem Willen durchdrungen sind, lässt Gott Seine heiligen Gesetze in uns erwachen und verändert sich unser gesamtes Leben.
Dann ist die Mutter für uns eine Heilige, selbstverständlich nur, falls auch sie diesen Glückszustand und dieses Bewusstsein anstrebt.
Jede falsche Handlung, jeder Anschnauzer, jede Härte oder jedes Missverständnis verschlechtert das Verhältnis, wodurch das Glück zerrinnt.
Nichts von dem heiligen Kontakt, der Mann und Frau verbindet, bleibt dann übrig.
Wenn wir hingegen jede Sekunde, die Gott uns schenkt, benutzen, um dem Wesen neben uns näher zu kommen, arbeiten wir an der Verinnerlichung einer geistigen Beziehung, die uns unser ganzes Leben lang das höchste Glück sichert, das nur von denen gefühlt und angestrebt wird, die hier Zwillingsseelen sind.
Erst müssen wir dem Leben neben uns dienen und es mit geistiger Kraft lieben können, dann erst sind wir bereit, die Seele zu empfangen, die die unsrige ist.“
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Die Gefühle der Zwillingsseelen berühren die Schöpfung:
Unsere Gefühle aber berühren die Schöpfung.“
„Die Schöpfung, Vater?
Was meinst du damit?“
„Das heißt, Theo, dass ich in meinem Fall durch Angelika in den Raum gelange.
Dadurch, dass ich in ihr Leben herabsteige, sehe ich in alle Grade der Schöpfung, die wir beide erlebt haben.
Unsere Liebe führt uns also zu Gottes Leben, wir lieben es.
So bleibt unsere Liebe niemals stillstehen,
denn immer wieder stoßen wir beim Herabsteigen auf das Wesen, das zu uns gehört, auf neue Gesetze und Wunder.
In dem Maße, wie wir uns dessen somit bewusster werden, können wir tiefer in die nahezu nicht zu ergründenden Zustände vordringen, die dem Menschen als Funke Gottes innewohnen.
Indem wir also das Seelenleben neben uns durchdringen, gelangen wir tiefer zu Gott und Seiner Schöpfung und leben wir im Mittelpunkt Seines Wesens, Das uns erschuf.
Es ist tiefgreifend, mein Junge, was du nun verarbeiten musst.
Stell dir einmal vor, dass wir, indem wir das Leben neben uns ergründen, mit allen körperlichen und geistigen Graden, die das Leben kennt, in Verbindung gebracht werden.
So weit führt es uns, wenn wir einen Menschen wahrhaft lieben, es kann uns die Liebe schenken!
Ist es denn kein Wunder, dass wir Ehrfurcht für das Leben neben uns empfinden, und dass kein hartes Wort mehr über unsere Lippen kommen kann?
Ist es kein Wunder, dass unsere Liebe uns niemals erschöpft und wir vor Gottes Schöpfung tief unser Haupt neigen?“
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Wachsen in Liebe, in dem wir unsere Geliebten vollkommen akzeptieren:
Um es kurz zu machen, jede Handlung, die von dem Wesen neben uns vollbracht wird, nehmen wir in Liebe an, denn alles, was dieses Leben tut, ist gut!
„Aber das geht auf Erden doch nicht, Vater?“
„Da hast du dann schon eine Störung, Theo.
Wir müssen das Wesen neben uns mit allem, was es tut, akzeptieren.
Es handelt nach dem Gefühlsgrad.
Wir müssen es emporziehen.
Niemals dürfen wir daher eine falsche Tat durch unser hartes Auftreten bestrafen.“
„Um dir das zu Eigen zu machen, bedarf es wohl ein ganzes Leben, Vater.“
„Das hast du richtig erfühlt, Theo, so ist es.
Wer allerdings ernsthaft dazu bereit ist, kann sich darin vervollkommnen.
Das erfordert auch Lebensweisheit.
Diese Lebensweisheit erreichen wir durch Denken.
Denken lernen ist die Aufgabe jedes Menschen, der geistige Höhe erreichen will.
Das Wesen neben uns, ich sagte es bereits, führt uns direkt zu Gott und Seiner heiligen Schöpfung.
Diesem Wesen müssen wir somit in seinem Denken, Fühlen und Handeln folgen.
So sinken wir in seine Seele und lernen sie kennen.
Dadurch, dass wir denken, erweitert sich folglich unser Bewusstsein, wächst jedoch auch unsere Liebe.
Auf diese Weise, und nur so, können wir in die Zwillingsliebe übergehen und bewusst in ihr leben.
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Wie ist unsere geistige Liebe?
Wie sieht unsere Liebe aus?
Was fühlen wir?
Wir mit unserem geistigen Bewusstsein fühlen in dem Wesen, das wir lieben, das Leben, den Raum, die Schöpfung, Gott.
Die Seele ist es, die wir fühlen.
Damit sind wir gänzlich verbunden.
All unsere Eigenschaften berühren die des anderen, nichts Störendes gibt es.
Wir haben uns diesen Grad des Fühlens und Denkens angeeignet.
In diesen Graden unseres Gefühlslebens spricht wieder der Raum, in dem wir lebten.
Wenn diese Grade in unserem Bewusstsein verankert ruhen und sie von dem anderen Leben gefühlt werden, berühren wir unser Unterbewusstsein und können anschließend auf tiefe, kosmische Einheit übergehen.
Durch unsere Liebe kehren wir dann wieder zum allerersten Stadium der Schöpfung zurück.
Auch dort waren wir eins.
Gott verband damals unsere Leben.
Unsere Liebe steht folglich damit in Verbindung.
Je tiefer wir nun fühlen und denken können, desto tiefer dringen wir in jene ersten Stadien ein.
Wir fühlen uns dann von Gott getragen.
Wir fühlen uns in Seine Gefühlswelt aufgenommen und lernen Ihn als Vater und Mutter kennen.
Wenn wir gefühlsmäßig einmal so weit sind, heißen wir kosmisch-tief.
Wir sind dann wahrhaft Zwillingsseelen und bereit, tiefer und tiefer in den Göttlichen Plan einzutreten.
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942
Und dann darf auch Theo seiner Zwillingsseele in den Lichtsphären begegnen.
Beide werden sich für die neue Reinkarnation bereit machen:
Dann fühle ich, dass jemand sich mir nähert.
Es muss jemand sein, dem ich hier noch nicht begegnet bin.
Ich schaue auf und sehe in das Gesicht eines bildschönen Wesens.
Mein Gott, was steht mir bevor?
Die Frau nähert sich mir.
Ich möchte niederknien.
Das blaue Kleid, das sie trägt, strahlt mir entgegen.
Wir schauen uns tief in die Augen und sinken in unsere Seelen herab.
Sie sieht in meine Leben und ich in die ihren und beide danken wir Gott.
Wir sprechen kein Wort, aber diese Begegnung bedarf keiner Worte.
Wer ist sie?, denke ich und sie fragt sich dasselbe.
Ich fühle sie als wäre sie ich selbst.
Sie muss eine Schwester von mir sein.
In Gedanken bitte ich sie, sich neben mich zu setzen.
Sie tut es.
Sie öffnet sich mir vollkommen, ich darf ihr bis in ihr tiefstes Innere folgen.
Ich lese in ihr, dass sie diese Welt wieder verlassen wird, um abermals zur Erde zurückzukehren.
Sie hat sich bereits völlig auf die Erde eingestellt, daher kann ich ihr folgen.
Sie zeigt mir nun ihr Leben, das sie erlebte, bevor sie diese Seite betrat.
Ich zeige ihr das meine.
Sie kehrt zur Erde zurück, um dort die Mutterschaft zu erleben, dann allerdings auf geistiger Abstimmung.
Nun schon muss sie sich vorbereiten, um von der Erde angezogen zu werden, in hundert Jahren wird dies der Fall sein.
Ich habe reine Ehrfurcht vor diesem Leben; wer dieser Seele demnächst auf Erden begegnet, wird von ihr ausschließlich Glück empfangen.
Ich fühle sie wie ein Kind, das voller Liebe ist.
Diese Liebe ist ihr Besitz, sie ist Liebe geworden.
Sie wünscht nun in der Mutterschaft ihren Grad zu erlangen, und da dies nur auf Erden geschehen kann, schenkt Gott ihr diese Gnade.
Ihr goldglänzendes Haar wellt sich über ihre Schultern, fein und herrlich ist ihre Gestalt.
Ein himmlisches Glück fühle ich, als ich sie ansehe.
Mein Gott, wie verarbeite ich das nur – wie kann ich Dir danken – mein Gott, ich stehe meiner Zwillingsseele gegenüber!
Dieses schöne Wesen gehört zu mir, sie ist wie ich, sie wird ewig die meine sein!
„Seele meiner Seele“, sage ich, „ist dies alles wahr?
Weißt du, dass wir für ewig und immer zueinander gehören werden?
Dass Gott uns beiden das neue Leben schenken wird?
Weißt du, dass wir uns dort wieder treffen werden?
Sage mir, sind diese Gefühle auch in dir anwesend?“
Wir sehen uns an und unsere Blicke sprechen, was Worte nicht vermögen.
„Gott gab mir die Gnade dich zu sehen.
Nun musst du wieder fortgehen, ich weiß es.
Ich grüße dich, bis bald!“
Mehr, viel mehr hätte ich noch sagen wollen, aber es ist nicht mehr möglich.
Die heilige Gestalt hat sich vor mir aufgelöst.
Ich falle in einen Zustand der Bewusstlosigkeit.
Wie lange dieser anhielt, weiß ich nicht, aber als ich die Augen aufschlug, stand Vater vor mir.
Und er bestätigte alles, was ich erlebt hatte.
„Wo ist sie nun, Vater?“ wollte ich wissen.
Die Gefühle, die er in mich legte, sagten mir alles und ich wusste, dass ich ihr nun nicht mehr folgen durfte.
Wie sie, musste auch ich mich vorbereiten, damit ich bereit sein würde, wenn der Augenblick gekommen war, meine Reise zur Erde anzutreten.
Beseelt durch dieses Zusammentreffen mit meiner Zwillingsseele, arbeitete ich noch ernsthafter als zuvor an meiner Entwicklung.
Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben, 1942